• vom 26.03.2014, 10:57 Uhr

Natur

Update: 26.03.2014, 15:54 Uhr

Raumfahrt

Die erste Kometen-Landung steht bevor




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Von Christoph Driessen (dpa)

  • Wissenschafter wecken "Philae" aus der Kältestarre.

Köln. Kometen haben die Menschen schon immer fasziniert. Die Griechen und Römer sahen in ihnen Zeichen der Götter, bis ins 17. Jahrhundert galten sie als Schicksalsboten. Immer wieder wurden die Schweifsterne von Künstlern dargestellt - als Stern von Bethlehem etwa. Nun stehen europäische Wissenschafter kurz davor, an einen Kometen anzudocken und ihn erstmals aus der Nähe zu beobachten.

Im November soll es soweit sein. Dann wird die Weltraumsonde "Rosetta", die schon seit zehn Jahren im All ist, ganz nah an den Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" herangeflogen sein. So nah, dass sie ein Landegerät von der Größe eines Kühlschranks auf den Himmelskörper absetzen kann - den Lander "Philae". Zurzeit befindet sich der dreibeinige Kasten noch in Kältestarre. Doch am Freitag (28. März) wollen ihn Ingenieure des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) in Köln in Betrieb nehmen.

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Bisher ist noch nie eine Sonde auf einem Kometen gelandet. Die japanische Raumsonde "Hayabusa" war jedoch 2005 auf einem Asteroiden und hat Jahre später Bodenproben zur Erde zurückgebracht.

"Philae" wird nach dem Hochfahren voraussichtlich gegen 15.30 Uhr erstmals Daten nach Köln übermitteln. "Dann werden wir wissen, ob dieses erstmalige Einschalten des Landers gut funktioniert hat und der Lander gesund ist", schilderte Projektleiter Stephan Ulamec. Der in Graz ausgebildete Geophysiker ist seit 1994 beim DLR und hat den Lander von Anfang an mitkonzipiert.

Langsam rückt der Komet ins Blickfeld. Wie er genau aussieht, müssen die Experten von der europäischen Raumfahrtagentur ESA erst noch herausfinden. Frühestens im Sommer ist "Rosetta" näher an ihm dran und kann schärfere Bilder machen. Als "Philae" gebaut wurde, dachten die Forscher noch, die Oberfläche dieses Kometen bestünde aus hartem Eis. Mittlerweile glauben sie eher, dass es weicher Neuschnee sein könnte. "Es ist sehr, sehr, sehr spannend", sagte Ulamec.

Wenn "Philae", im Prinzip ein mit Instrumenten vollgestopftes Minilabor, sicher gelandet ist, sich festgekrallt und seine Fühler ausgestreckt hat, können die Forscher zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt einen Kometenschweif genau untersuchen. Bisher gab es immer nur kurze Momentaufnahmen im Vorbeifliegen, doch nun wird "Philae" für Monate auf einem Kometen durchs All reiten.

Dem leuchtenden Schweif kommt dabei besondere Bedeutung zu. "Das ist ja das Schöne an Kometen", schwärmte Ulamec. "Dadurch sieht man sie ja auch von der Erde." Das Anhängsel ist nicht fest, es besteht aus Gasen - hauptsächlich Wasserdampf -, die Staubteilchen mit sich mitreißen. Die Wissenschafter hoffen erstmals beobachten zu können, wie sich ein solcher Schweif entwickelt, wie groß die Staubteilchen sind, die mitgerissen werden, und wie viel Staub wieder zurückfällt.

Dabei geht es um viel mehr als nur um Kometenforschung. Die Planeten des Sonnensystems - auch die Erde - sind aus Weltraumstaub entstanden. Staub, wie ihn die Kometen noch immer hinter sich herziehen. Einen Kometen zu untersuchen, bedeutet deshalb, einen Blick auf die Anfänge des Sonnensystems zu erhaschen.

Die Fragen, die die Forscher bewegen: Wie entstanden unsere Ozeane? Ist das Wasser über Kometen gekommen oder durch Vulkanismus aus dem Inneren der Erde? Haben sich die relevanten Moleküle zur Entstehung des Lebens auf der Erde gebildet oder kamen sie von außen?

Das herauszufinden, bringt erst einmal keine konkreten Vorteile mit sich. "Ich will das nicht verkaufen als eine Mission, die Geld bringt in naher Zukunft", sagte Ulamec. Es gehe um die großen Fragen. "Woher kommen wir? Wo gehen wir hin? Es ist einfach ein Bestreben der Menschen, die Ursprünge zu erfahren und zu verstehen."

Kometen - schmutzige Schneebälle aus dem All

Kometen sind Überreste der Entstehung des Sonnensystems. Sie bestehen aus einer Mischung von Eis und Gestein und werden daher auch als schmutzige Schneebälle bezeichnet.

Nähert sich ein Komet der Sonne, beginnt sein meist nur wenige Kilometer großer Kern zu verdampfen und bildet eine dichte Staub-und Gaswolke, die sogenannte Koma. Später entsteht der Kometenschweif. Dabei handelt es sich um Gasmoleküle und Staubteilchen, die von der Sonnenstrahlung und von dem beständigen Partikelstrom der Sonne, dem sogenannten Sonnenwind, aus der Koma weggeblasen werden.




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Dokument erstellt am 2014-03-26 10:58:16
Letzte ─nderung am 2014-03-26 15:54:26



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