• vom 13.12.2013, 16:36 Uhr

Natur


Evolution

"Leben ist sehr unwahrscheinlich"




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Von Eva Stanzl

  • Der Erwin-Schrödinger-Preis 2013, der höchste Preis der ÖAW, geht an den Evolutionsbiologen Nick Barton
  • Nick Barton: "Asexuelle Fortpflanzung wäre eine sehr schlechte Idee."



"Wiener Zeitung":Für Ihre Forschung in der evolutionären Populationsgenetik erhielten Sie den mit 15.000 Euro dotierten Erwin-Schrödinger-Preis 2013 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Was motivierte Ihre Entscheidung für das Fachgebiet?

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Nick Barton: An der Universität Cambridge wollte ich mich in Physik spezialisieren. Doch Biologie interessierte mich mehr, daher wechselte ich zu Genetik. Für meine Doktorarbeit machte ich eine Feldstudie zur Chromosomenverteilung eines Grashüpfers in den Alpes Maritimes, weil ich gerne in den Bergen arbeiten wollte. Nachdem ich in meinem Zelt die Chromosomenverteilung des Grashüpfers untersucht hatte, konnte ich anhand der Muster mathematische Modelle erstellen.

Mit Grashüpfern fing Bartons Forscherleben an.

Mit Grashüpfern fing Bartons Forscherleben an.© Halling/Johnér/corbis Mit Grashüpfern fing Bartons Forscherleben an.© Halling/Johnér/corbis

Wie nützlich sind die Modelle im Vergleich zum Grashüpfer?

Evolution ist ein genereller Prozess, der alle Organismen betrifft, die sich sexuell fortpflanzen - die Regeln der Vererbung sind für Erbsen, Insekten, Schmetterlinge Mäuse und Menschen gleich und lassen sich bei allen Arten mit denselben mathematischen Modellen beschreiben. Die Modelle sind essenziell, um diese Prozesse quantitativ zu begreifen.



Wie funktioniert Evolution ohne sexuelle Fortpflanzung - etwa bei Organismen, die sich durch Zellteilung vervielfältigen?

Fast alle Organismen tauschen ihre Gene aus, sogar Amöben. Ohne sexuelle Rekombination wäre die Evolution sehr langsam und ineffizient. Sie würde zwar stattfinden, aber nur in sehr großen Populationen und sehr ineffektiv. Nehmen wir an, viele verschiedene erfolgreiche Gene tauchen in einer Population auf und konkurrieren miteinander. Die einzige Art und Weise, sich zu begegnen, ist durch Sex. Asexuelle Fortpflanzung wäre also eine sehr schlechte Idee.

Was ist Ihr Lieblingsprojekt?

In einer Gruppe um Michael Turelli von der University of California in Davis wollen wir Dengue-Fieber in Südostasien ausschalten. Die Idee ist, die Moskitos, die die Krankheit übertragen, mit einem in der Natur vorkommenden Bakterium zu infizieren, das sie Virus-resistent macht. Somit können sie kein Dengue-Fieber weitergeben. Entsprechende Versuche laufen derzeit in Australien. Mit meinen mathematischen Formeln lässt sich die optimale Strategie berechnen, um die Bakterien in die Mücken-Populationen einzuführen. Die Evolution arbeitet mit uns: Es ist im Interesse der Moskitos, Virusinfektionen abzuwehren, und Dengue-Fieber wird dabei verdrängt.

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Dokument erstellt am 2013-12-13 16:41:07



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