• vom 07.08.2015, 15:18 Uhr

Natur


Infraschall

Tiefe Töne mit hohem Effekt




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Von Frank Ufen

  • Die Auswirkungen von als unhörbar geltenden Infraschallwellen sind noch ein weithin unerforschtes Gebiet.

Elefanten können mit Infraschalltönen über Kilometer hinweg kommunizieren.

Elefanten können mit Infraschalltönen über Kilometer hinweg kommunizieren.© Martin Harvey/corbis Elefanten können mit Infraschalltönen über Kilometer hinweg kommunizieren.© Martin Harvey/corbis

Hamburg. Menschen, heißt es, sind außerstande, Frequenzen unterhalb von etwa 16 bis 20 Hertz - das heißt Infraschallwellen - wahrzunehmen. Doch jetzt ist ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Physikers Christian Koch (Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig) zu der Erkenntnis gelangt, dass Menschen eine ganze Oktave tiefer hören können, als man bislang angenommen hat. Die Wissenschafter haben in ihrem Experiment eine Infraschallquelle eingesetzt, die keine Obertöne erzeugt. So hat man verhindert, dass sich die extrem niedrigen Frequenzen durch diese Obertöne verraten könnten.

Erregung des Kortex
Diesem Infraschall wurde eine Reihe von Versuchspersonen ausgesetzt, und sie wurden danach befragt, was sie dabei subjektiv empfinden würden. Gleichzeitig wurde mit Hilfe der Magnetoencephalographie und der funktionellen Kernspintomographie analysiert, was in den Gehirnen der Probanden vor sich ging. Das aufschlussreiche Ergebnis: Schon bei einer Frequenz von 8 Hertz war eindeutig eine Erregung des primären auditiven Kortex zu erkennen. Außerdem zeigte sich eine erhöhte Aktivität in dem für Emotionen zuständigen Gehirnregionen. Die Versuchspersonen selbst konnten allerdings wenig darüber sagen, was sie gehört hatten, und sie gaben oft an, sich beunruhigt gefühlt zu haben. "Das heißt, der Mensch nimmt dann eher diffus wahr, dass da irgendwas ist und dass das auch eine Gefahr bedeuten könnte", erklärt Christian Koch.


Geräusche und Töne im Infraschallbereich entstehen ständig auf der Erde. Infraschallwellen können nicht nur von Erdbeben, Vulkanausbrüchen, zerberstenden Meteoriten, startenden Raketen, explodierenden Atombomben oder Bewegungen der Erdplatten hervorgerufen werden. Sie können auch von der Meeresbrandung, Wasserfällen, Stürmen oder Gewittern ausgelöst werden, und selbst der Föhn in den Alpen erzeugt Geräusche im Frequenzbereich von 0,01 bis 0,1 Hertz. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Bauwerke, Geräte und Maschinen, die tieffrequente Geräusche hervorbringen. Hierzu gehören beispielsweise Tunnel, Brücken oder Hochhäuser, Flugzeuge, Schiffe, Lokomotiven oder Lkw, Stromgeneratoren, Pumpen, Waschmaschinen Heizungen und nicht zuletzt Windkraftanlagen.

In der Tierwelt spielen extrem niedrige Frequenzen keine große Rolle, denn die meisten Tierarten sind für sie völlig taub. Doch Elefanten sind nicht nur in der Lage, Geräusche virtuos nachzuahmen. Sie sind außerdem imstande, Infraschalltöne wahrzunehmen und selbst zu erzeugen, um einander Botschaften über Distanzen von bis zu vier Kilometer zu übermitteln. Und die Blauwale senden Infraschallsignale aus, mit denen sie sich mit ihren Artgenossen über hunderte von Kilometern hinweg verständigen können. Die Blauwalgesänge sind nicht nur extrem tief. Mit einer Lautstärke, die mehr als 180 Dezibel erreichen kann, sind sie auch lauter als alles, was in der Tierwelt an Tönen und Geräuschen produziert wird.

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Dokument erstellt am 2015-08-07 15:23:04



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