
Wien. Die schnurrende Katze zu streicheln mag beruhigen, mit dem Hund laufen zu gehen die nötige körperliche Bewegung verschaffen und mit ihm Ball zu spielen sorglosen Spaß machen. Doch warum gehen wir Menschen die Verpflichtung ein, uns Haustiere zu halten? Immerhin machen die vierbeinigen Kameraden viel Arbeit und einiges an Schmutz, fordern tägliche Aufmerksamkeit und kosten Geld. Und dennoch tun sie uns offenbar so gut, dass wir etwaige Mühen in Kauf nehmen.
"Der Mensch ist biophil, das heißt, er will das Leben in all seinen Dimensionen erhalten und entfalten. Dazu gehört auch die Beziehung zu Natur und Tier, die auf Jäger und Sammler zurückgeht", erklärt Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien. Was mehr ist: "Ohne Haustiere aufzuwachsen, ist für die Entwicklung von Kindern alles andere als ideal", sagt der Wissenschafter des Jahres 2011.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein eigener Hund die Impulskontrolle, die Konzentrationsfähigkeit und die kognitiven Leistungen von Kindern verbessert. Ebenso hilft der Vierbeiner dabei, Einfühlungsvermögen und Führungsqualitäten zu entwickeln. So haben Forscher erhoben, dass Unternehmenschefs, die besonders beliebt sind, zumeist mit Hunden aufgewachsen waren. "Natürlich bietet ein Elternhaus, das das Aufziehen von Hunden ermöglicht, andere Voraussetzungen als eines, in dem die Zeit dazu fehlt", räumt Kotrschal ein. Ist ein Hund aber einmal in der Familie, verbessert er schlagartig die Kommunikation.
Zahl der Fehlstunden sinkt
Kotrschal und seine Kollegen konnten zudem nachweisen, dass ein Hund wie ein Katalysator in Schulklassen wirkt. In einer mehrheitlich von Migranten-Kindern besuchten Volksschule in Wien filmten sie mit elterlicher Einwilligung eine Klasse von 24 Schülern für je zwei Wochenstunden für eine Dauer von neun Monaten. Das Durchschnittsalter der 14 Buben und zehn Mädchen war 6,7 Jahre. Für weitere neun Monate filmten die Forscher dieselben Kinder unter Anwesenheit eines Hundes. Die Aufmerksamkeit der Schüler stieg nicht nur für den Lehrer, sondern auch füreinander. "Obwohl jedes Kind unterschiedlich interessiert auf den Hund reagierte, wurde die Gruppe homogener. Extremes Benehmen, wie Hyperaktivität oder Aggression, nahm ab, zurückgezogenere Kinder kommunizierten mehr. Der anwesende Hund erhöhte zudem die Schulzufriedenheit und senkte die Zahl der Fehlstunden", so Kotrschal.