Berlin. Bergsteiger und Flugzeugpiloten staunen gewaltig, wenn sie bei der Gipfelrast auf einem Achttausender im Himalaya oder beim Überfliegen des höchsten Gebirges der Erde über Fels und Eis Streifengänse fliegen sehen. Menschen überleben ohne zusätzlichen Sauerstoff in der dünnen Luft dort oben nicht lange. Die knapp drei Kilogramm schweren Vögel aber fliegen auf dem Weg von ihren Brutgebieten auf den Hochebenen Zentralasiens in ihr Überwinterungsgebiet auf dem indischen Subkontinent anscheinend mühelos über den höchsten Berg der Erde, den Mount Everest. Eine solche Route ist jedoch nicht die Regel, denn "fast immer überqueren Streifengänse den Himalaya über die niedrigsten Pässe", berichtet Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Uni Konstanz.
Die Vögel nehmen also den bequemsten Weg, der zwar immer noch mehr als 5500 Meter über dem Meeresspiegel liegt, vermeiden damit aber die kraftraubende Höchstleistung eines Fluges in 9000 Meter Höhe. Kleine, an den Streifengänsen angeheftete Sender förderten diese Information über die bis dahin falsch angenommenen Flugstrecken der Tiere zutage.
Wikelski konnte auf diese Art und Weise mittlerweile einige erstaunliche Tierwanderungen verfolgen. So hat der Forscher Hummeln mit einem 0,2 Gramm leichten Super-Mini-Sender ausgestattet und so herausgefunden, dass die Tiere im Jahre 2010 während der Obstblüte am Bodensee gleich einige Kilometer weit zu den schmackhaftesten Nektarquellen zurücklegten. Und offensichtlich wandern nicht nur Hummeln so weit, um sich den Magen vollzuschlagen.
Leistungen der Schildkröten
Kürzlich hat Wikelski die Galapagos-Schildkröten auf den Inseln Santa Cruz und Isabela mit Sendern ausgerüstet. "Die Tiere legen dabei Entfernungen von zehn Kilometern zurück und überwinden an den Hängen der Vulkane mehr als tausend Meter Höhendifferenz", so der Forscher. Auch bei ihnen scheint es einen Zusammenhang mit der Nahrung zu geben. Welches Futter die Tiere suchen, müssen die Forscher aber noch untersuchen.
Auch die aktuellen Weltrekord-Halter im Langstreckenflug der Tiere denken vor allem ans Fressen. Küstenseeschwalben brüten im Sommer fast überall auf der Nordhalbkugel zwischen den Küsten von Nord- und Ostsee bis hinauf in den Norden Grönlands, überwintern aber weit im Süden auf den Inseln im Südpolarmeer. Sie kommen jährlich auf rund 30.000 Flugkilometer. Ornithologen schließen das aus Vögeln, denen sie zur Beobachtung Ringe um die Beine legen.