• vom 03.08.2015, 20:00 Uhr

Natur


Meeresbiologie

Tiefgründige Versauerung




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  • So manches Leben im Meer ist vom CO2 bedroht - die Wirkung lässt so schnell nicht nach.

Vor allem Fischlarven können durch das Kohlendioxid geschädigt werden. Das gefährdet die Nahrungsnetze im Meer. - © Corbis/Zak Kendal

Vor allem Fischlarven können durch das Kohlendioxid geschädigt werden. Das gefährdet die Nahrungsnetze im Meer. © Corbis/Zak Kendal

Potsdam. Um die Versauerung der Meere zu stoppen, müsste der fortlaufende Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) möglichst rasch gesenkt werden. Eine nachträgliche Entfernung des Treibhausgases aus der Atmosphäre würde den Ozeanen dagegen kaum nützen, wie eine US-deutsche Forschergruppe um Sabine Mathesius vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in "Nature Climate Change" berichtet.

Mit Hilfe von Computermodellen untersuchten die Forscher, wie sich die Weltmeere verändern, wenn man durch künstliche Maßnahmen - sogenanntes Geo-Engineering - CO2 aus der Atmosphäre entfernen würde. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Ozeane blieben trotzdem noch über Jahrhunderte stark beeinträchtigt, zumindest wenn die Freisetzung von Treibhausgasen unverändert zunimmt. Das gelte selbst dann, wenn es gelänge, den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf vorindustrielle Werte zurückzuschrauben, betonen die Forscher.


Grund für die Langzeitwirkung ist vor allem die langsame Durchmischung der Ozeane. Daher könne ein nachträglicher CO2-Entzug eine Verringerung der Emissionen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Als Maßnahme denkbar wäre der Anbau schnell wachsender Pflanzen, die viel Kohlendioxid einlagern. Diese könnten dann in Kraftwerken verbrannt und das frei werdende CO2 könnte unterirdisch gespeichert werden.

Für Jahrhunderte gesättigt
"Wir haben in einem Computer-Experiment simuliert, verschiedene Mengen von CO2 aus der Luft wieder zu entfernen - einmal in realistischer Größenordnung und einmal mit 90 Milliarden Tonnen pro Jahr, was mehr als das Doppelte der derzeitigen jährlichen Emissionen und wahrscheinlich nicht machbar wäre", sagte Co-Autor Ken Caldeira von der Carnegie Institution for Science in Stanford in einer PIK-Mitteilung. "Interessanterweise zeigt sich, dass bei ,Business as usual‘ bis 2150 sogar das Herausholen enormer Mengen Kohlendioxids aus der Atmosphäre den Ozeanen nicht so viel helfen würde. Wenn das versauerte Wasser durch die großen Strömungen einmal in die Tiefe transportiert worden ist, ist es dort für viele Jahrhunderte außer Reichweite, ganz egal, wie viel Kohlendioxid aus der Luft entfernt wird."

Forscher wissen seit langem, dass Treibhausgase, die beim Verbrennen von Kohle und Öl entstehen, die Meere nicht nur erwärmen, sondern sie auch versauern. Steigt in der Atmosphäre der CO2-Gehalt, nimmt die Konzentration des Gases auch in oberflächennahen Wasserschichten zu. Der pH-Wert sinkt. Die Versauerung der Ozeanoberfläche hat seit Beginn der Industrialisierung nach Angaben des Weltklimarats um 26 Prozent zugenommen.

Dies bedroht Meereslebewesen wie Korallen oder Muscheln und Schnecken, weil der niedrige pH-Wert die Bildung von Kalkschalen und Skeletten beeinträchtigt. Selbst Fische und insbesondere Fischlarven können geschädigt werden. Das gefährdet neben der Artenvielfalt auch die komplexen Nahrungsnetze im Meer.

Zwei-Grad-Grenze als Ziel
"In den Tiefen des Ozeans wird das chemische Echo der heute verursachten Kohlendioxid-Emissionen noch tausende von Jahren nachhallen", sagt PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. "Wenn wir nicht rasch Emissionsreduktionen umsetzen, die der Zwei-Grad-Grenze entsprechen, dann wird es nicht möglich sein, die Ozeane der Welt so zu erhalten, wie wir sie heute kennen."

Ähnliches schließen Richard Matear und Andrew Lenton vom Forschungsinstitut CSIRO in Hobart, Australien, in einem Kommentar im Fachblatt: "Wenn der Kohlenstoff erst mal im Meer ist, kann er ihm nicht einfach wieder entzogen werden. Daher ist es die deutlich effizientere Lösung, die Freisetzung des Kohlenstoffs von vornherein zu vermeiden."




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Dokument erstellt am 2015-08-03 16:11:08



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