• vom 10.10.2017, 07:00 Uhr

Mensch

Update: 10.10.2017, 16:57 Uhr

Psychologie

Augen zu, Ohren auf




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Von Alexandra Grass

  • Forscher ermittelten den besten Weg, um Emotionen anderer erkennen zu können.

Gute Miene zum bösen Spiel, funktioniert nonverbal besser.

Gute Miene zum bösen Spiel, funktioniert nonverbal besser.© Fotolia/pathdoc Gute Miene zum bösen Spiel, funktioniert nonverbal besser.© Fotolia/pathdoc

New Haven/Wien. Häufig versuchen wir im Alltag, unsere Gefühle zu verstecken - vor den Kindern, vor dem Partner, vor Arbeitskollegen. Nicht dann, wenn wir fröhlich sind, sondern vor allem in Zeiten, in denen uns Traurigkeit oder Depression übermannt. Dass sich mit guter Miene zum bösen Spiel solche Emotionen verstecken lassen, scheint allerdings ein großer Irrtum zu sein, wie US-amerikanische Forscher nun herausgefunden haben. Vor allem dann, wenn das Gegenüber aufmerksam zuhört, kommen die wahren Gefühle zum Vorschein, berichtet das Team um Michael Kraus von der Yale University im Fachblatt "American Psychologist".

Fokus auf Stimmgebung
Wenn du wissen willst, was jemand fühlt, schließe deine Augen und öffne deine Ohren. Zu diesem Schluss kommen die Wissenschafter nach einer Reihe von Experimenten mit mehr als 1800 Probanden. In jedem der insgesamt fünf Versuche mussten die Teilnehmer entweder mit einem Gegenüber interagieren oder eine Interaktion zwischen zwei Personen mitverfolgen. In manchen Fällen war es den Probanden nur möglich zuzuhören, in anderen durften sie ausschließlich beobachten. Einige Versuchsteilnehmer durften bei der Gelegenheit beide Sinne einsetzen. In einer einzigen Situation lauschten manche Probanden einer emotionslosen Computerstimme, die einen Wortwechsel zwischen zwei Personen wiedergab.


In allen durchgeführten Experimenten zeigte sich, dass die Zuhörer im Durchschnitt wesentlich besser in der Lage waren, die Emotionen des anderen zu beschreiben, berichten die Forscher in ihrer Publikation. Eine einzige Ausnahme bildete die Konversation durch Computerstimmen, die man sich wohl so emotionslos wie bei den Sprachassistenten "Siri" und "Alexa" vorstellen könnte.

Bisher setzten Wissenschafter in ihren umfangreichen Arbeiten den Fokus auf visuelle Hinweise im Gesicht des Gegenübers, also die Mimik. Die jüngsten Erkenntnisse könnten hier allerdings zu einer Trendumkehr führen. "Künftig sollten wir uns viel mehr auf die Stimmgebung konzentrieren, wenn wir auf Emotionen unseres Gegenübers schließen wollen", betont Kraus in seiner Publikation.

Zwar haben wir wesentlich mehr Übung darin, Emotionen über die Mimik des Gegenübers zu erkennen, wodurch dem Sichtbaren automatisch mehr Bedeutung zugemessen wird. Andererseits bedeute mehr Information nicht unbedingt eine bessere Treffsicherheit.

Besseres Verständnis
In der Welt der Kognitionspsychologie werde vorausgesetzt, dass Menschen durch die simultane Anwendung zweier Tätigkeiten - in diesem Fall das Sehen und das Hören - in beiden Bereichen Schwächen zeigen.

Die Auswirkung dieser aktuellen Arbeit zeige sich ganz klar, betont der Sozialpsychologe. Denn: "Auf das Zuhören kommt es an." In Anbetracht dessen könnte das, was Menschen sagen, beziehungsweise auf welche Art und Weise sie sich ausdrücken, zu einem besseren Verständnis unserer Mitmenschen führen - sowohl an unserem Arbeitsplatz als auch in unseren persönlichen Beziehungen", schlussfolgert Kraus.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-10 16:19:05
Letzte Änderung am 2017-10-10 16:57:05



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