• vom 10.03.2013, 14:00 Uhr

Natur

Update: 11.03.2013, 16:42 Uhr

Tiere

Sind die Weltmeere noch zu retten?




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Von Christina Mondolfo

  • Diese scheinbar unendliche Lebenswelt steht vor dem Kollaps
  • 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt, in denen einzellige Meeresalgen etwas mehr als 50 Prozent des weltweit verfügbaren Sauerstoffs produzieren.

- - © Gary Bell/Corbis

- © Gary Bell/Corbis

Aus dem All betrachtet wirkt unser Planet, als ob er großteils in die Farbe Blau getaucht wäre. Die Weltmeere, die rund 70 Prozent der Fläche der Erde für sich beanspruchen, sind dafür verantwortlich. Aber diese "Ursuppe", aus der alles Leben entstanden ist, ist massiv bedroht: durch Klimawandel, Verschmutzung, Überfischung.



Betroffen ist die maritime Lebenswelt vom Plankton bis hin zu den Walen, von den Robben bis zu den Seevögeln. Und die Bilder eines getöteten Wals, einer Schildkröte, die hilflos als Beifang in einem riesigen Schleppnetz zappelt, einer Robbe, der ein Stück Fischernetz in den Hals eingewachsen ist, eines Hais, dem gerade die Flossen abgeschnitten wurden und der hilflos wieder ins Meer geworfen wird, oder eines Pelikans, der ölverschmiert an einem Strand stirbt, sind nur die Oberfläche der Tragödie, die sich in den Ozeanen abspielt.

Ein Meer aus Plastik

Information

INFO:
Der "World Ocean Review" kann unter http://worldoceanreview.com bestellt oder heruntergeladen werden.

WISSEN:
Was ist eine Fangquote?
Unter einer Fangquote versteht man eine festgesetzte Menge an Fischen oder anderen Meerestieren, die in einem bestimmten Gebiet während eines festgesetzten Zeitraumes gefangen werden darf.

Wer legt die Fangmengen fest?
Für Europa erhebt der International Council for the Exploration of the Sea (ICES), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Organisation mit Sitz in Dänemark, wie es um die Bestände der einzelnen Fischarten bestellt ist. Es wird anhand von Stichproben analysiert, wie sich Populationen entwickeln und wie viele Jungfische nachkommen. Auf Basis dieser Daten gibt der ICES Empfehlungen heraus, wie viel Fisch gefangen werden kann, ohne Raubbau an der Natur zu treiben. Über die Fangmengen, die sogenannten TACs (Total Allowable Catch) entscheiden aber die Agrarminister der einzelnen Länder.

Wie wird kontrolliert?
Die Art der Kontrolle ist europaweit sehr unterschiedlich. So gibt es Schiffe, die ihren Fang freiwillig per Kamera dokumentieren, anderswo führen Fischer Logbücher, größere Fischtrawler sind zum Teil an Überwachungssysteme angeschlossen. Hilfestellung bei der Überwachung soll den Mitgliedsländern die Europäische Fischereiaufsichtsagentur (CFCA) leisten.

Nach Untersuchungen der UN-Umweltorganisation UNEP (United Nations Environment Programme) treiben bis zu 18.000 Plastik-
teile in jedem einzelnen Quadratkilometer der Weltmeere. Rund sechseinhalb Millionen Tonnen Plastikmüll  landen jedes Jahr im Meer. Plastikteile und deren Zersetzungsprodukte sammeln sich insbesondere in einigen Meeresdriftströmungswirbeln und führen zu einer erheblichen Verdichtung in manchen Meeresregionen. Dem Nordpazifikwirbel (North Pacific Gyre) zwischen Kalifornien und Hawaii hat dieses Phänomen den Beinamen "Great Pacific Garbage Patch" eingebracht – immerhin erstreckt sich der "Plastikkontinent" über eine Fläche von 3,43 Millionen Quadratkilometern …



Kunststoffe werden im Meer durch Gezeiten und die Wirkung der Wellen in immer kleinere Stücke zerteilt. Einige werden durch Lichteinwirkung und Freisetzung der enthaltenen Weichmacher spröde und brüchig, wodurch unter anderem drei bis fünf Millimeter große Pellets entstehen, die von Meerestieren mit Plankton verwechselt und gefressen werden. Noch kleinere Bruchstücke und freigesetzte Chemikalien werden auch von Planktonorganismen selbst aufgenommen und besiedelt. Größere Tiere wie Seehunde und Robben bleiben mitunter in Getränkekästen stecken oder verheddern sich ebenso wie Fische und Delfine in aufgegebenen Fischernetzen.



Der amerikanische Ozeanograph Charles Curtis Ebbesmeyer, der unter anderem die Meeresströmungen anhand der Bewegung von Treibgut in den Ozeanen erforschte, fand im Rahmen seiner Tätigkeit vor einigen Jahren in einem verendeten Albatros-Jungtier fast 100 Plastikteile, mit denen es von den Elterntieren gefüttert worden war – kein Einzelphänomen: Besonders Albatrosse und Eissturmvögel verwechseln die Abfallstücke oft mit Futter und fressen sie beziehungsweise verfüttern sie an ihre Jungen. Sie fühlen sich zwar offenbar satt, verhungern aber letztendlich mit müllgefülltem Magen. Auch Wale und Delfine fressen den Abfall und erleiden dadurch oft dasselbe Schicksal wie die Albatrosse. Mehr als eine Million Seevögel und geschätzte 100.000 Meeressäugetiere und Schildkröten gehen jährlich an den Überresten von Plastikmüll zugrunde, der in den Ozeanen treibt.



Der "World Ocean Review", der erstmals 2010 und in seiner zweiten Ausgabe im Februar dieses Jahr veröffentlicht wurde, weist auch auf die Bedrohung der Ozeane und ihrer Lebenswelten durch Öl, Chemikalien und radioaktive Substanzen hin. Hauptverantwortlich dafür sind vor allem die Schifffahrt (allein 2012 befuhren 5000 Containerschiffe die Meere), Abwässer, die immer noch in vielen Ländern ungefiltert ins Meer geleitet werden, und der übermäßige Einsatz von Düngemitteln, die für eine Überdüngung der küstennahen Meeresregionen sorgen – Ergebnis sind Algenblüten. Ausgasende Dauergifte etwa aus industriellen Anlagen werden über dem Meer abgeregnet und durch Strömungen in alle Weltmeere verteilt.


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Dokument erstellt am 2013-03-06 14:17:50
Letzte ─nderung am 2013-03-11 16:42:36



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