• vom 29.05.2017, 16:39 Uhr

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Stress schadet dem Ungeborenen




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  • Das Hormon Cortisol kann den Stoffwechsel in der Plazenta verändern.

Vor allem berufstätige Schwangere leiden unter dem Druck.

Vor allem berufstätige Schwangere leiden unter dem Druck.© Fotolia/fizkes Vor allem berufstätige Schwangere leiden unter dem Druck.© Fotolia/fizkes

Zürich/Wien. (gral) Während einer Schwangerschaft befindet sich die Frau gänzlich im Umbruch. Psyche und körperliche Funktionen werden aufgrund hormoneller Veränderungen stark beeinflusst. Während die Umstellung in den ersten Wochen für die Außenwelt unsichtbar abläuft, verrät sich eine Schwangerschaft für den Außenstehenden erst nach und nach durch die Veränderung der Körperformen. Bis dahin ist im Mutterleib schon viel passiert. Das neue Leben beansprucht Energie für sich, die sie seinem Wirt regelrecht entzieht.

Eine Schwangerschaft ist damit eine Ausnahmesituation für Körper und Geist, die es erfolgreich zu meistern gilt. Gepaart mit Job und Alltag kann es allerdings zu Belastungen kommen, die nicht nur der Schwangeren selbst, sondern auch dem Fötus an den Kragen gehen, berichten nun Wissenschafter der Universität Zürich. Das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, sich immer um alles kümmern zu müssen, nicht alles unter einen Hut zu bringen, lässt die Konzentrationen von Stresshormonen im Fruchtwasser ansteigen. Dies scheint der Entwicklung des Ungeborenen einer der Schweizer Forscher Studie zufolge zu schaden.


Stresshormon im Fruchtwasser
Bei Stress schüttet der menschliche Körper bestimmte Hormone aus, um mit der höheren Belastung umzugehen. So zum Beispiel das sogenannte Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH), das in Folge das bekannte Stresshormon Cortisol ansteigen lässt. Dieser Mechanismus bleibt auch während der Schwangerschaft bestehen, und die Plazenta, die den Fötus mit Nährstoffen versorgt, kann CRH ebenfalls freisetzen. Dadurch gelangt es in kleiner Menge auch in den fetalen Kreislauf und ins Fruchtwasser, schreiben die Forscher um die Psychologin Ulrike Ehlert von der Universität Zürich in einer Mitteilung der Hochschule.

Aus Tierstudien ist bekannt, dass dieses Hormon die Entwicklung des Ungeborenen ankurbeln kann. Es wird dann verstärkt ausgeschüttet, wenn die Wachstumsbedingungen im Mutterleib ungünstig sind. Dadurch sollen die Überlebenschancen angesichts einer zu frühen Geburt erhöht werden. Bei Kaulquappen ist dies bekannt: Droht ihr Teich auszutrocknen, so wird im Froschnachwuchs CRH freigesetzt, wodurch die Metamorphose vorangetrieben wird. Was dem Frosch sein Überleben sichert, kann beim Menschen aber auch negative Folgen haben. Wird das Wachstum des Ungeborenen nämlich zu sehr beschleunigt, "kann dies auf Kosten der ausdifferenzierten Reifung der Organe geschehen", betont Ehlert. So manches Organ könnte also darunter leiden und somit Schaden nehmen.

Bindung gleicht aus
Daraus können sich später psychische oder körperliche Erkrankungen entwickeln - so zum Beispiel eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder auch Herz-Kreislauf-Leiden, schreiben die Forscher. Die Rede ist dabei allerdings nur von lang anhaltenden Stresssituationen. Bei akuter, kurzanhaltender Belastung der Mutter bleibt das Baby der Studie zufolge vor den negativen Effekten von Stress geschützt. Das Cortisol steigt dabei nur im mütterlichen Körper an und nicht im Fruchtwasser.

Da sich Stress in der Schwangerschaft nicht immer vermeiden lässt, hat sich die Natur aber offenbar etwas ausgedacht: Denn "eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind nach der Geburt kann negative Effekte von Stress in der Schwangerschaft wieder aufheben", betont die an der Studie beteiligten Psychologin Pearl La Marca-Ghaemmaghami.




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