Wien. Mit Hilfe des neuen Super-Teleskops Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array, kurz "Alma", haben Astronomen erstmals eine Gasspirale rund um einen Roten Riesen entdeckt. Diese dürfte auf einen bisher unbekannten Begleiter des sterbenden Sterns "R Sculptoris" zurückgehen, der in dem vom Stern ausgestoßenen Material kräftig umrührt, wie der Astronom Franz Kerschbaum von der Universität Wien erklärte. Die Arbeit des internationalen Wissenschafterteams wurde nun in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht - als eine der ersten Publikationen aus der frühen Phase wissenschaftlicher Beobachtungen mit "Alma", das im März 2013 offiziell eröffnet wird.
Ein Roter Riese ist eine spektakuläre Phase in der Entwicklung eher massearmer Sterne. Auch unsere eigene Sonne wird in rund fünf Milliarden Jahren so enden, wenn der Vorrat an Wasserstoff für die Kernfusion aufgebraucht ist. Dann wird sich die Sonne auf das Zehnfache ihrer Größe aufblähen und ihre Leuchtkraft vertausendfachen. Danach schrumpft sie zu einem sehr kompakten Weißen Zwerg.
Sternbild des Bildhauers
Rote Riesen wie "R Sculptoris", von der Erde aus gesehen ein unscheinbarer rötlicher Stern im südlichen Sternbild "Bildhauer" ("Sculptor"), geben große Mengen an Materie in den Weltraum ab. Diese Materie ist das Rohmaterial für die Bildung neuer Sterne und Planeten. Kommen Elementen wie Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff hinzu, kann aus dieser Materie Leben entstehen.
Bisher wurden bereits Schalen aus ausgestoßenem Material um diese Art von Sternen beobachtet. Man nahm an, dass die Materie gleichmäßig in alle Richtungen abgegeben wird. Auch die bisherigen Beobachtungen von "R Sculptoris", etwa mit dem Weltraumteleskop Herschel, zeigten eine kugelförmige Hülle um den Stern.
Erst im Rahmen der Beobachtungen mit dem internationalen Teleskop "Alma", das derzeit in 5000 Metern Seehöhe in der chilenischen Atacama-Wüste aufgebaut wird, zeigte sich die spiralförmige Struktur. Verursacht wird diese offensichtlich von einem Begleitstern, von dem man bisher nur die Umlaufperiode und die niedrige Masse (rund 0,2 Sonnenmassen) kennt. Die Beobachtung von "R Sculptoris" gelang mit nur der Hälfte der 66 für "Alma" geplanten Antennen. Entsprechend begeistert sind die Wissenschafter über die Möglichkeiten, die ihnen das Instrument gibt, sobald es 2013 komplett aufgebaut ist.
Zusammengeschaltet sollen die 66 Antennen wie ein einziges, extrem großes Teleskop agieren und Radio-Strahlung mit sehr kurzen Wellenlängen (0,3 bis 9,6 Millimeter) auffangen. Das menschliche Auge kann solche Wellenlängen nicht wahrnehmen, doch die rund zwölf Meter großen Teleskopschüsseln können selbst jene Strahlung registrieren, die von den kältesten Objekten im Universum kommt: ausgedehnte, nur wenige Zehntel Grad über dem absoluten Nullpunkt (minus 273,15 Grad Celsius) kalte Wolken aus Molekülen und Staubpartikeln. Teleskopen, die im sichtbaren Lichtbereich beobachten, bleibt das Innere solcher Gas- und Staubwolken verborgen. An dem rund eine Milliarde Euro teuren Projekt "Alma" sind Partner aus Nordamerika, Ostasien und Europa beteiligt, dieses vertreten durch die ESO (European Southern Observatory), bei der Österreich seit 2009 Mitglied ist.