• vom 07.11.2017, 19:00 Uhr

Mensch


Medizin

Die Last des Alters




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Von Alexandra Grass

  • Forscher wollen altersbedingte Krankheiten verhindern: Die Lösung findet sich im eigenen Körper.

Mit der Anzahl der Lebensjahre steigt auch das Risiko für altersbedingte Krankheiten. - © Fotolia/aletia2011

Mit der Anzahl der Lebensjahre steigt auch das Risiko für altersbedingte Krankheiten. © Fotolia/aletia2011

LaJolla/Evanston/Wien. Erkrankungen, die vielen Menschen im Alter zusetzen und sowohl die körperlichen als auch die geistigen Fähigkeiten stark beeinträchtigen, stehen im Blickpunkt vieler Forschergruppen. Die Rede ist von sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Co. Angesichts der stetig wachsenden Anzahl betagter Menschen wird mit aller Vehemenz nach neuen Lösungsansätzen gesucht. Die derzeitigen Therapien ermöglichen lediglich eine Minderung oder Verzögerung des Krankheitsverlaufes. Von Heilung ist noch lange keine Rede.

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen nun neue Ansätze auf. So haben etwa Wissenschafter des Sanford Burnham Prebys Medical Discovery Institute im kalifornischen La Jolla entdeckt, dass ein bestimmtes Protein im menschlichen Gehirn vor Morbus Alzheimer schützen könnte. "Wir haben herausgefunden, dass besagtes Protein die Fähigkeit von Beta-Amyloid, nämlich neuronale Verknüpfungen zu zerstören, einschränkt", erklärt der Neurowissenschafter Huaxi Xu in der im "Journal of Experimental Medicine" erschienenen Studie. Das Eiweiß Beta-Amyloid sorgt bei Alzheimerpatienten für Ablagerungen in Gehirn und Blutgefäßen. Es wird angenommen, dass eine Verhinderung dieser Ablagerungen die Symptome der Krankheit verbessern würde.


Bekannter Rezeptor mit Einfluss
Das von Nervenzellen gebildete Molekül sorLA (sorting protein-related receptor) könnte hier Abhilfe schaffen. Schon im Jahr 2005 hatte eine Forschergruppe entdeckt, dass sorLA die Entstehung der Eiweißablagerungen beeinflusst. Nach und nach verdichten sich nun die Belege, dass es sich dabei um ein Protein handelt, "das einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung von Alzheimer hat" und dessen genetische Veränderungen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko zusammenhängen, so Xu.

Die größte Rolle spielt dabei allerdings das Alter. Angesichts der Tatsache, dass das Durchschnittsalter des Menschen stetig steigt, sei davon auszugehen, dass sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 verdreifacht, heißt es in der Studie.

Das Forscherteam berichtet darin über eine Interaktion zwischen sorLA mit dem Rezeptor EphA4. Er sei dafür verantwortlich, dass Beta-Amyloid Funktionsstörungen der Synapsen verursacht. SorLA besitze allerdings die Fähigkeit, die toxischen Signale des Rezeptors abzuschwächen. Bei Mäusen zeigte sich, dass ein höherer Level des Eiweißes kognitive Beeinträchtigungen, die durch Beta-Amyloid ausgelöst werden, reduziert. "Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass Alzheimer im frühen Stadium mit Medikamenten geheilt werden könnte, die den Spiegel von sorLA ansteigen lassen oder dessen Interaktion mit EphA4 verstärken", so Xu. Die Forscher suchen derzeit nach einem Mittel, das beide Effekte vereint.

Sport und Stress förderlich?
Doch auch Faktoren des täglichen Lebens nehmen Einfluss auf die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen. Immer wieder wird berichtet, dass etwa regelmäßiges Training nicht nur den Körper an sich, sondern auch das Gehirn fit hält. Stress hingegen wird grundsätzlich als schädlicher Faktor genannt. Dass dem nicht ganz so ist, berichtet ein Forscherteam der Northwestern University in Evanston, Illinois. Molekularbiologen um Richard I. Morimoto haben entdeckt, dass ein wenig Stress sogar die Zellgesundheit fördert. Im Fadenwurm C. elegans, einem Modellorganismus der Genetik, haben sie herausgefunden, dass Signale, die von leichtem mitochondrialem Stress ausgehen, eine Fehlfaltung von Proteinen, wie sie im Alter entsteht, vermeiden können. Das unterdrückt wiederum die Anhäufung geschädigter Proteine, die zur Entwicklung von Alzheimer und Co. beitragen.

"Das haben wir zuvor noch nie gesehen. Es ist wie Magie", freut sich Morimoto. Die Stresssignale gelten nun als Überlebensstrategie für die Zellen. "Die Tiere werden stress-resistent und verdoppeln ihre Lebenszeit", so der Forscher im Fachblatt "Cell Reports". Ziel der Forschungen sei nicht, Wege zu finden, das Leben zu verlängern, sondern die Gesundheit auf zellulärer und molekularer Ebene möglichst lange zu erhalten. Ein wenig Stress könnte hier also durchaus förderlich sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-07 16:35:05
Letzte ńnderung am 2017-11-07 18:35:05



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