• vom 08.06.2017, 18:00 Uhr

Mensch


Biologie

Unrecht lässt Hunde streiken




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  • Vierbeiner verweigern die Arbeit, wenn nur der Kollege das Leckerli erhält, berichten Wiener Forscher.



Wien. (gral) Ungerechtigkeiten lassen offenbar auch Hunde und Wölfe nicht kalt. Wird der Artgenosse nämlich bevorzugt behandelt - also zum Beispiel mit einem Leckerli belohnt, das ihnen ebenso zustehen würde -, reagieren sie mit Arbeitsverweigerung, berichten Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed). Sogar die Qualität der Belohnung wird bewertet und mit Missachtung gestraft, wenn diese im Vergleich zum Partner minderwertiger ausfällt. Da dieses Verhalten bei Wölfen wie Hunden gleichermaßen ausgeprägt ist, gehen die Wissenschafter davon aus, dass es sich dabei nicht um einen Effekt der Domestikation handelt, sondern den Vierbeinern einfach im Blut liegt.

Wichtige, soziale Fähigkeit
Einschätzen zu können, dass man ungerecht behandelt wird, ist eine wichtige soziale Fähigkeit des Menschen. Dies ist vor allem essenziell, wenn man mit anderen Individuen kooperiert. Verschiedene Affenarten reagieren ebenso sensibel, wenn ihnen Ungleichbehandlung widerfährt. Bei Hunden gab es in verschiedenen Studien zumindest Anzeichen von Abneigung gegen ungleiche Behandlung - etwa, wenn sie selbst kein Futter erhielten, aber ihr Partner für dieselbe Aktion schon. Dass sie diese Fähigkeit besitzen, wurde bislang mit der Anpassung an den Menschen, der Domestikation, erklärt.

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Dass die nächsten Verwandten unserer Vierbeiner - die Wölfe - allerdings die gleiche Abneigung vorweisen, hat ein Team um Jennifer Essler vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmed nun in einer Studie aufgezeigt. Die Tiere lernten zunächst, auf ein Zeichen hin einen Knopf zu drücken, und bekamen dafür stets ein Leckerli als Belohnung.

Von zwei Tieren, die einander in benachbarten Gehegen zusehen konnten, erhielt im eigentlichen Versuch nur eines davon eine Belohnung für das Knopfdrücken, oder eines musste sich mit einem Stück Trockenfutter zufriedengeben, während der Versuchspartner nebenan saftiges Fleisch als Belohnung bekam. Sowohl ungerecht behandelte Hunde als auch Wölfe beendeten hierauf die Zusammenarbeit mit dem Trainer und weigerten sich weiterzumachen.

Die Reaktion beim Qualitätstest konnte bei den bisherigen Versuchen im Übrigen nicht gezeigt werden. Es bestätige aber noch eindeutiger, dass Wölfe und Hunde wirklich verstehen, wenn sie ungleich behandelt werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Current Biology". Die Wölfe waren dabei jedoch noch um einiges sensibler als die Hunde.

Sensible Wölfe
Nach dem Versuch hielten die unfair behandelten Wölfe Abstand zu den Zweibeinern, die Hunde hingegen nicht. Der beste Freund des Menschen nahm jenen die Diskriminierung wohl nicht ganz so übel wie sein wilder Vetter.

Interessanterweise arbeiteten die Tiere aber ohne Probleme weiter, wenn kein Partner anwesend war. "Das demonstriert, dass es nicht allein die Tatsache ist, dass sie selber keine Belohnung bekommen haben, weshalb sie aufhören, mit dem Trainer zu kooperieren", erklärt Friederike Range vom Wolf Science Center der Vetmed im niederösterreichischen Ernstbrunn. Das Verweigern werde ausgelöst, weil der andere etwas bekommen hat, sie selber aber nicht. Bei ranghohen Tieren löste die ungleiche Behandlung übrigens schneller Frust aus, da sie die Situation, gar nichts oder Schlechteres zu kriegen, nicht gewohnt sind, so die Forscher.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-08 15:44:06
Letzte nderung am 2017-06-08 15:48:05



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