• vom 02.10.2015, 18:45 Uhr

Natur

Update: 05.10.2015, 16:12 Uhr

Physik

Relativitätstheorie "voll im Schwung"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Einsteins Hauptwerk war ein "Spätzünder" und wurde erst im Laufe der Zeit nachgewiesen.

Wien. (apa/est) Als "Spätzünder" bezeichnet Jürgen Renn, Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, Albert Einsteins vor 100 Jahren vollendete Allgemeine Relativitätstheorie (ART). Der Wissenschaftshistoriker referierte am Donnerstagabend zum Auftakt der von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum Jubiläum organisierten Veranstaltungsreihe "Gravitation 2015" in Wien.

Alles im Universum wird angezogen oder abgestoßen und dabei beschleunigt - denn die Schwerkraft zerrt an allem. Sie sorgt für die Planetenbewegung, schickt die Erde um die Sonne oder lässt einen Stein zu Boden fallen.

Werbung

In seiner Allgemeinen Relativitätstheorie erklärt Einstein die vom berühmten britischen Physiker Isaac Newton beschriebene Schwerkraft durch die Raumkrümmung: Die Materie krümmt den Raum und der gekrümmte Raum schreibt der Materie vor, wie sie sich bewegen soll. Einsteins Hauptwerk beschreibt auch den Zusammenhang zwischen Beschleunigung und Schwerkraft: Je stärker Anziehungskraft und Beschleunigung zusammenwirken, desto langsamer vergeht die Zeit.

Als der Physiker seine Allgemeine Relativitätstheorie im November 1915 erstmals veröffentlichte, erschien sie vielen Menschen viel zu komplex. Nur ein innerer Kreis an Experten nahm die Publikation wahr.

Atombombe erhöhte das Ansehen der Physik
"Erst um 1930 kommt es zur Beobachtung der sich rasch entfernenden Galaxien mit der Rotverschiebung und man sieht, dass die Theorie eine kosmologische Bedeutung hat, die man empirisch nachweisen kann", erklärt Renn im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. "Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt schließlich das Ansehen der Physik durch die Atombomben. Sie wird eine Art Leitwissenschaft, und die Relativitätstheorie spielt schon eine gewisse Rolle." Der Durchbruch sei aber erst in den 1960er Jahren mit der Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung gekommen. Und als in den 1970er Jahren die ersten Schwarzen Löcher entdeckt wurden, erfuhr die Theorie eine wahrhaftige Renaissance. "Heute sind wir dabei, die großen Vorhersagen der Theorie wie Gravitationswellen nachweisen zu können. Eigentlich ist die Theorie erst jetzt, nach dem ersten Jahrhundert, voll in Schwung", so Renn.

In ihrer Jubiliäumsausstellung "Einstein/Wellen/Mobil" thematisiert die ÖAW Graviationswellen und die Grundlagen von Relativitätstheorie, Astronomie, Lasertechnik, Raumfahrt und Computeralgorithmen zur Datenauswertung. Eine Vortragsreihe zu den Grundlagen der Relativitätstheorien, modernen Forschungsfragen und historischen Rückblicken ergänzt das bis 6. November laufende Programm.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-10-02 17:38:02
Letzte nderung am 2015-10-05 16:12:51



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Klimawandel bringt Konflikte
  2. Chemie-Nobelpreis für Kryo-Elektronenmikroskopie
  3. Umweltwächter im All
  4. Chinesisches Raumlabor stürzt "bald" ab
  5. Forscher beobachten "Kilonova"
Meistkommentiert
  1. Im Sand verlaufen
  2. Hatschi!
  3. Frauen großzügiger als Männer
  4. Schmarotzer mit Feuerkraft
  5. Am Gängelband der Gestapo

Werbung





Werbung


Werbung