• vom 07.11.2016, 16:34 Uhr

Natur


Wetterextreme

Rekord wird Normalität




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  • Noch nie war die Durchschnittstemperatur so hoch. Laut Forschern könnten diese Extreme bleiben.

Waldbrände und Dürren: Die Staaten haben mit verschiedensten Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. - © Fotolia/VanderWolf/scharfsinn86

Waldbrände und Dürren: Die Staaten haben mit verschiedensten Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. © Fotolia/VanderWolf/scharfsinn86

New South Wales/Wien. (gral) Ein Land, das von den negativen Folgen der Erderwärmung besonders betroffen ist, nämlich Marokko, trägt seit Montag den Vorsitz der internationalen Klimaschutzverhandlungen. Zunehmende Trockenheit und Dürren sorgen nicht nur in Nordafrika für großen ökologischen und wirtschaftlichen Schaden. Die Folgen des Klimawandels sind auf allen Kontinenten spür- und sichtbar - sie reichen von Gletscherschmelzungen an den Polen bis hin zu wiederkehrenden Waldbränden etwa in den USA und Australien.

Unterdessen jagt ein Hitzerekord den nächsten. Noch nie war die Durchschnittstemperatur so hoch. 2015 war das bislang wärmste Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnungen 1880. Für das zu Ende gehende Jahr wird wohl ein neuer Rekord zu verzeichnen sein. Und die Prognosen lassen, wie eine aktuelle australische Studie zeigt, keine Veränderungen erkennen. Im Gegenteil: Diese rekordbrechenden Temperaturen werden, sofern die Kohlendioxidemissionen weiter ansteigen, in Zukunft keine Spitzen mehr darstellen, sondern Normalität sein, berichtet ein Forscherteam um Sophie Lewis von der Australien National University im Fachblatt "Bulletin of American Meteorological Society".


Drastische Reduktionen
Nur unmittelbare Maßnahmen könnten diese Entwicklung noch abwenden, so Lewis. Wird mit den gewohnten Aktivitäten fortgefahren, werde Australien der erste Kontinent sein, der, wie ein Kanarienvogel in der Kohlegrube, diese Veränderungen am Deutlichsten wahrnehmen wird.

"Wenn wir aber die Emissionen drastisch reduzieren, dann besteht noch die Chance, dass diese extremen Jahreszeiten im 21. Jahrhundert noch nicht das neue Normal werden", betont Lewis in der Publikation. Mit den Forschungen des Teams sei auch erstmals klar, was der Terminus "das neue Normal", wie er häufig in Verbindung mit der Klimaerwärmung genannt wird, tatsächlich bedeutet. "Basierend auf einem spezifischen Beginn tritt das neue Normal dann ein, wenn mindesten die Hälfte der auf ein Rekordjahr folgenden Jahre kühler und die Hälfte wärmer ist", betont die Wissenschafterin.

Das Forscherteam überprüfte auch die saisonalen Temperaturen von Dezember bis Februar über die Kontinente hinweg. Die Resultate zeigen, dass einerseits die globale durchschnittliche Temperatur zwangsläufig unter allen Emissionsszenarien ein neues Level erreichen wird, andererseits dies in einzelnen Jahreszeiten und Regionen nicht der Fall ist. "Das gibt die Hoffnung, dass bei schneller Reduktion der Treibhausgase saisonale Extreme doch nicht Normalität werden", so Lewis.

In Marrakesch beraten nun zwei Wochen lang Teilnehmer aus mehr als 190 Staaten sowie Wissenschafter, Unternehmen und Organisationen über die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Bei der Eröffnung wurde vor allem die Bedeutung der Klimakonferenz auf dem afrikanischen Kontinent betont. "Der Klimawandel ist in Afrika am grausamsten und ungerechtesten", erklärte Frankreichs Umweltministerin Segolene Royal zum Auftakt.

"Der afrikanische Kontinent leidet am meisten darunter, ohne dafür verantwortlich zu sein", erklärte sie mit Verweis auf Naturkatastrophen und Wüstenbildung. Von den 50 Ländern, die am meisten von der Klimaerwärmung betroffen sind, befinden sich 36 im subsaharischen Afrika. Hingegen würden sich die reichen Länder im Umgang mit natürlichen Ressourcen so verhalten, wie wenn es "drei Planeten gäbe".




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Dokument erstellt am 2016-11-07 16:38:11



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