• vom 12.01.2015, 11:57 Uhr

Natur

Update: 12.01.2015, 12:00 Uhr

Botanik

Fleischfressende Pflanze ernährt sich auch vegetarisch




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Von WZOnline/APA

  • Forscher der Uni Wien: Wasserschlauch mag auch Gemüsebeilage zum Fleisch.

Wien. Der Wasserschlauch, eine fleischfressende Wasserpflanze, mag auch Gemüse. Die in Österreich vorkommende Pflanze ernährt sich sogar überwiegend vegetarisch, fanden Wissenschafter der Universität Wien heraus. Bei der Analyse der Fallen der Pflanze waren nur knapp zehn Prozent der gefangenen Objekte Tiere, 50 Prozent aber Algen, berichten die Forscher im Fachjournal "Annals of Botany".

Mit über 200 Arten ist der Wasserschlauch (Utricularia) die größte Gattung fleischfressender Pflanzen. Er fängt seine Beute unter Wasser mit Hilfe raffinierter blasenförmiger Fangorgane. Diese öffnen sich bei Berührung und starker Unterdruck lässt Wasser samt kleiner Organismen in die Falle einströmen. Nach kaum drei Millisekunden schließt sich die Blase wieder, und die Beute wird von einer eigens gebildeten Verdauungsflüssigkeit aufgelöst. Die im Fang enthaltenen Mineralstoffe ermöglichen es dem Wasserschlauch, auch extrem nährstoffarme Lebensräume zu besiedeln.

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Die Ernährung der Pflanzen
Immer wieder werden Algen in den Fallen der Utricularia gefunden. Nun haben die Biologen Marianne Koller-Peroutka und Wolfram Adlassnig von der Uni Wien die Ernährung der Pflanzen im Detail untersucht. Die Analyse von 1.844 Fallen zeigte, dass nur knapp zehn Prozent der gefangenen Objekte Tiere waren, 50 Prozent aber Algen und 33 Prozent Pollen.

Bei Pflanzen aus nährstoffarmen Gewässern wie Moorseen überwog der Algenanteil an der Beute besonders. Mehr als ein Drittel des Fangs bestand zudem aus Pollen von Bäumen. Offensichtlich kann sich der Wasserschlauch aber seine Beute nicht aussuchen: Vielmehr wird alles gefangen, was klein genug ist, um durch die Blasenöffnung zu passen.

Kein nutzloser Beifang
Die Wissenschafter zeigten aber auch, dass die Gemüsebeilage nicht nur nutzloser Beifang ist, der zufällig zusammen mit Tieren von den Fallen geschluckt wird. Utricularia-Pflanzen, die viele Algen und Pollen gefangen haben, werden länger, bilden mehr Biomasse aus und wirken generell kräftiger. Dafür erhöht der Fang von Tieren den Stickstoffgehalt der Pflanzen sowie die Bildung der Überdauerungsknospen, die für das Überleben im Winter entscheidend sind.

Den besten Allgemeinzustand wiesen die Flexitarier unter den Pflanzen auf, also jene mit einer ausgewogenen Ernährung, die sowohl Algen und Pollen als auch Tiere gefangen hatten. Die Forscher nehmen daher an, dass die Pflanzen manche Nährstoffe, etwa Stickstoff, vor allem aus Tieren, andere - wie Spurenelemente - hingegen bevorzugt aus Algen oder Pollen beziehen.

Fallen mit Saugmechanismus
Zudem konnten die Wissenschafter zeigen, dass der Saugmechanismus der Fallen nicht unbedingt durch die Bewegung eines Tieres ausgelöst werden müssen. Vielmehr können die Fallen auch von selbst auslösen, wenn sie längere Zeit nicht gereizt werden.

Diese Fähigkeit scheint im natürlichen Lebensraum von entscheidender Bedeutung zu sein: Mehr als die Hälfte der Fallen enthielt nur unbewegliche oder sehr kleine Beuteobjekte wie Algen, Pollen, Bakterien oder Pilze, aber keine Tiere, die die Falle hätten auslösen können. Weil die Pflanze offensichtlich Organismen aller Art fangen und verwerten kann, kann sie auch Gewässer besiedeln, in denen Tiere selten sind.




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Dokument erstellt am 2015-01-12 11:58:52
Letzte nderung am 2015-01-12 12:00:49



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