• vom 26.07.2017, 21:18 Uhr

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Update: 26.07.2017, 21:26 Uhr

Weltraum

Linienflüge nach Alpha Centauri




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Von Eva Stanzl

  • Auf dem Mond gibt es mehr Wasser als gedacht. Das könnte den Bau einer Mondbasis und die Besiedelung des Weltraums erleichtern.

Aller Anfang ist schwer: Ab Februar 2018 sollen unter anderem österreichische Analog-Astronauten in Omans Wüste für künftige Mars-Missionen üben - 2013 taten sie dies wie im Bild in der Nord-Sahara.

Aller Anfang ist schwer: Ab Februar 2018 sollen unter anderem österreichische Analog-Astronauten in Omans Wüste für künftige Mars-Missionen üben - 2013 taten sie dies wie im Bild in der Nord-Sahara.© ÖWF/Katja Zanella-Kux Aller Anfang ist schwer: Ab Februar 2018 sollen unter anderem österreichische Analog-Astronauten in Omans Wüste für künftige Mars-Missionen üben - 2013 taten sie dies wie im Bild in der Nord-Sahara.© ÖWF/Katja Zanella-Kux

In kosmischen Maßstäben sind wir ein Staubkorn. Wir leben auf unserem kleinen, blauen Planeten in einem Sonnensystem am äußeren Rande unserer Galaxie, die Millionen von anderen Sternensystemen beherbergt. Von der Ferne betrachtet, gleicht die Milchstraße einer Scheibe. Allein im sichtbaren Universum gibt es unzählige galaktische Scheiben mit Spiralarmen wie das Milchstraßensystem. Und dennoch scheint es so zu sein, dass sich das Staubkorn am Rande der Milchstraße in einem wesentlichen Merkmal von allem anderen unterscheidet: Es hat die Fantasie, Visionen zu schaffen.

Es ist einer der visionärsten Träume der Menschheit, die Erde hinter sich zu lassen und andere Planeten zu besiedeln. "Was wäre, wenn man so weit fliegen würde, wie das sichtbare Universum reicht? Gibt es Grenzen?", stellt Christophe Galfard, Theoretischer Physiker der Universität Cambridge, in den Raum. In seinem am 29. August im deutschsprachigen Raum erscheinenenden Bestseller "Das Universum in Deiner Hand" erörtert der Schüler des britischen Physikers Stephen Hawking, wie es gelingen könnte, das All zu besiedeln.


Sowohl der Körper als auch der Stand der Technik setzen dem Vorhaben derzeit unmissverständliche Grenzen. "Nach heutigem Wissen ist es unmöglich, innerhalb der Dauer eines Lebens - oder auch der Dauer von tausend Leben - von einem Bereich des Universums in einen anderen zu gelangen", betont Galfard. Doch er räumt ein: "Aber noch vor einigen Generationen war man von Europa nach Australien Monate unterwegs. Heute ist das eine Sache von einigen Flugstunden."

Wurmlöcher als Schleusen durch Raum und Zeit
Wir wissen nicht, was uns die Technologie von morgen bringen wird. Wir wissen auch nicht, wozu wir eines Tages dank der allgemeinen Relativitätstheorie imstande sein werden. Bisher hat sie uns nur GPS beschert, doch schon morgen ermöglicht sie uns vielleicht, Abkürzungen in der Raumzeit zu finden - "Wurmlöcher, die zwei voneinander weit entfernte Orte so miteinander verbinden könnten, dass man die viel zu großen Entfernungen nicht mehr überbrücken müsste, die sie sonst voneinander trennen", erläutert Galfard.

Im Vergleich dazu wirken die Pläne der US-Weltraumbehörde Nasa recht pragmatisch. Sie beginnen im eigenen Sonnensystem. Eine Mondbasis soll Voraussetzungen schaffen, um auf dem Mars Fuß zu fassen. In der Broschüre "Nasa’s Journey to Mars" beschreibt die Agentur den Auszug ins All in drei Etappen. Die erste unter dem Schlagwort "erdangewiesen" ist bereits voll im Gang. Weltraumteleskope prüfen die Positionen von Objekten im Weltraum, Sonden und Rover erkunden Topografie, Bodenbeschaffenheit, Rohstoffreserven und Wasserversorgung auf anderen Himmelskörpern. Astronauten auf der Raumstation ISS überprüfen, wie sich die Strahlung im Kosmos auf die Gesundheit auswirkt. Die Versorgung mit Energie und Nahrung wird vom Boden bereitgestellt.

Doch jede Reise zum Mars dauert Monate und fordert enorme Kosten. Wenn der Mensch langfristig im Kosmos bleiben will, müssen Weltraumsiedler unabhängig von der Erde existieren können. Die Nasa forscht an neuen solaren Antriebssystemen für flottes und energiesparendes Reisen, aufblasbaren und leicht konstruierbaren Weltraum-Wohnungen, Laser-Kommunikationsnetzen zur Datenübertragung, universellen Atomuhren zur Navigation und an Methoden, um Astronauten den Trip durch künstlichen Tiefschlaf zu erleichtern. Die erste bemannte Testfahrt ist für 2021 geplant.

Um die Kosten nicht alleine schultern zu müssen, arbeitet die Nasa mit Privatfirmen zusammen, die Cargolasten mit verwandelbaren Modulen und wiederverwertbarer Infrastruktur ins All bringen sollen. "Astronauten im fernen Weltraum müssen autark leben. Dazu benötigen wir langfristig automatisierte Systeme", heißt es.

Kühne Träume? Bisherige Spitzenleistungen geben Anlass zu Optimismus. Immerhin krabbelt der Rover "Curiosity" seit einigen Jahren auf dem Mars herum und funktioniert dabei wie am Schnürchen. Auch das Raumschiff "Rosetta" reiste plangemäß jahrelang durch das All zu einem entfernten Kometen, setzte dort ein Forschungslabor ab und funkte Daten über den Brocken zur Erde. Zudem sind die Amerikaner bereits über den Mond spaziert, von dem nun bekannt wurde, dass er mehr Wasser besitzt als gedacht.

Ökonomische und
politische Interessen

Mit aufwendigen Analysen haben die US-Forscher Ralph Milliken und Shuai Li in Raumsondendaten nach Signaturen von Wasservorkommen auf der Mondoberfläche gesucht. Das Ergebnis: "Vulkanisches lunares Auswurfmaterial scheint wasserreich zu sein, was nahelegt, dass für den Mond-Mantel dasselbe gilt", so Milliken. Eine Mondbasis mit eigener Wasserversorgung scheint somit ebenso realistischer zu werden wie die Nasa-Pläne, "menschliche Präsenz ins Sonnensystem auszudehnen".

Für die USA wäre das ein doppelter Erfolg, denn mit der Kolonisierung des Alls verfolgen sie auch ökonomische und politische Interessen. Damit Amerika seine Führungsrolle auf Erden und im All ausbauen kann, stellen Privatunternehmen die Technik bereit. Auf der Erde schafft das zunächst einmal Arbeitsplätze. Später hofft man, verwertbare Rohstoffe im Kosmos zu finden. Wem diese Ressourcen dann gehören, steht noch nicht fest. Denn die Eigentumsrechte im Weltraum wurden im Kalten Krieg geregelt, als die Supermächte fürchteten, im Wettlauf zum Mond könnte der Gegner den Trabanten unterjochen. Laut einem internationalen Abkommen hat derzeit niemand Eigentumsrechte auf anderen Himmelskörpern.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-26 16:54:06
Letzte nderung am 2017-07-26 21:26:28



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