• vom 10.08.2012, 13:06 Uhr

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Budapester Paläontologe Attila Ösi schreibt die Geschichte der Urzeitriesen um

Dinosaurier-Fund am Plattensee


Von WZ-Korrespondentin Karin Rogalska

  • Bisher unbekannte Spezies
  • der Riesenechsen aufgespürt.

Ein neues Exemplar des Hungarosaurus wurde entdeckt und befindet sich in sehr gutem Zustand. - © AlienCat - Fotolia

Ein neues Exemplar des Hungarosaurus wurde entdeckt und befindet sich in sehr gutem Zustand. © AlienCat - Fotolia

Budapest. Dem ungarischen Paläontologen Attila Ösi scheinen große Entdeckungen vor der eigenen Haustür in die Wiege gelegt. 1980 wurde er in Ajka nördlich des Plattensees geboren. Im Oktober 2010 schaute die Welt entsetzt auf die Kleinstadt, als dort aus dem Leck eines Rückhaltebeckens beim Aluminiumhersteller MAL ätzender Rotschlamm austrat, der die Ortschaften Kolontar, Devecser und Somlovasarhely unter sich begrub. Der Rotschlamm fällt an, wenn Aluminium mit Hilfe von Natronlauge aus Bauxit extrahiert wird. Davon gibt es im Bakonywald bei Ajka besonders viel. Umweltschützer wachen über den Abbau des Aluminium-erzes, weil Störungen in den Arbeitsabläufen schnell Katastrophen auslösen können.

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In der Umgebung des Aluminiumerzes erhalten sich Spuren aus Urzeiten besonders gut. Diesem Umstand verdankt es Ösi, dass er schon in jungen Jahren zu einem der ganz Großen unter den Dinosaurier-Forschern avanciert ist - und das sogar nur einen Steinwurf von seinem Geburtsort entfernt.

Vor kurzem spürte sein Team von der Momentum-Gruppe für Dinosaurierforschung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Budapester Eötvös-Lorand-Universität in Iharkut das Skelett einer bisher unbekannten Spezies der Riesenechsen auf. Schon 2005 sorgte Ösi mit einem Aufsatz für Aufsehen, in dem er beschrieb, wie er die Überreste von vier Individuen der bisher unbekannten Gattung Hungarosaurus - die ersten Saurierfossile in Ungarn - entdeckte, die den Nodosauriden oder Knotenechsen zuzurechnen sind. Hier widerlegte er erstmals die Annahme, bestimmte Saurier habe es nur in Nordamerika gegeben. 2010 berichtete er vom Ajkaceratops kozmai, der sich hüpfend fortbewegte. Er gehörte zu den Ceratopsiern, für die Nackenschilder oder Hörner typisch waren. Auch von ihnen war angenommen worden, sie seien nur in Nordamerika vorgekommen.

Die kürzlich entdeckte Spezies hat noch keinen Namen, was auch damit zusammenhängt, dass die Forscher ihre Ergebnisse erst noch publizieren müssen. Immerhin verraten sie schon jetzt, dass es sich aus ihrer Sicht um den Urahnen der Rhabdodontiden handelt. Rhabdodontiden ernährten sich von Pflanzen und lebten während der Kreidezeit in Europa und Australien. Die jetzt entdeckte Spezies war noch auf den Alten Kontinent beschränkt.

Ösi gewährt aufschlussreiche Einblicke, welch langwieriger Überlegungen es bedurfte, bis er zu seinen Erkenntnissen gelangte. "Zuerst waren wir überzeugt, dass das Saurierskelett geschrumpft sein muss, also im Laufe von Jahrmillionen zu dem wurde, was wir einen Nanoiden nennen." Doch dann "sind wir daraufgekommen, dass es sich nur um den Angehörigen einer primitiven Dinosaurierfamilie handeln kann", die überwiegend aus kleinen Tieren bestanden habe. Und "wenn wir das Skelett zugrunde legen, bewegte sich der Pflanzenfresser auf den Hinterbeinen fort und war höchstens 1,80 Meter lang".

Skelett als Ganzes gefunden
Außer dem Skelett des noch unbenannten Sauriers förderten die Forscher ein weiteres Exemplar eines Hungarosaurus zutage. Die einzige bislang bekannte Art ist der Hungarosaurus tormai. Er dürfte eine Länge von rund vier Metern erreicht haben und bewegte sich auf vier Beinen. Er ernährte sich von Pflanzen und gehörte zu den Vogelbeckensauriern aus der Gruppe der Ankylosaurier, für die ein Panzer aus Knochenplatten typisch war.

Das Skelett ist als Ganzes gefunden worden und deshalb "in einem sehr guten Zustand", so Ösi. Der Saurier wirke "regelrecht lebendig". Deshalb verspricht er sich von der näheren Untersuchung wichtige Erkenntnisse zu Bewegungsabläufen des Hungarosaurus. Den Torso will er bis Mitte August bergen.

Es handelt sich um die letzte große Aufgabe des Forscherteams in Iharkut. Mitte August sollen die Ausgrabungsarbeiten eingestellt werden, nachdem das Areal nicht weniger als zwölf Jahre lang untersucht wurde. Von den Arbeiten der vergangenen Monate bringt das Momentum-Team rund 200 Knochen und Gräten mit nach Budapest. Außer Saurierüberresten sind auch Fossilien von Fischen und einer bisher unbekannten urzeitlichen Schildkrötenart gefunden worden.




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Dokument erstellt am 2012-08-10 13:11:06


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