• vom 27.04.2012, 13:12 Uhr

Natur

Update: 27.04.2012, 13:16 Uhr
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Überlebensraten während des Winterschlafs überraschend hoch

Flexible "Familienplanung" bei Haselmäusen



  • Innerhalb einer Population gibt es langsame und schnelle Fortpflanzungs-Strategien.

Wien. Waldmäuse pflanzen sich nach Ende des Winterschlafs, also zwischen Februar und Oktober, kontinuierlich und so oft wie möglich fort. Haselmäuse haben dagegen eine deutlich flexiblere und komplexere "Familienplanung". Sie gebären entweder so früh wie möglich nach dem Winterschlaf oder so spät wie möglich im Jahr, gerade noch rechtzeitig um den Jungen Zeit zu geben, sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Das zeigten Wissenschafter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer in der Fachzeitschrift "Oecologia" erschienen Arbeit.

Bisher ging man davon aus, dass Lebewesen ihre Fortpflanzung durch evolutionäre Prozesse an die Bedingungen ihrer Umwelt anpassen. Dabei ändern sie verschiedene Faktoren wie beispielsweise den Zeitpunkt der Geschlechtsreife oder die Geburtstermine ihrer Jungen und sollten den Umständen entsprechend so viele überlebende Nachkommen wie möglich in die Welt setzen. Claudia Bieber und ihre Kollegen beobachteten bei einer wildlebenden Haselmauspopulation in Litauen jetzt jedoch einen untypischen Verlauf der Geburtstermine.


Mehr Nachwuchs
Ungefähr ein Drittel der Haselmäuse wurden im Frühsommer (Juni) geboren, die Mehrheit kam jedoch spät (August/September) zur Welt. Dazwischen, im Hochsommer, bekamen hingegen nur sehr wenige Haselmäuse Nachwuchs, obwohl sich die Umweltbedingungen nicht verschlechtert hatten. Zudem fanden die Wissenschafter heraus, dass die Überlebensraten der Haselmäuse während des Winterschlafs überraschend hoch waren.

Die Beobachtungen zeigten weiters, dass die im Frühjahr geborenen Tiere mehr Nachwuchs bekamen. Das liegt vermutlich daran, dass die im Mai geborenen Jungtiere noch im selben Jahr selbst Junge bekommen können. In Populationen mit vergleichsweise vielen Fressfeinden, wie es in Litauen der Fall ist, scheint diese "schnelle" Lebensstrategie am erfolgreichsten zu sein. Allerdings schaffen es nur Weibchen mit relativ hohem Körpergewicht, schon im Frühjahr Junge zu bekommen.

Für Weibchen mit niedrigerem Körpergewicht scheint sich dagegen eine "langsame" Strategie zu lohnen: Sie warten mit der Fortpflanzung bis zum Spätsommer und verbessern mit dem bevorstehenden Winterschlaf die Überlebenschancen ihrer Jungen. "Am interessantesten an unserer Studie ist, dass Haselmäuse innerhalb einer einzigen Population verschiedene Lebenszyklus-Strategien verfolgen können", so Bieber in einer Aussendung der Uni, "solche Strategien sind offenbar flexibler als bisher angenommen."



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Dokument erstellt am 2012-04-27 13:13:59
Letzte Änderung am 2012-04-27 13:16:31


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