• vom 14.06.2016, 17:14 Uhr

Natur


Feinstaub

Die Luft, die wir atmen




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  • Das Handeln Einzelner könnte zur Reduktion der Feinstaub-Emissionen beitragen, meinen Forscher.

Die Massentierhaltung ist einer der Hauptverursacher für die schlechte Luft.

Die Massentierhaltung ist einer der Hauptverursacher für die schlechte Luft.© Fotolia/Helga Die Massentierhaltung ist einer der Hauptverursacher für die schlechte Luft.© Fotolia/Helga

Wien. (gral) Mit Feinstaub angereicherte Luft ist in Europa für rund 400.000 frühzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Einer der größten Hauptverursacher ist die Großlandwirtschaft. Die Industrie hingegen habe ihren Anteil daran durch Innovation und Kontrolle der Emissionen verringern können, bestätigen Experten. Das erst kürzlich abgeschlossene EU-Projekt Sefira zeigt allerdings auf, "dass dieses Wissen in den Köpfen der EU-Bewohner so gut wie nicht existent ist", betont der daran beteiligte Soziologe Yuri Kazepov in einer Mitteilung der Uni Wien. Die Menschen selbst hätten damit mehr Handlungsspielraum als vielleicht gedacht.

Doch was passiert eigentlich, wenn wir Feinstaub einatmen? Unsere Lunge hat auf jeden Fall ganze Arbeit zu leisten, um gröbere und feinste Partikel in der Atemluft abzuwehren. Die Nase ist dabei unser erster Filter. Flimmerhärchen in den Atemwegen fangen große Partikel ab. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von feinem Staub dringt allerdings bis in die Lunge vor.


Der Einfluss Privater
Zwar ist diese selbst auch in der Lage, Feinstaub durch Schleimbildung abzusondern, dabei ist sie jedoch nur dann erfolgreich, wenn das Atemorgan voll funktionsfähig ist. Dem ultrafeinen Staub ist es allerdings möglich, durch die Lunge in den Blutkreislauf zu gelangen. In Folge können sich auf diese Art und Weise auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen manifestieren. Vor allem vorbelastete Personen wie Asthmatiker können dann Schaden nehmen.

Im Kreis der Hauptverursacher dieses Feinstaubs sind etwa Massentierhaltungsbetriebe angesiedelt. Diese machen zwar nur fünf Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Europa aus. "Von ihnen stammen aber 80 Prozent der gesamten Ammonium-Emissionen", betont Yuri Kazepov. Große Anteile tragen daneben auch das Transportwesen sowie die Holz- und Kohleheizungen in privaten Haushalten.

Daraus wird ersichtlich, dass es nicht nur länderübergreifender Strategien bedarf, sondern auch jeder Einzelne etwas Gutes für die Luft tun kann. Der Soziologe rät daher dazu, ein bis zwei Mal in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Doch nicht allen Individuen sei der Effekt klar. So wurden etwa im Rahmen des Projekts 16.000 Menschen aus sieben EU Ländern - Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen und Schweden - gefragt, ob sie glauben, selbst durch ihr Handeln zum Umweltschutz beitragen zu können. Der Forscher fasst das Ergebnis sehr ernüchternd zusammen: "Die Menschen haben kein Ahnung."

Befragt wurden pro Land 2300 Personen, die mindestens vier Tage in der Woche mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs sind und Fleisch- oder Milchprodukte zu sich nehmen. Ein weiteres Ergebnis der Studie kommt zu dem Schluss, dass Menschen lieber Geld zahlen würden, als das eigene Verhalten zu ändern.

Das Bewusstsein schärfen
Den Hauptgrund für die Diskrepanz zwischen Fakten zur Luftverschmutzung und der Meinung vieler EU-Bürger dazu sieht Kazepov in der Komplexität des Problems. Die Menschen sehen die Abgase der Dieselmotoren, nicht aber das ausgeschiedene Methangas hunderttausender Tiere in Massenhaltung.

Der Soziologe fordert daher nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung zum Handeln auf. Einerseits bedürfe es der Einführung und Umsetzung schärferer Richtlinien. Wie das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg errechnet hat, wäre dies mit Kosten in Höhe von sechs Euro pro EU-Bürger jährlich verbunden. Genauso wichtig sei allerdings die Vermittlung des Problems an die Bevölkerung mit einhergehender Bewusstseinsschärfung, "dass das Handeln einzelner Individuen sehr wohl zur Reduktion der Feinstaubemission beitragen kann".




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Dokument erstellt am 2016-06-14 17:17:07



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