• vom 14.07.2017, 22:30 Uhr

Mensch


Menschheitsgeschichte

Denisova-Menschen lebten sehr lange am gleichen Ort




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    Leipzig. Der mit dem modernen Menschen und mit dem Neandertaler verwandte Denisova-Mensch lebte vermutlich über eine enorm lange Zeit in kleinen Gruppen am selben Ort. Das belegen neue Erbgut-Analysen des fossilen Zahns eines Mädchens. Neben diesem ältesten, 1984 archivierten Fundstück wurden bisher nur Knochenfragmenten in einer südsibirischen Höhle von Paläogenetikern um Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie entdeckt. Der Fund belegte im Jahr 2010, dass bis vor 40.000 Jahren in Zentralasien eine bis dahin unbekannte Menschenart gelebt hat.

    Da nur wenige fossile Überreste existieren, ist über die ausgestorbene Art wenig bekannt. Pääbos DNA-Analysen von zwei Zähnen und einem Fingerknochen zeigen: Die Gruppe hat sich vor 470.000 bis 190.000 Jahren von den Neandertalern abgespaltet, um sich mit den Vorfahren des Homo sapiens zu mischen, die auf dem Weg nach Südostasien vorbeikamen.

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    Erbgut wenig variabel
    Nun ist ein vierter Beleg hinzugekommen: Der abgenutzte Zahn eines Mädchens von zehn bis zwölf Jahren. Das archivierte Fundstück namens "Denisova 2" stammt aus einer Schicht der Höhle, die sich vor 227.000 bis 128.000 Jahren abgelagert hatte. Viviane Slon vom MPI machte eine Genanalyse an dem Fragment. Es zeigte sich, dass das Mädchen 20.000 bis 40.000 Jahre vor den bisher bekannten Artvertretern gelebt hat. Somit muss die Höhle über eine extrem lange Zeitspanne von Denisovanern besiedelt gewesen sein. Zudem scheint die Population über die Jahrtausende hinweg klein geblieben zu sein, denn das Erbgut der älteren und jüngeren Vertreter scheint auffallend wenig variabel. Der Verdacht einer geringen genetischen Diversität muss laut den Forschern noch abgesichert werden. Weitere Spuren der Denisovaner fehlen - außer im Erbgut heutiger Menschen.




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    Dokument erstellt am 2017-07-14 16:33:05



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