• vom 07.06.2017, 22:55 Uhr

Mensch


Psychologie

Männer mit Sozialkompetenz




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  • Selbstbewusster, sozial kompetenter und gehorsamer: Männer entwickeln Persönlichkeitsmerkmale, die mit höherem Einkommen verbunden sind.

Helsinki. Junge Männer entwickeln zunehmend Persönlichkeitsmerkmale, die in der Wirtschaft erwünscht sind - etwa Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz und Führungsbereitschaft. Diesen Trend haben Psychologen und Wirtschaftswissenschafter bei finnischen Männern der Jahrgänge 1962 bis 1976 festgestellt.

Das Team um Matti Sarvimäki von der Aalto Universität in Helsinki hatte Persönlichkeitstests der finnischen Streitkräfte ausgewertet, wie es in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") berichtet. "Wir finden einen Flynn-Effekt für die Persönlichkeit - das heißt einen langfristigen Anstieg jener Persönlichkeitsmerkmale, die mit höheren Einkommen verbunden sind", schreiben die Wissenschafter.

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Der Flynn-Effekt bezeichnet das Phänomen, dass die Messung der Intelligenz über Jahrzehnte in vielen Ländern zunehmend bessere Ergebnisse zeigte. Das Team um Sarvimäki entdeckte diese Tendenz bei Persönlichkeitsmerkmalen, die mit ökonomischem Erfolg in Verbindung gebracht werden.

Tests an Wehrpflichtigen
Die finnischen Streitkräfte unterzogen alle Wehrpflichtigen einem Persönlichkeitstest, um geeignete Anwärter für eine Offizierslaufbahn zu ermitteln. Da die Testbedingungen nach 15 Jahren geändert wurden, konzentrierten sich die Forscher auf die Geburtsjahrgänge 1962 bis 1976 oder insgesamt 419.523 Männer. Zu jedem Persönlichkeitsmerkmal sollten die Wehrpflichtigen 25 Aussagen entweder zustimmen oder nicht. Im Ergebnis stiegen die Mittelwerte für "Selbstbewusstsein", "soziale Kompetenz" und "Führungsbereitschaft" besonders stark, aber auch die für "Leistungsbereitschaft" und "Gehorsam". Lediglich beim Merkmal "Männlichkeit" war keine klare Tendenz zu erkennen.

Die Forscher berücksichtigten bei der Auswertung den familiären Hintergrund - etwa elterliches Einkommen, Anzahl der Geschwister und ob die Teilnehmer aus eher ländlichen oder städtischen Gegenden kamen. Diese Veränderungen erklärten ein Drittel der Tendenz bei den Charaktereigenschaften.

Für Roman Osinsky von der Universität Osnabrück ist die Studie methodisch in Ordnung, die Teilnehmerzahl sogar herausragend. Allerdings ist nach seiner Auffassung der Fragebogen zu einseitig: "Viele Bereiche, die die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen, sind nicht abgedeckt", sagt der Psychologe. Die Psychologin Jule Specht von der Humboldt-Universität Berlin hält den großen Datensatz hingegen für "extrem wertvoll": "Es gibt so gut wie keine Studien über die Messung von Persönlichkeitsmerkmalen über mehrere Jahrgänge hinweg."




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Dokument erstellt am 2017-06-06 16:57:03



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