• vom 09.01.2013, 16:10 Uhr

Natur

Update: 10.01.2013, 11:57 Uhr

Forschung

Das Recycling der Eiszeit




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Roland Knauer

  • Gletscher schaffen selbst die Voraussetzungen für ihren nächsten Vorstoß
  • Das Wachsen der Gletscher ist stark von der Form der Oberfläche abhängig.

Berlin. Sinken die Temperaturen, wachsen im hohen Norden der Erde und in Gebirgen wie den Alpen die Gletscher und nach einigen Jahrtausenden hat eine neue Eiszeit begonnen. Ganz so einfach wie diese einsichtige Theorie sind die Verhältnisse allerdings nicht: "So hängt das Wachsen und Schrumpfen von Gletschern nicht nur vom Klima ab, sondern auch von anderen Faktoren wie zum Beispiel der Form der Oberfläche", erklärt Michael Zemp, der an der Universität Zürich das Verhalten der Gletscher heute und in den letzten Jahrtausenden untersucht.

Gletscher ebnen die Oberfläche von Gebirgen ein und erleichtern das Vorrücken des Eises.

Gletscher ebnen die Oberfläche von Gebirgen ein und erleichtern das Vorrücken des Eises.© Foto: Knauer Gletscher ebnen die Oberfläche von Gebirgen ein und erleichtern das Vorrücken des Eises.© Foto: Knauer

Neue Modellrechnungen
Für einen viel größeren Zeitraum von zwei Millionen Jahren bestätigen diese Feststellung jetzt Vivi Kathrine Pedersen von der Universität im norwegischen Bergen und David Lundbek Egholm von der Universität im dänischen Aarhus mit Computersimulationen in der Zeitschrift "Nature".


Die Modellrechnungen der beiden skandinavischen Forscher zeigen nämlich bei sinkenden Temperaturen völlig unterschiedliche Entwicklungen der Gletscher in verschiedenen Gebirgsregionen. Im höchsten Gebirge Spaniens, der Sierra Nevada im Süden des Landes, analysieren die Forscher ein Gebiet, das in den letzten Jahrmillionen von den Eismassen weitgehend verschont blieb.

Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit lag die Schneegrenze, über der Eis und Schnee das ganze Jahr liegen bleiben, ungefähr 900 Höhenmeter unter dem heutigen Wert. Daher verschieben die Forscher die Schneegrenze im Computer im Laufe von 50.000 Jahren von 2800 auf 1900 Meter über dem Meeresspiegel und lassen sie anschließend über einen gleich langen Zeitraum wieder ansteigen. Weil die Veränderungen im Laufe der vergangenen Eiszeiten viel unregelmäßiger verlaufen waren, simulieren diese Daten nicht die Realität, sondern eine Scheinwelt, mit der sich bestimmen lässt, ob neben dem Klima weitere Faktoren die Entwicklung der Gletscher stark beeinflussen. Für die untersuchte Sierra Nevada-Region ist das aber nicht der Fall: Dort zeigt sich nämlich eine lineare Abhängigkeit: Je kälter es wird und je tiefer die Schneegrenze sinkt, umso mehr Eis häuft sich in der Region an.

Vorgeschichte wesentlich
Ganz anders sieht das Ergebnis aus, wenn das Computermodell die Entwicklung in einem Gebiet der 500 Kilometer langen Bitterroot-Gebirgskette in den US-amerikanischen Rocky Mountains an der Grenze zwischen Montana und Idaho simuliert, in dem sich während der letzten Eiszeit sehr viele Gletscher bildeten. Sobald dort die Schneegrenze eine bestimmte Höhe unterschreitet, wachsen die Gletscher dramatisch. Sinkt die Schneegrenze weiter, vergrößern sich die Eismassen zwar weiter, aber langsamer als vorher. Von einer linearen Abhängigkeit zwischen Schneegrenze und der Eismenge, die sich in der Bitterroot-Gebirgskette ansammelt, ist also nichts zu sehen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-01-09 16:14:05
Letzte Änderung am 2013-01-10 11:57:07



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zigarrenförmiger Komet aus anderem Sonnensystem
  2. Maschinen entdecken Planeten
  3. Von der historischen Bibliothek zur Bibliothek der Zukunft
  4. Ist da jemand?
  5. Mensch verändert die Evolution von Braunbären massiv
Meistkommentiert
  1. Massereiches Frühchen im All
  2. Wer will denn schon früh sterben?
  3. "Wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren"
  4. Ist da jemand?

Werbung





Werbung


Werbung