• vom 02.09.2014, 17:06 Uhr

Natur


Verhaltensforschung

Treue Gefährten mit Biss




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Von Eva Stanzl

  • Ohne die Beziehung zu Tieren wäre die Evolution des Menschen anders verlaufen, legt Verhaltensforscher Kurt Kotrschal nahe.

Einfach beste Freunde können nicht nur Tiere untereinander sein, sondern auch Tier und Mensch. - © Lisa B./Corbis

Einfach beste Freunde können nicht nur Tiere untereinander sein, sondern auch Tier und Mensch. © Lisa B./Corbis

"Wiener Zeitung": Menschen ohne Tiere seien weder erklärbar noch lebensfähig, betonen Sie in ihrem neuen Buch. Wäre die Evolution ohne Mensch-Tier-Beziehung anders verlaufen?

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Kurt Kotrschal: Die Evolution wäre mit Sicherheit anders verlaufen, denn Menschen charakterisieren sich durch ihren engen Bezug zu Natur und Tier. Auch das Gehirn und die Spiritualität sind in diesem Kontext entstanden. Erst die abendländische Geistesgeschichte und der Monotheismus brachten die Emanzipation von Natur und Tier. Auf dem Höhepunkt der Aufklärung erklärte der Philosoph René Descartes Tiere sogar zu nicht bewusstseinsfähigen Wesen - womit er unrecht hatte: Natürlich haben Menschen ein ausgeprägteres reflektives Bewusstsein, aber auch die anderen Tiere haben Gefühle und kognitive Fähigkeiten.



Sind sich die anderen Tiere ihrer Gefühle bewusst?

Bis zu einem gewissen Grad wahrscheinlich schon, aber Experimente zum Nachweis sind nicht leicht zu entwickeln. Ich traue einem Hund und einer Katze zu, dass sie sich dessen bewusst sind, wenn sie sich vor Freude zerkugeln, weil ihr Besitzer nach Hause kommt. Tiere können auch ihre Gefühle verbergen und damit tricksen, was ein gewisses Maß an Bewusstsein voraussetzt. Auf der anderen Seite sind sich nicht alle Menschen ihrer feinsten Regungen bewusst. Da das Bewusstsein über Gefühle geweckt wird, indem man sie benennt, ist es wichtig, von klein auf über sie zu reden: Wenn ich Gefühle mit Worten versehe, gewinne ich tiefe Einsichten in meine Emotionen und werde gleichzeitig empathiefähig. Ich bin mir nicht sicher, wie gut andere Tiere in dieser Beziehung sind.

Hat die Beziehung zu Tieren den modernen Menschen im Laufe der Jahrtausende genetisch verändert?

Das ist mit Sicherheit so, aber nicht nachweisbar, denn es gibt keine Vertreter des Homo sapiens, die anders entstanden wären. Wir sehen nur, dass Kinder ein starkes Interesse an Tieren haben - sechs Monate alte Säuglinge haben die längsten Aufmerksamkeitsspannen für ihre felligen Freunde. Die ersten Worte sind tierbezogen und Kinderbücher sind voll mit Tieren, denn Tiere sind ein Spiegel für den Menschen. In der Therapie erhöhen Tiere die Kommunikationsbereitschaft und beruhigen, weil wir eine ganz tiefe Beziehung auf unbewusster Ebene zu ihnen haben. Wir wenden unsere sozialen Instrumente auch gegenüber Tieren an und sie machen dasselbe mit uns.

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Dokument erstellt am 2014-09-02 17:11:06



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