Wien. Im Tiergarten Schönbrunn wurde im November 2011 die erste erfolgreiche Besamung eines Afrikanischen Elefanten-Weibchens mit dem gefrorenen Samen eines freilebenden Bullen aus Südafrika durchgeführt – ein gemeinsames Projekt vom Tiergarten Schönbrunn mit dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), dem Zooparc de Beauval und dem Pittsburgh Zoo. Die 26 Jahre alte Elefanten-Dame Tonga ist mittlerweile im neunten Monat trächtig.
Nachzucht als Beitrag zur Arterhaltung

Der Bestand aller drei Elefantenarten im Freiland ist gefährdet. Besonders bedroht ist der Asiatische Elefant, der auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten der IUCN (International Union für Conservation of Nature and Natural Resources) steht. Tiergartendirektorin Dagmar Schratter: "Da das Überleben der Elefantenarten in ihrem natürlichen Umfeld bedroht ist, sind Zoos weltweit um ihren Erhalt bemüht. Eine künstliche Befruchtung mit dem Samen eines Wildbullen ist eine Chance, im Sinne des Artenschutzes den Genpool der Zoo-Elefanten zu bereichern."
Die Elefantenpopulation in Menschenobhut wird auf circa 2000 Afrikanische und Asiatische Elefanten in zoologischen Institutionen sowie rund 15.000 Asiatische Elefanten in privater Haltung, in der Holzindustrie und in Tempeln geschätzt. Vom Zuchtbuchkoordinator für den Afrikanischen Elefanten, Harald Schwammer, werden 206 Tiere in Europa geführt. Die Vermehrung von Elefanten in Zoos ist eingeschränkt, weil es nur eine geringe Anzahl an zeugungsfähigen Bullen gibt. Das aktuelle Männchen-Weibchen-Verhältnis beträgt rund 1:5, die genetische ist Vielfalt somit limitiert.
Erstmals gefrorenen Samen verwendet
Künstliche Besamung bei Elefanten wird seit 1998 erfolgreich durchgeführt. Die erste erfolgreiche Besamung in Europa mit dem IZW-Team fand 1999 ebenfalls im Tiergarten Schönbrunn statt. In diesen fast 15 Jahren sind bei Afrikanischen und Asiatischen Elefanten insgesamt 40 Kälber gezeugt worden. Allerdings wurde dabei stets frischer, bzw. nur gekühlter Elefantensamen verwendet. Es sind auch zwei Versuche mit Tiefkühlsperma bekannt, die jedoch frühzeitig endeten. Nun wurde erstmals gefrorener Samen von einem freilebenden Bullen – ein 36jähriger Elefantenbulle aus dem Phinda Private Game Reserve (Südafrika) – erfolgreich verwendet.

Künstliche Besamung soll trotzdem immer nur als eine der Strategien im Populations-Management im Rahmen einer koordinierten Zucht bei bedrohten Tierarten stattfinden. Primär wird versucht, die Haltungen in Zoos - wo erforderlich - zu verbessern und durch Aufbau von Männchen-Weibchen Gruppen natürliche Paarungen vermehrt zu ermöglichen.
Aufwändige Vorbereitungen und das Ergebnis

Zwei Zielsetzungen stehen hinter diesem Unternehmen: Erstens Krankheiten am isolierten Samen zu testen und zweitens die genetische Vielfalt in der Zoopopulation zu erhöhen. Das Schönbrunner Elefanten-Weibchen Tonga hat 2003 bereits ein Jungtier zur Welt gebracht, Mongu wurde allerdings auf natürlichem Wege gezeugt. Der richtige Tag für die erfolgreiche Besamung wurde durch Auswertung täglicher Blutproben exakt vorausgesagt. Im November 2011 wurde Tonga vier Mal besamt, zwei Mal an zwei aufeinander folgenden Tagen.