• vom 06.03.2012, 16:22 Uhr

Mensch

Update: 07.03.2012, 12:13 Uhr

Musik

Das Herz macht die Musik




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Von Alexandra Grass

  • Musik hat positive Auswirkungen auf die Herzfrequenz und findet in der Medizin immer breitere Anwendung
  • Klänge gegen Burnout, Depressionen oder Ängste von Krebspatienten.

Ein kleines Kunstwerk: ein Wasserkristall, entstanden mit der Herzmusik einer Stillenden.

Ein kleines Kunstwerk: ein Wasserkristall, entstanden mit der Herzmusik einer Stillenden. Ein kleines Kunstwerk: ein Wasserkristall, entstanden mit der Herzmusik einer Stillenden.

Für manche sind es die Klänge der Harfen, für andere jene der Violinen oder auch der Trommeln, die für wohlige Wärme ums Herz sorgen. Doch es ist nicht allein ein Gefühl, das schlechte Laune vertreibt, sondern hat wesentliche messbare Auswirkungen auf den Taktgeber des Menschen. Die Medizin macht sich den Einfluss von Musik auf das Herz zu Nutzen und setzt immer mehr auf musikalische Begleittherapien. Ob in der Frühchenstation oder im Palliativbereich, im Operationssaal oder in der Intensivversorgung: Musik wird zum Medikament.

Schon in der Antike ging man davon aus, dass sich kranke Menschen in Unordnung befinden und durch die Hilfe von Musik die geistige und seelische innere Harmonie wiederhergestellt werden kann. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die aktive Musiktherapie - dabei wird selbst gesungen oder musiziert - und die rezeptive Musiktherapie zum Zuhören. Letztere verlor nach dem Zweiten Weltkrieg für einige Zeit an Bedeutung, kommt aber seit den 1980er Jahren wieder mehr zum Einsatz. Eine Reihe an Studien untermauert mittlerweile die positive Wirkung von Musik auf den Organismus - vor allem auf das Herz.


Der Herzschlag ist so individuell wie der Mensch
Unser Herzschlag ist so individuell wie der Mensch selbst. Der Abstand zwischen den Schlägen ist niemals völlig gleich. Im Gegenteil: "Wenn das Herz so regelmäßig wie das Klopfen eines Spechtes oder das Tröpfeln des Regens auf dem Dach wird, wird der Patient innerhalb von vier Tagen sterben." Dieser Satz stammt vom chinesischen Arzt Wang Shu-he, der schon im 3. Jahrhundert erkannte, dass ein variabler - also ein veränderbarer - Herzschlag ein Zeichen für Gesundheit ist.

Information

Vortrag von Masaru Emoto am 21. März in der Wiener Stadthalle

www.aquaquinta.com
www.soundofsoul.li

Sichtbar wird dies bei der Messung der sogenannten Herzfrequenzvariabilität (HRV) - jene Fähigkeit des Organismus, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern. Körperliche oder psychische Belastung hat für gewöhnlich eine Erhöhung der Herzfrequenz zur Folge, die bei Entlastung und Entspannung im Idealfall wieder zurückgeht.

Dabei zeigt sich eine höhere Anpassungsfähigkeit des Menschen an Belastungen in einer größeren Variationsbreite der Herzfrequenz, wie zuletzt auch im Rahmen einer Studie von Palliativärzten der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin festgestellt wurde. Der Internist Klaus-Felix Laczika hat experimentell die Atmung und die HRV von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und des Publikums bei einem Mozart-Konzert gemessen. "Jedes Konzert ist eine Hochschaubahn sämtlicher menschlicher Existenzzustände, von Ekstase bis zu Friede und Humor", erklärt der Mediziner.

Auch bei Krebspatienten ist die Musik in der Lage, Körper und Geist je nach Vorgabe in einen entspannten oder stimulierten Zustand zu versetzen und damit die Lebensqualität zu heben, betont der Internist Herbert Watzke von der Uniklinik. "Musik wirkt heilsam, auch wenn keine Heilung im engeren Sinn möglich ist."

Schwingungen des eigenen Herzens werden zu Klängen
Und je höher die Variabilität des Herzens ist, desto größer ist die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren. Eine verringerte HRV ist etwa ein Indikator für Bluthochdruck, Burnout, Stress oder Depression. Das Herz verhält sich dann "wie ein Dirigent, dem man die Hände fesselt". Ziel ist es, diesen Hauptpulsgeber, den Dirigenten, zu entfesseln, erklärt Rasmus Gaupp-Berghausen, wissenschaftlicher Leiter des japanischen Wasserforschers Masaru Emoto, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". In seiner Arbeit untersucht er unter anderem den Einfluss von Musik auf Wasser und zieht dabei Rückschlüsse auf den menschlichen Organismus.

Gemeinsam mit dem österreichischen Musiktherapeuten Peter Graus arbeitet er in Liechtenstein an dem Projekt "Sound of Soul". Mit Hilfe eines speziellen Geräts auf Basis eines Elektrokardiogramms und einer neu entwickelten Software ist es möglich, über die Schwingungen des Herzschlags Klänge zu erzeugen.

Der Patient liegt in einem abgedunkelten Raum, schließt die Augen, entspannt sich und hört zu. Das Gerät misst über Hautkontakte die Impulse des Herzens und wandelt diese in Musik um. Es ist so, als würde das Herz die Tasten eines Klaviers anschlagen oder den Bogen über die Saiten einer Violine ziehen.

Was dabei herauskommt? Alles ist möglich. Feine, zarte Klänge, intensive Trommelschläge, schnelle oder langsame Tonfolgen. Das ist weder vom Patienten noch vom Therapeuten beeinflussbar, sagt Graus. Auf eine CD aufgenommen, kann man die Klänge auch zu Hause jederzeit hören. Im Gegensatz zu Mozart lauscht man der Musik des eigenen Herzens. Der Unterschied: Jeder anderen Musik muss man sich anpassen - in Schwingung und Rhythmus. "Spiele ich mir hingegen meine eigene Musik vor, muss ich mich nicht anpassen", so Gaupp-Berghausen. Er nennt es den "bayerischen Bierhauseffekt" - nach einer Minute im Bierzelt schunkeln alle mit.

Seiner eigenen Herzmusik zuzuhören, scheint auf den Organismus noch mehr Auswirkung zu haben als herkömmliche Musiktherapien. An Praxiserfahrung mangelt es Graus nicht. So zeigten sich etwa schon sehr gute Erfolge bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) und Wachkomapatienten. Auch in einer aktuellen Studie in einer brasilianischen Kinderkrebsklinik zeigten sich bereits nach wenigen Anwendungen sichtbare Veränderungen in der HRV der sich im eigenen Klang erlebenden Kinder. Ob Burnout, Schlafstörungen, Tinnitus oder Schmerzen - das mögliche Wirkspektrum ist groß.

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Schlagwörter

Musik, Medizin, Wasser, Herzschlag, Emoto

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Dokument erstellt am 2012-03-06 16:14:06
Letzte ─nderung am 2012-03-07 12:13:05



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