
Cambridge/Wien. (est) Pinguine in der Antarktis sind ein Symbol für den Lebensraum auf dem Südpol. Allerdings war die genaue Zahl der Vögel, die sich in unzulänglichen Gebieten des Packeisgürtels fortpflanzen bisher nur schwer feststellbar. Mit Hilfe von Satelliten im All konnten Forscher nun die Pinguin-Population in noch nie da gewesener Genauigkeit messen.
Demnach leben in der Antarktis doppelt so viele Kaiserpinguine wie angenommen. Auf rund 595.000 der schwarz-weißen Vögel kam ein Team um den Geografen Peter Fretwell vom Polarforschungsprogramm British Antarctic Survey (BAS). Die Wissenschafter nutzten dafür hochauflösende Satellitenbilder. Von der Zahl der Brutpaare auf dem Eis rechneten sie den Gesamtbestand hoch, davon ausgehend, dass 80 Prozent der Tiere einer Kolonie brüten. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in "PloS ONE".
Doppelt so viele Vögel
"Wir sind hocherfreut, eine so große Zahl an Kaiserpinguinen lokalisiert und identifiziert zu haben. Wir zählten fast doppelt so viele Vögel wie die bisher angenommenen 270.000 bis 350.000", betont Fretwell in einer BAS-Mitteilung. Es sei die erste umfassende Zählung bei einer Art mit Hilfe von Satellitenbildern gewesen. Das Team entdeckte 44 Kolonien - sieben davon kannten die Forscher bisher nicht.
Die 1,30 Meter großen Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) pflanzen sich in Kolonien von ein paar hundert bis ein paar tausend Paaren auf dem Packeisgürtel um die antarktische Küste fort. "Sie tun dies meist in Gebieten, zu denen wir uns angesichts der rauen Wetterbedingungen nur schwer Zugang verschaffen können", berichten die BAS-Forscher.
Das Abschmelzen des antarktischen Meereises wirkt sich auf den Fortpflanzungserfolg der Pinguine aus, die dazu eine geschlossene Eisdecke benötigen. Um einen Partner zu finden und ihren Nachwuchs groß zu ziehen, wandern die schwarz-weißen Vögel oft bis zu 200 Kilometer ins Landesinnere. Sie kehren erst nach wochenlanger Reise zurück an die Packeisgrenze auf die Suche nach Fisch. Je wärmer es allerdings ist, desto weniger Krill ist auch für die Fische zum Fressen da. Ihre Zahl sinkt und mit ihnen die Nahrungsgrundlage der Kaiserpinguine. Zwischen 1972 und 1981 schmolz das Meereis im antarktischen Adelieland um elf Prozent und brach auf. Zur selben Zeit verringerte sich die Pinguinpopulation um die Hälfte.
Aussterben möglich
Biologen vom Ozeanografischen Woods-Hole-Institut in Massachusetts haben die Wahrscheinlichkeit, dass der Kaiserpinguin bis 2100 ausgestorben sein wird, mit mindestens 36 Prozent beziffert. Die Prognose stützt sich auf zehn unterschiedliche Klimamodelle des Weltklimarates IPCC und Zahlen zum Bestand der Tiere aus den Jahren 1962 bis 2005.
Bisher haben sich Biologen wenig hoffnungsfroh für die Zukunft der majestätischen Vögel geäußert: Die einzige Möglichkeit, ihrem Aussterben zu entgehen, sei die evolutionäre Anpassung, heißt es. Nur wenn die Kaiserpinguine es schaffen, ihre Brutperiode zu verlagern oder weiter in andere Regionen zu wandern, könnten sie überleben. Allerdings haben sich die langlebigen Vögel, die bis zu 50 Jahre alt werden können, so sehr an ihren Lebensraum gewöhnt, dass sie sich im Gegensatz zu anderen Seevogelarten in der Vergangenheit wenig an Klimaveränderungen angepasst haben. Das könnte ihnen womöglich zum Verhängnis werden.
"Gerade deswegen benötigen wir präzise Bemessungen zur Population. Nur wenn wir wissen, wie es um ihre Zahl tatsächlich steht, können die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tiere verlässlich festmachen", betont Fretwell. Bisher wurde bei zwölf von 17 Pinguinarten weltweit ein deutlicher Rückgang der Population verzeichnet.