• vom 09.04.2014, 17:30 Uhr

Natur


Weltraumfotografie

Der Blick zurück zur Erde




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Von Eva Stanzl

  • Eine Ausstellung in Wien bietet Einblick in die Geschichte der Weltraumfotografie.
  • Vor allem die frühesten Bilder wirken wie eine faszinierende Spurensuche im All.

Eines von 150 Fotos zeigt Mineralien auf dem Mond.

Eines von 150 Fotos zeigt Mineralien auf dem Mond.© ISRO/NASA/JPL Eines von 150 Fotos zeigt Mineralien auf dem Mond.© ISRO/NASA/JPL

Wien. Schon die Mesopotamier schauten in die Sterne. Da sie das Himmelszelt aber mit freiem Auge betrachten mussten, konnten sie höchstens erahnen, was sich dort abspielt.


Heute bauen wir Teleskope und schicken Satelliten ins All, um mehr über unsere Existenz im Universum zu erfahren. Dabei eröffnet jede Entdeckung weitere Fragen - wir wissen immer noch wenig über den Kosmos. Etwa konnte Edwin Hubble erst 1923 nachweisen, dass es Galaxien außerhalb unserer Milchstraße gibt. Er tat dies, indem er vom Mount Wilson Observatorium in Kalifornien ein Foto eines veränderlichen Sterns der Andromeda-Galaxie machte. Das erste Vollbildfoto vom blauen Planeten Erde entstand 1972 im Zuge der amerikanischen Apollo-Mission. Unzählige Bilder von den Vorgängen im Kosmos kamen im Lauf der Jahrzehnte dazu.

"Die Fotografie hat eine Revolution in der Astronomie gebracht", betonte Jay Belloli vor Journalisten am Mittwoch. Die Ausstellung des US-Galeristen zur Geschichte der Weltraumfotografie ist nun erstmals in Wien zu sehen. Unter dem Titel "Völlig losgelöst" zeigt die Galerie Westlicht bis 25. Mai insgesamt 150 Bilder, die für Meilensteine der astronomischen Forschung stehen. Hinzu kommen historische, aus heutiger Sicht fast nostalgische Fotos der Mondlandung aus der Sammlung Westlicht.

In der Ausstellung faszinieren vor allem die Anfänge der Weltraumfotografie. Sie zeugen von einem Weltbild, in dem völlig neu war, was heute geläufig ist. Das ist so aufregend wie Sterne schauen. Etwa konnte der Astronom David Gill zusammen mit einem Fotografen im Jahr 1882 in Südafrika die Erscheinung des großen Kometen auf Gelatine bannen. Der Abzug zeigt einen weißen Staubschweif auf grauem Hintergrund. Er ist eine der ersten astronomischen Aufnahmen und die auf den Negativen sichtbaren Sterne führten zu einer fotografischen Untersuchung des Himmels. Fast 100 Jahre wurde am Projekt Carte du Ciel gearbeitet.

Die erste Ansicht der erdabgewandten Seite des Mondes, die je fotografiert wurde, hat die sowjetische Raumsonde "Luna 3" am 7. Oktober 1959 übermittelt. 1976 entstand eine Aufnahme des Mars durch die "Viking" Raumsonde der USA, auf der die Nordpol-Eiskappe, Stromtäler und das Schluchtensystem Valles Marineris zu sehen sind. Die erste jemals der Öffentlichkeit gezeigte Ansicht der Erde, die von einer Raumsonde nahe dem Mond fotografiert wurde, wurde vom United States Lunar Orbiter I zur Erde übertragen. Die Sichel unseres Planeten wurde am 23. August 1966 fotografiert, als die Sonde gerade hinter dem Mond verschwand.

In den Anfängen der Fotografie, als der Computer noch nicht erfunden war, waren Aufnahmen der Himmelsphänomene Beweis und Nachweis für Theorien. Sie dienten in erster Linie der Wissenschaft. "Man konnte vermuten, was da draußen ist, aber ohne die Bilder wusste man es nicht", sagt Belloli. Heute werden die fotografischen Zeugen der Vorgänge im Kosmos auch von PR-Abteilungen der Raumfahrtagenturen als öffentlicher Leistungsnachweis benutzt, um Budgets zu argumentieren.

Das Unsichtbare wird sichtbar
Vielleicht liegt es gerade an der medialen Bilderflut, die dadurch entstanden ist, dass die neueren Fotos in der Ausstellung weniger prickelnd erscheinen. Dabei zeigen gerade sie mit sterbenden Sternen, Supernovae und entfernten Galaxien immer entferntere Teile des Universums, die das freie Auge nicht sehen kann. So ist Messier 101, eine wirbelnde Spirale aus Sternen, Gas und Staub, als Infrarotlicht-Aufnahme der Sonde Spitzer zu sehen. Die Bildbearbeitung enthüllt die feinen Staubbänder der Galaxie als gelbgrüne Fasern und der Staub, der vom Licht heißer junger Sterne aufgewärmt wird, leuchtet rot. "Man verändert das Farbspektrum, um mehr zu sehen und dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen", erläutert Jay Belloli und zeigt dabei auf ein Sternensystem, bei dem nur die kosmische Hintergrundstrahlung übrig ist.

Selten ist eine Aufnahme der Cjandrayaan-1-Mission der indischen Raumfahrtbehörde Isro aus 2009. Sie kartiert die Mineralien auf der erdzugewandten Seite des Mondes. Auf der Oberfläche wurden kleine Mengen Wasser entdeckt, die auf dem Foto in Blau zu sehen sind. Grün zeigt die Helligkeit der Oberfläche, gemessen durch reflektierte Infrarotstrahlung der Sonne. In Rot manifestieren sich eisenhaltige Mineralien namens Pyroxene."Der Weltraum ist meistens schwarz", erklärt Belloli: "Aber die Bilder davon sind bunt. Das Unsichtbare wird durch sie sichtbar."




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Dokument erstellt am 2014-04-09 17:35:07



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