• vom 04.12.2015, 16:39 Uhr

Mensch

Update: 04.12.2015, 16:55 Uhr

Kulturerbe

Manuskripte für die Menschenrechte




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Von Eva Stanzl

  • Der Dominkanerpater Najeeb Michaeel hat im Irak zentrale Quellen des Christentums vor der Zerstörung durch den IS gerettet.

Aus Najeeb Michaeel s Archiv: Bibel-Kommentare in arabischer Schrift.

Aus Najeeb Michaeel s Archiv: Bibel-Kommentare in arabischer Schrift.© Michaeel Najeeb, CNMO Aus Najeeb Michaeel s Archiv: Bibel-Kommentare in arabischer Schrift.© Michaeel Najeeb, CNMO

Wien. Najeeb Michaeel riskiert sein Leben für Kulturerbe, das er mit Identität gleichsetzt. "Ich bin dem Tod viele Male begegnet. Doch Gott hat uns vor den Fundamentalisten beschützt. Wir leben nur einmal, also sollten wir etwas Gutes tun. Natürlich gehen wir ein Risiko ein. Aber eine Kultur, die ihrer Vergangenheit beraubt wird, hat keine Zukunft", sagt er.

Der Dominikanerpater hat im Irak kostbarste Dokumente des spätantiken bis neuzeitlichten Christentums vor der Zerstörung durch die dschihadistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gerettet. 8000 illustrierte Bibelhandschriften und theologische Dokumente, sowie medizinische, astronomische und sprachwissenschaftliche Aufzeichnungen und ethnografische Fotos konnten er und sein Team digitalisieren und auf Festplatten speichern. Die Dokumente erzählen christliche Geschichte in arabischer Sprache. Najeeb Michaeel referierte jüngst bei einer Tagung des Internationalen Zentrums für Archivforschung (Icarus) in St. Pölten und sprach an deren Rande mit der "Wiener Zeitung".


Zum Hintergrund: Der IS vernichtet systematisch nicht-muslimische Kulturstätten. Raubgrabungen, Massenplünderungen und illegaler Handel mit Kulturgut sind neben Öl eine seiner wichtigsten Einkommensquellen. Seiner Ideologie zufolge soll nicht-muslimisches Kulturerbe entweder Geld bringen oder verschwinden. Neben antiken Städten und Kunstobjekten sind das auch die Aufzeichnungen anderer Religionen und Kulturen.

Der Irak, ursprünglich Mesopotamien, ist eine der ältesten Kulturlandschaften des Christentums. Schon in der frühchristlichen Zeit im ersten Jahrhundert fasste die Religion Wurzeln im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. "In der Antike hatte Mesopotamien eine wechselnde politische Zugehörigkeit zwischen römisch und persisch. Um nicht vom persischen Großkönig und seinen Behörden als Kolonne der Römer betrachtet zu werden, mussten sich die Christen unter persischer Herrschaft von Rom absetzen. Daraus entwickelte sich die Apostolische Kirche des Ostens" erklärt Erich Leitenberger, Sprecher der Gesellschaft zur Erforschung der ökumenischen Beziehungen, Pro Oriente.

Im Zuge einer Islamisierungswelle im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Apostolische Kirche des Ostens verdrängt. Ein Teil erkannte ab dem 16. Jahrhundert den Papst als Oberhaupt an und formierte sich zur chaldäisch-katholische Kirche, der Pater Najeeb Michaeel angehört. Die Dominikaner kamen ab dem 16. Jahrhundert, um ihren chaldäischen Glaubensbrüdern in ihrer theologischen Entwicklung zu helfen. Im Zuge der arabischen Erneuerungsbewegung machten sie die arabische Sprache für die Moderne tauglich.

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Dokument erstellt am 2015-12-04 16:44:06
Letzte nderung am 2015-12-04 16:55:30



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