• vom 19.10.2012, 16:31 Uhr

Natur

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An der Save in Kroatien können Geoforscher noch die Dynamik eines ungezähmten Flusses beobachten

Natürlicher Hochwasserschutz


Von Roland Knauer

  • Wechsel von Überschwemmungen und Dürreperioden wirkt sich positiv aus.

Die Dörfer stehen, vor Hochwasser geschützt, hoch oben am Dammufer der Save. - © Dr. Roland Knauer

Die Dörfer stehen, vor Hochwasser geschützt, hoch oben am Dammufer der Save. © Dr. Roland Knauer

Berlin. Im Dorf Cigoc am Hochufer der Save in Kroatien scheint die Zeit bereits im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Ein paar Meter hoch hat hier der Fluss eine Böschung aufgeschwemmt, ganz oben thronen die Holzhäuser der Bauern. Links fällt der Hang fast unmerklich zu kleinen Gärten, Äckern und weiter unten saftigen Weiden ab. Rechts geht es deutlich steiler zum Fluss hinunter, dessen Wellen sanft ans Ufer plätschern. Diese Idylle aber kann sich in ein paar Tagen völlig ändern. Dann strömen die braunen Fluten der Save rechts nur wenig unter der Höhe der Straße, während links eine Seenlandschaft die Weiden und Äcker verschlungen hat. Diese riesige Überschwemmung aber schützt die Regionen bis zur Mündung des Flusses in die Donau in der serbischen Hauptstadt Belgrad vor Hochwasser. Fehlt doch das über die Felder von Cigoc und der benachbarten Dörfer gurgelnde Wasser weiter unten.

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Hier können Wasserbau-Ingenieure beobachten, wie Hochwasserschutz in der Natur funktioniert, erklärt der Geschäftsführer der Naturschutzorganisation Euronatur in Radolfzell am Bodensee Gabriel Schwaderer. Seit 1987 arbeitet Euronatur an der Save im Naturpark Lonjsko Polje. Wenn die Save als einziger Fluss im Tiefland Mitteleuropas noch heute ihrem natürlichen Lauf folgt, ist das eine Folge des Vorstoßes der Osmanen nach Mitteleuropa. Im 16. Jahrhundert kam deren Angriff an ihren Ufern weitgehend zum Stehen. Danach war der Fluss ein Teil der Militärgrenze zwischen Europa und dem Orient. Der Fluss selbst und seine sumpfigen Überschwemmungsflächen bildeten ein natürliches Hindernis, den Rest erledigten eigens hier angesiedelte Wehrbauern. Noch heute trennt die Save auf weiten Strecken das christliche Kroatien vom islamischen Bosnien. An dieser ewigen Grenze aber wurden dann auch anders als im Rest Mitteleuropas kaum Deiche gebaut.

Bereits vor Jahrhunderten lernten die Wehrbauern auf der kroatischen Seite daher, mit dem Fluss zu leben. Einfach ist das nicht, weil die Save und ihre Nebenflüsse gleich aus drei unterschiedlichen Klimaregionen ihr Wasser beziehen. Zu verschiedenen Jahreszeiten kann es in diesen drei Regionen sintflutartige Regenfälle geben. Dann steigt der Wasserstand im Fluss fast schlagartig um einige Meter an, zehn Meter zwischen niedrigem Wasserstand und Hochwasser sind keine Seltenheit.




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Dokument erstellt am 2012-10-19 16:35:11


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