• vom 06.04.2016, 19:00 Uhr

Natur


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Huckepack aus dem All




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  • Supernova-Explosionen sind durch Eisen in Tiefsee-Sedimenten nachweisbar.



Wien. (gral) Forschern ist es gelungen, Zeit und Entfernung der jüngsten Sternexplosionen in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems zu bestimmen. Demnach haben sich die vorerst letzten Supernova-Explosionen in unserer Umgebung vor 2,3 und 1,5 Millionen Jahren in jeweils rund 300 Lichtjahren Entfernung ereignet.

Möglich macht diese Datierung der Fund von interstellarem Eisen auf dem Meeresgrund von drei Ozeanen - dem Pazifik, Südatlantik und dem Indischen Ozean -, wie das internationale Forscherteam mit österreichischer und deutscher Beteiligung unter der Federführung von Anton Wallner von der Australian National University im Fachmagazin "Nature" berichtet. Wallner hatte die Arbeit an der Uni Wien begonnen und ist seit 2011 in Canberra tätig.


Eine Supernova ist das dramatische Ende eines massereichen Sterns. Für das Universum haben diese kosmischen Katastrophen eine enorme Bedeutung, sind sie doch die wichtigste Fabrik für schwere chemische Elemente wie Gold oder Platin. Ereignet sich eine solche Explosion in der Nähe des Sonnensystems, werden ihre Spuren von der Erde eingefangen und lagern sich über Jahrmillionen am Meeresgrund ab.

Eisen-60 gilt als Nachweis
Auch langlebige radioaktive Atome werden in Supernovae gebildet - so etwa das Isotop Eisen-60. Da es auf der Erde nicht natürlich vorkommt, gilt ein Nachweis in Bohrproben aus der Tiefsee auch als klarer Nachweis von solchen kosmischen Ereignissen. Dieses Eisen-60 hat eine Halbwertszeit von 2,6 Millionen Jahren und findet sich in der Tiefsee-Kruste aller großen Ozeane der Erde. Die radioaktiven Atome sind praktisch huckepack auf kosmischen Staubkörnchen bis zur Erde gereist. An der schwankenden Konzentration im Tiefseeboden lässt sich ablesen, zu welcher Zeit besonders viel Eisen-60 aus dem All niedergeprasselt ist.

Ein erster Hinweis, dass Supernova-Material in Erdarchiven zu finden ist, war schon vor mehr als zehn Jahren gelungen. Doch erst jetzt konnte das Wissenschafterteam herausfinden, dass eine Serie von Sternenexplosionen für den Eisenstaub auf unserer Erde verantwortlich ist.

Für dessen Analyse haben die Forscher den Transport dieser Eisen-Variante modelliert. Anhand von Konzentrationen und Halbwertszeit ergeben sich Zeit und die Entfernung der Explosionen. Beide explodierten Sterne stammen den Ergebnissen der Wissenschafter zufolge aus der sogenannten Lokalen Blase im All - das ist eine Region voll heißem, diffusem Gas, in die unser Sonnensystem eingebettet ist.

So hell wie der Mond
Diese Lokale Blase wurde vermutlich durch 14 bis 20 Supernova-Explosionen in einer Gruppe von Sternen erzeugt, die sich gemeinsam bewegen. Die Wissenschafter haben diese Bewegung zurückgerechnet und mit statistischen Methoden jeweils den wahrscheinlichsten Ort der beiden jüngsten Ereignisse bestimmt.

Vor 2,3 Millionen Jahren explodierte demnach eine Sonne im heutigen Sternbild Wolf (Lupus), vor 1,5 Millionen Jahren krachte es im heutigen Sternbild Waage (Libra) gewaltig. Mit einer geschätzten Entfernung von rund 300 Lichtjahren waren diese Supernova-Explosionen den Forschern zufolge so hell, dass sie auch bei Tageslicht sichtbar gewesen wären und eine Helligkeit vergleichbar mit unserem Mond erreichten, schildern die Wissenschafter.

Sie spekulieren auch, in welchem Umfang nahe Supernovae das Klima und vielleicht sogar die Evolution auf der Erde beeinflussen können. Belege für signifikante Auswirkungen gibt es zwar keine, aber je näher eine Supernova explodiert, desto größer seien die Folgen. Innerhalb einer Entfernung von etwa 25 Lichtjahren wären die Folgen katastrophal, schreibt Adrian Melott von der Universität in Kansas in einem Begleitkommentar zur Studie. Astronomen rechneten etwa alle 800 Millionen Jahre mit einem solchen Ereignis.




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Dokument erstellt am 2016-04-06 16:32:09



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