• vom 07.08.2017, 16:35 Uhr

Mensch


Naturwissenschaft

Massenmörder und Umweltsünder




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Grass

  • Zum internationalen Katzentag steht der Vierbeiner unter verschiedenen Blickwinkeln.

Für Experimente haben Katzen keine Muße.

Für Experimente haben Katzen keine Muße.© Fotolia/Gelpi Für Experimente haben Katzen keine Muße.© Fotolia/Gelpi

Wien. Wenn man nach mitternächtlicher Heimreise aus dem erholsamen Urlaub feststellt, dass der daheimgebliebene, liebevoll versorgte, aber offenbar ziemlich verärgerte Stubentiger das eigene Bett - wohl einmalig, aber damit doch einmal zu viel - mit dem Kistl getauscht hat, dann ist die Katzenliebe vorläufig an einem Tiefpunkt angelangt. Doch das kuschelsamtene, tiefschwarze Etwas mit seinen leuchtenden bernsteinfarbenen Augen und seiner Freude über die Rückkehr der Katzenfamilie lassen die Unbill schnell wieder vergessen.

Mit Erlebnissen wie diesen können wohl viele Katzenbesitzer aufwarten, immerhin gibt es in Österreich ungefähr 1,5 Millionen miauender Vierbeiner - Rassekatzen und auch Straßenkater. Sie sind aus unseren Häusern und Straßen und auch aus unserer Vorstellungswelt nicht mehr wegzudenken. Denn Jahrtausende hindurch sind sie Begleiter des Menschen.


Eigenwillige Schmusetiger
Schon vor mehr als 9000 Jahren nutzten Menschen den Jagdinstinkt der Vierbeiner, um ihre Getreidelager vor Nagern zu schützen, wie erst jüngst Forscher im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution" berichteten. Demzufolge lockten sie damals Wildkatzen an, um der überhandnehmenden Mäuse in ihren Speichern Herr zu werden. Diese Symbiose dürfte es gewesen sein, die zur Domestizierung der heutigen Stubentiger beigetragen hat.

Der Studie zufolge wurden die Samtpfoten in ihren Anfängen auf Zypern gehalten. Sie gelangten bereits 4400 vor Christus nach Südeuropa. Während des Römischen Reichs breiteten sich domestizierte Katzen aus dem Alten Ägypten aus. Sie erreichten Nordeuropa entlang der Handelsrouten im Mittelmeerraum. Damals bedrohten Nagetiere nicht nur die Getreidespeicher an Land, sondern auch die Vorräte auf den Schiffen.

Damals waren sie wohl mehr Massenmörder als Samtpfote. Zwar machen sie auch heute noch eifrig Beute - diese reicht von der Maus über den Maulwurf bis hin zum Vogel -, vielmehr schätzen die Menschen die Charaktertiere allerdings als Schmusetiger. Werden sie gestreichelt, liegen sie schnurrend am Schoß. Doch diese Streicheleinheiten holen sich Katzen von ihrem Besitzer meistens nur dann ab, wenn sie das wollen - nicht umgekehrt. Denn befehlen lassen sie sich rein gar nichts.

Einen völlig neuen Aspekt der Befehlsverweigerer präsentieren Forscher aktuell übrigens im Fachblatt "Plos One": Katzen, und auch Hunde, sind Umweltsünder. Denn auch sie benötigen Energie zum Leben und diese stammt hauptsächlich aus Fleisch. Dessen Produktion wiederum erzeugt bekanntlich schädliche Treibhausgase. In 42 Prozent der österreichischen Haushalte lebt zumindest eine Katze.

"Ich mag Hunde und Katzen, und ich empfehle definitiv nicht, dass Menschen ihre Haustiere loswerden sollten oder sie vegetarisch ernähren, was ungesund für sie wäre", betont Gregory Okin von der University of California in Los Angeles. "Aber ich denke, wir sollten uns klar sein über die Auswirkungen, die Haustiere haben, und ehrlich darüber reden", so der Forscher.

Doku und Schau
Der internationale Katzentag, der heute, Dienstag, begangen wird, könnte ein passender Anlass dafür sein, sich näher mit dem Vierbeiner auseinanderzusetzen. Etwa im Kino: In der Dokumentation "Kedi - Von Katzen und Menschen" lassen sich sieben charakterlich sehr unterschiedliche Streuner auf ihren verwinkelten Wegen durch Istanbul verfolgen. Sie startet am 11. August in den österreichischen Kinos.

Oder im Museum: Informationen über die Natur- und Kulturgeschichte der Hauskatze und ihrer Verwandten liefert die im Naturhistorischen Museum (NHM) noch laufende Sonderausstellung "Katzenkorb & Löwengrube". Am 13. und 27. August sowie am 10. September gibt es jeweils um 15.30 Uhr Sonderführungen. Ab 4. Oktober wird die interaktive Ausstellung "Hund und Katz" ebendort zu sehen sein.

Gemeinsam mit Schaf und Ziege ist die Katze das zweitälteste Haustier nach dem Hund und eroberte mit dem Menschen den ganzen Erdball. Ihrer wilden Stammform, der afrikanisch-westasiatischen Falbkatze, blieb sie aber stets näher als der Hund dem Wolf. Sie ist zudem "weitaus sozialer, als man das gemeinhin annimmt", betont NHM-Museumspädagoge Peter Sziemer. Sie sei in der Lage, sich in den Menschen hineinzuversetzen und könne Gesichtsausdrücke interpretieren. Experimentell sei dies aber sehr schwer nachweisbar - sie sind halt doch eigenwillig, die kleinen Stubentiger.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-07 16:39:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ist da jemand?
  2. Maschinen entdecken Planeten
  3. Zigarrenförmiger Komet aus anderem Sonnensystem
  4. Mensch verändert die Evolution von Braunbären massiv
  5. Die Arktis, ein offener Kühlschrank
Meistkommentiert
  1. Massereiches Frühchen im All
  2. Wer will denn schon früh sterben?
  3. "Wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren"
  4. Ist da jemand?

Werbung




Werbung


Werbung