• vom 27.04.2012, 16:44 Uhr

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Ein Paläontologenteam räumt mit einer Jahrzehnte alten Hypothese auf

Die Mär vom explodierten Saurier


Von Frank Ufen

  • Fossilien von Saurier-Embryonen waren auf dem Meeresgrund zerstreut.

Der Shastasaurus - ein Vertreter des Meeresreptils Ichthyosaurus.

Der Shastasaurus - ein Vertreter des Meeresreptils Ichthyosaurus.

Marne/Holstein. Von den zahlreichen Ichthyosauriern, die man in Holzmaden (Baden-Württemberg) gefunden hat, gibt es einen, der ziemlich merkwürdig ist. Es handelt sich um ein vor 182 Millionen Jahren verendetes, trächtiges Weibchen. Während seine versteinerten Knochen, die sich fast vollständig erhalten haben, zum großen Teil an ihrer ursprünglichen Position geblieben sind, waren die Fossilien der Embryonen kreuz und quer auf dem Meeresgrund verteilt.

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Schon öfter ist man auf Ichthyosaurier-Skelette gestoßen, bei denen die Knochen merkwürdig angeordnet waren. Zur Erklärung dieses Phänomens wird nach wie vor eine einige Jahrzehnte alte Hypothese herangezogen. Angeblich sind die sich zersetzenden Körper der Meeresreptilien durch Faulgase aufgebläht worden, bis sie explodierten. Dadurch sollen die Knochen der Embryonen aus den Körpern der Mütter katapultiert worden sein.

Jetzt ist ein Team Schweizer und deutscher Paläontologen, Geologen, Pathologen und forensischer Anthropologen - darunter Mark Benecke - zu dem Ergebnis gekommen, dass die Hypothese von den explodierenden Sauriern nicht stimmen kann, wie sie im Fachblatt "Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments" berichten.

Menschen als Vergleich
Um herauszufinden, welchen Druck die im Inneren gebildeten Gase des verwesenden Kadavers erreicht haben dürften, wurden menschliche Leichen zum Vergleich herangezogen. Der Mensch hat ein Körpervolumen, das dem vieler Ichthyosaurier-Arten entspricht. Dieser Umstand lässt darauf schließen, dass bei der Zersetzung ungefähr gleich große Faulgasmengen entstehen.

Am Institut für Forensische Medizin in Frankfurt am Main wurde 100 Leichen ein Druckmessgerät durch den Bauchnabel in die Bauchhöhle eingeführt. Der durchschnittliche Faulgas-Druck lag bei 0,035 Bar. Ichthyosaurier-Kadaver, die einige Zeit unter 50 bis 150 Meter hohen Wassersäulen lagen, hätten jedoch nur dann explodieren können, wenn sich in ihnen ein Faulgas-Druck von mehr als fünf Bar bis zu 15 Bar aufgebaut hätte. Doch das, betont der Zürcher Paläontologe Christian Klug, sei absolut unmöglich.

"Große Wirbeltierleichen, die sich zersetzen, können nicht als natürliche Sprengladungen fungieren," erklärt Klug. "Unsere Ergebnisse lassen sich generell auf Lungen-atmende Wirbeltierleichen übertragen."

Die Forscher sind sich relativ sicher, was sich in Holzmaden ereignet hat. Der Kadaver des Ichthyosaurier-Weibchens sank auf den Grund des bis zu 150 Meter tiefen Meeres und zersetzte sich ziemlich rasch. Dabei wurden die zerfallenen Skelette der Embryonen durch die Strömung aus dem Mutterleib gespült und weiträumig verstreut. Dass die Knochen dieser Saurier so gut konserviert wurden, ist darauf zurückzuführen, dass das Meer weder zu tief noch zu flach war, sein Sauerstoffgehalt nicht zu hoch und der Wellengang nicht zu heftig. Unter diesen Bedingungen wurden die Faulgase durch den Wasserdruck genügend stark komprimiert und konnten sich in den Körperflüssigkeiten auflösen.




Schlagwörter

Saurier, Paläontologie

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Dokument erstellt am 2012-04-27 16:50:05


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