• vom 21.04.2016, 12:00 Uhr

Natur

Update: 21.04.2016, 13:23 Uhr

Klimawandel

Warmes Wasser bedroht Arktis und Great Barrier Reef




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Experten erwarten erneute Rekord-Eisschmelze in der Arktis und sehen das Great Barrier Reef massiv gefährdet.

Bremerhaven, Sydney. Forscher erwarten in diesem Sommer eine neue Rekordschmelze des Meereises in der Arktis. Die Auswertung aktueller Satellitendaten habe gezeigt, dass das Eis bereits im Sommer 2015 ausgesprochen dünn gewesen sei, teilten Meereisphysiker vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut am Donnerstag mit. Im vergangenen Winter habe sich außerdem besonders wenig neues Eis gebildet.



Wie viel Meereis in den Sommermonaten in der Arktis schmilzt, hängt von den Windverhältnissen sowie der Luft- und Wassertemperatur ab. Die Grundlagen würden aber im Winter davor gelegt, erläuterte Nicolaus. "Der besonders warme Winter in der Arktis hat dazu geführt, dass sich in vielen Gebieten nur sehr langsam neues Meereis gebildet hat." Dieses sei in diesem Frühjahr so dünn wie im Negativrekordjahr 2012 - teilweise sogar noch dünner. Damals war die Eisfläche in der Arktis auf 3,4 Millionen Quadratkilometer geschrumpft.

Für die Prognose hatte Nicolaus gemeinsam mit einem Kollegen die Satellitendaten zur Meereisdecke aus den vergangenen fünf Wintern ausgewertet. Wichtige Informationen lieferten auch sieben Schneebojen auf Eisschollen, die die Höhe der Schneedecke, die Lufttemperatur und den Luftdruck aufzeichnen.

Verheerende Korallenbleiche

Doch nicht nur dem Eis macht das warme Wasser zu schaffen. Die verheerende Korallenbleiche am Great Barrier Reef in Australien hat ein beispielloses Ausmaß erreicht. 93 Prozent der Korallenbänke seien betroffen, berichteten Wissenschafter am Mittwoch. Besonders schlimm sei die Lage nördlich von Port Douglas, wo viele Touristenboote zu dem Naturwunder starten.

Dort sei die Lage extrem, sagte Meeresbiologe Terry Hughes. Das ist fatal, weil in der Region bis nach Papua-Neuguinea bisher die artenreichsten und makellosesten Korallenriffe lagen. Je schlimmer die Bleiche desto geringer die Chance, dass ein Riff sich erholt.

Bis zu 33 Grad warmes Wasser

"In diesem Ausmaß haben wir so etwas noch nie erlebt", sagte Hughes. Er hat in den vergangenen Wochen 911 Riffe überflogen und den Schaden dokumentiert. "Im nördlichen Teil des Riffs ist es, als wären zehn Zyklone gleichzeitig an Land gekommen." Der einzige Lichtblick: Im Süden des 2.300 Kilometer langen Naturwunders hält sich die Bleiche in Grenzen. "Dort sollten sich die Riffe bald wieder erholen", meinte Hughes.

Grund sind die hohen Wassertemperaturen, ausgelöst durch den Klimawandel und das alle paar Jahre auftretende Wetterphänomen El Nino. In der nördlichen Region war das Wasser zeitweise 33 Grad warm. Dann produzieren Algen, die die Korallen mit Nährstoffen versorgen und die bunten Farben erzeugen, Gift und werden abgestoßen. Die Korallenstöcke werden weiß (Bleiche). Korallen sind Nesseltiere. Wenn die Temperatur sinkt und sich neue Algen ansiedeln, können sie überleben. Wie lang das Zeitfenster ist, hängt von der Art ab - Wissenschafter schätzen, es handelt sich um Wochen.

Stressfaktoren reduzieren

"Das beste, was wir zur Erholung des Riffs tun können, ist, lokale und regionale Stressfaktoren zu reduzieren", meinte der Chef der für das Riff zuständigen Marineparkbehörde (GBRMPA), Russell Reichelt. So müsse die Wasserqualität besser werden. Sedimentabgänge und Schadstoffe aus der küstennahen Landwirtschaft müssten reduziert werden. Die in den letzten Jahren stark vermehrten Dornenkronen, korallenfressende Seesterne, würden weiter rigoros bekämpft.

Reichelt verwies auf eine neue Studie des Instituts für Meeresbiologie, wonach die Korallendecke am Great Barrier Reef in den vergangenen vier Jahren um 19,3 Prozent gewachsen sei. Das sagt allerdings nichts über die Artenvielfalt. Ähnlich wie Bäume verraten Korallenstöcke über Wachstumsringe, ob sie Stresssituationen erlebt haben. Massive Korallenbleiche gab es am Barrier Reef erstmals 1998, dann 2002. Nie waren die Folgen aber so drastisch wie dieses Mal.

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Dokument erstellt am 2016-04-21 09:53:45
Letzte ─nderung am 2016-04-21 13:23:03



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