• vom 03.09.2014, 15:02 Uhr

Natur


Tierfotos

Zeig mir Deine Welt




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Kerstin Viering

  • Mithilfe von Spezialkameras filmen Tiere ihren Alltag und liefern so neue Erkenntnisse über ihre Biologie.

Das umstrittene "Selfie" eines Schopfaffen, dessen Urheberrechte der Kamerabesitzer David Slater beansprucht.

Das umstrittene "Selfie" eines Schopfaffen, dessen Urheberrechte der Kamerabesitzer David Slater beansprucht.© wikimedia Das umstrittene "Selfie" eines Schopfaffen, dessen Urheberrechte der Kamerabesitzer David Slater beansprucht.© wikimedia

Berlin. Das Selbstporträt ist wirklich gelungen: Keine zusammengekniffenen Augen, die Frisur sitzt und der Mund zeigt ein breites Grinsen. Schärfe und Belichtung stimmen auch. Es könnte eines jener zahllosen "Selfies" sein, die Menschen rund um den Globus von sich knipsen und ins Internet stellen. Wenn auf diesem Bild nicht ein Schopfaffe zu sehen wäre. Auf der indonesischen Insel Sulawesi hatte das Tier dem britischen Fotografen David Slater die Kamera entwendet und ganze Serien von Fotos damit geschossen - auch von sich selbst. Nun streiten der Fotograf und der Betreiber der Fotosammlung Wikimedia Commons über die Urheberrechte. Kann der Fotograf diese beanspruchen, obwohl der Affe das Bild gemacht hat? Aus Sicht der US-Urheberrechtsbehörde kann er es nicht.

Der Fall wird wohl eher eine Ausnahme bleiben. Zwar haben auch andere Tiere schon fleißig fotografiert und gefilmt. Streit um ihre Werke gibt es in der Regel aber nicht. Denn meist treten vierbeinige oder geflügelte Fotografen nicht in Konkurrenz zu ihren menschlichen Kollegen, sondern sind im Dienst der Wissenschaft unterwegs. Mit ihrer Hilfe können Biologen wertvolle Einblicke in den Alltag und die Ökologie verschiedener Arten gewinnen.

Werbung

Hauskatzen auf Streifzügen
Selbst bei scheinbar so wenig geheimnisvollen Tieren wie Hauskatzen gibt es nämlich noch einiges zu klären, zum Beispiel, was die samtpfotigen Jägerinnen auf ihren Streifzügen durch die Nachbarschaft so alles erlegen. Sind die Beutetiere, die sie ab und zu nach Hause bringen, repräsentativ? Um das herauszufinden, haben Kerrie Anne Loyd von der University of Georgia und ihre Kollegen 55 freilaufende Vorstadt-Katzen im Südwesten der USA mit kleinen Videokameras ausgerüstet. Jedes Tier trug seine "KittyCam" sieben bis zehn Tage lang und filmte alle seine Outdoor-Aktivitäten.

So kam heraus, dass 44 Prozent der vierbeinigen Kameraleute Wildtiere jagten, vor allem Reptilien, kleine Säugetiere und Wirbellose. Erfolgreiche Jägerinnen töteten dabei in sieben Tagen im Durchschnitt 2,4 Tiere - in der Regel, ohne dass ihr Besitzer etwas davon mitbekam. Denn sie ließen 49 Prozent ihrer Opfer am Tatort zurück und verspeisten weitere 28 Prozent. Nur 23 Prozent der Beute brachten sie mit nach Hause. Der Einfluss von Hauskatzen auf wild lebende Arten könnte also deutlich größer sein als vermutet.

Auch über die Fressgewohnheiten großer Raubtiere lässt sich mit moderner Filmtechnik mehr herausfinden. So haben James Nifong von der University of Florida und seine Kollegen 15 Mississippi-Alligatoren mit Kameras auf dem Rücken in zwei Flussmündungen an der Küste Floridas geschickt. Aus Untersuchungen des Mageninhalts war zwar schon bekannt, dass Mississippi-Alligatoren eine sehr abwechslungsreiche Speisekarte haben. Schnecken, Schildkröten oder Fische schmecken ihnen ebenso wie Vögel, Säugetiere oder die eigenen Artgenossen. Erst die Filme aber haben gezeigt, wie sie bei ihren Beutezügen zu Werke gehen. Vor allem nachts und morgens starten sie im Durchschnitt alle zwei Stunden eine Attacke - und sind in mehr als der Hälfte aller Fälle auch erfolgreich. Besonders vielversprechend sind dabei Überfälle in den Morgenstunden und solche, bei denen das Reptil unter Wasser lauert.

Für andere Jäger ist es dagegen nicht mit Lauern getan, sie müssen ihre Beute aktiv suchen. Wie gehen sie dabei vor und woran orientieren sie sich? Auch das können die jeweiligen Tiere am besten selbst dokumentieren. Unechte Karettschildkröten sind in dieser Mission zum Beispiel vor der japanischen Küste unterwegs gewesen. Ein Team um Tomoko Narazaki von der Universität Tokio hatte auf ihrem Panzer nicht nur eine Videokamera befestigt, sondern auch ein Messgerät, das Tauchtiefe und Wassertemperatur, Schwimmgeschwindigkeit und Bewegungsrichtung erfasste.

Bilder und Messwerte verrieten dann, dass diese Meeresschildkröten normalerweise in Tiefen von mehr als einem Meter nach Quallen suchen. Vor allem tagsüber biegen sie dabei oft abrupt in Richtung eines glibberigen Leckerbissens ab. Daraus schließen die Forscher, dass die Tiere ihre Opfer mit den Augen finden. Doch ganz zuverlässig scheint das nicht immer zu funktionieren. Denn ein Reptil peilte vor laufender Kamera eine Plastiktüte statt einer Qualle an - ein Irrtum, der zu tödlichen Verdauungsproblemen führen kann.

Auch Seevögel sind Augentiere, die allerdings nicht gleich direkt nach ihrer Beute spähen. Warum nicht erst einmal nach anderen Fischinteressenten Ausschau halten, die vielleicht schon fündig geworden sind? So kann man sich die großräumige Suche sparen und sich gleich auf ein vielversprechendes Jagdrevier konzentrieren. Genau diese Strategie verfolgten die Kaptölpel, die Pierre Pistorius von der Nelson Mandela Metropolitan University im südafrikanischen Port Elizabeth und sein Team mit Kameras auf dem Rücken zum Fischen geschickt haben. In den Filmen, die diese Tiere vor der Küste gedreht haben, tauchen immer wieder andere Seevögel, Delfine oder Fischerboote auf, an denen sich die fliegenden Kameraleute orientierten.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-09-03 15:05:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Forscher beobachten "Kilonova"
  2. Umweltwächter im All
  3. Chemie-Nobelpreis für Kryo-Elektronenmikroskopie
  4. Frauen großzügiger als Männer
  5. Im Sand verlaufen
Meistkommentiert
  1. Im Sand verlaufen
  2. Das Ende der Taubheit
  3. Hatschi!
  4. Frauen großzügiger als Männer
  5. Schmarotzer mit Feuerkraft

Werbung





Werbung


Werbung