• vom 26.07.2012, 20:00 Uhr

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Auch manche Insekten opfern ihr Leben, um Feinden zu schaden

Termiten verüben Selbstmord-Attentate


Von Roland Knauer

  • Termiten sprengen sich in die Luft und verspritzen gleichzeitig Giftstoffe.

Berlin. Selbstmord-Attentäter und Kamikaze-Piloten sind keineswegs eine Erfindung fanatischer Menschen. Auch bestimmte Insekten opfern ihr Leben, um Feinden zu schaden. Termiten der Art Neocapritermes taracua setzen sogar eine Art Brandbeschleuniger ein, um ihre chemischen Waffen noch gefährlicher zu machen, berichten Jan obotnik von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag und seine Kollegen in "Science".

Alternde Arbeiter der Neocapritermes taracua-Termiten (bw) setzen einen blauen "Brandbeschleuniger" ein, der ihre Selbstmord-Attentate viel gefährlicher als die junger Arbeiter (ww) macht. So nehmen sie den Termitensoldaten (Soldier) Arbeit ab.

Alternde Arbeiter der Neocapritermes taracua-Termiten (bw) setzen einen blauen "Brandbeschleuniger" ein, der ihre Selbstmord-Attentate viel gefährlicher als die junger Arbeiter (ww) macht. So nehmen sie den Termitensoldaten (Soldier) Arbeit ab.R. Hanus/Science Alternde Arbeiter der Neocapritermes taracua-Termiten (bw) setzen einen blauen "Brandbeschleuniger" ein, der ihre Selbstmord-Attentate viel gefährlicher als die junger Arbeiter (ww) macht. So nehmen sie den Termitensoldaten (Soldier) Arbeit ab.R. Hanus/Science

Diese Insekten leben im modernden Holz toter Urwaldbäume im tropischen Amerika. Mit ihren Mandibeln genannten Mundwerkzeugen zerkauen die Arbeitertermiten dieses Holz und fressen so ihren Unterschlupf langsam auf. Dabei nutzen die Mandibeln sich aber langsam ab, alternde Tiere werden so zu nutzlosen Mitgliedern des Termitenstaates. Allerdings können sie sich immer noch als Selbstmord-Attentäter angreifenden Feinden entgegenwerfen, die meist Termiten einer anderen Art sind.

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Zunächst versuchen die Verteidiger, ihre Angreifer mit Bissen zurückzuschlagen. Klappt das nicht, sprengen sie sich praktisch selbst in die Luft und spritzen dabei ein giftiges Sekret aus ihren Speicheldrüsen auf den Feind. Der Erfolg solcher Selbstmord-Attacken ist aber stark vom Alter der Termiten abhängig. 40 jüngere sogenannte "weiße Arbeiter" konnten nur vier Angreifer lähmen und fünf weitere töten, während 31 die Attacke weitgehend unbeschadet überstanden. Ältere "blaue Arbeiter" waren dagegen viel gefährlicher: Nach ebenfalls 40 Angriffen lagen elf gelähmte und 26 tote Angreifer auf den Versuchsflächen im Labor, nur dreimal blieb der Erfolg aus.

Ältere ziehen in den Krieg
Das Geheimnis der älteren Termiten verbirgt sich in zwei Rucksack-ähnlichen Miniatur-Strukturen auf dem Rücken der Tiere. Dort sammeln die Arbeiter Kristalle eines Proteins, die reichlich enthaltene Kupfer-Atome blau färben. Je stumpfer die Mandibeln dieser Termiten waren, umso größere Mengen dieser Kristalle trugen die Tiere mit sich, maßen die Forscher. Nach den blau schimmernden Beuteln auf dem Rücken nannten sie diese älteren Termiten "blaue Arbeiter". Die dort lagernden Kupferproteine aber wirken wie ein Brandbeschleuniger und machen das Sekret aus den Speicheldrüsen viel giftiger, wenn sich beide Substanzen mischen. So erfüllen auch ältere Termiten noch eine wichtige Funktion.

Die Forscher stellen noch einen wichtigen Unterschied zwischen den Staaten der Menschen und denen der Insekten fest: Während Soldaten und Selbstmord-Attentäter auf zwei Beinen eher jung sind, ziehen bei den Termiten vor allem die älteren in den Krieg.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-26 16:35:09
Letzte Änderung am 2012-07-26 16:48:02


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