• vom 14.12.2016, 17:02 Uhr

Natur

Update: 14.12.2016, 20:29 Uhr

Evolution

Die Sprachen der Tiere




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Von Eva Stanzl

  • Einige wenige Mutationen gaben den Menschen die Macht der Worte. Doch auch Tiere sind clevere Kommunikatoren.

Könnte er sprechen, würde die Sprechblase keppeln - hier aber kräht der dominante Hahn den unterlegenen an.

Könnte er sprechen, würde die Sprechblase keppeln - hier aber kräht der dominante Hahn den unterlegenen an.© fotolia/benophotography Könnte er sprechen, würde die Sprechblase keppeln - hier aber kräht der dominante Hahn den unterlegenen an.© fotolia/benophotography

Sie hält ihr Miauen für ein furchteinflößendes Brüllen und im Katzenklo übt sie neue Techniken zum Verscharren von Leichen. Legt sie ihrem Besitzer einen toten Vogel zu Füßen, dann ist das kein Geschenk, sondern eine Warnung. Und wenn sie sich schnurrend auf der Tastatur des Computers niederlässt, ist das schlicht Heuchelei. Denn damit will sie nicht sagen "beachte mich", sondern ihren Besitzer eiskalt von der Außenwelt abschneiden. Die gemeine Hauskatze strebt nämlich nur eines an - die Weltherrschaft. Um das zu erreichen, würde sie sogar morden, wie im brüllwitzigen Comic "Woran du erkennst, dass deine Katze deinen Tod plant" des US-Humoristen Matthew Inman zu erfahren ist. So mancher Katzenfan fühlt sich an Szenen mit seiner felligen Freundin erinnert.

In Wirklichkeit können Katzen allerdings keineswegs machiavellistisch den Tod ihrer Besitzer planen. Auch handfeste Mordgelüste können sie nicht hegen. Das liegt aber nicht daran, dass sie dafür viel zu nett wären, sondern daran, dass sie ihren Jagdtrieb gar nicht so differenziert benennen. Katzen wissen nicht, dass das Wort Mordlust im Sinne von Lust auf Mord für etwas zutiefst Verwerfliches steht, das im Bezug auf die Menschlichkeit abzulehnen ist.

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"Die Wort-Sprache des Menschen ist ein komplexes Gebilde aus Grammatik, kulturspezifischem und philosophischem Kontext, und dieses Umfeld kennen Tiere nicht - ich kann mit einer Katze oder mit meiner Hündin nicht philosophieren", sagt der renommierte Verhaltensforscher Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal. "Darin unterscheidet sich der Mensch auch im Wesentlichen von anderen Tieren: Er ist der Einzige, der seine Sprache mit einem reflektierenden Gehirn verbindet. Allerdings haben Tiere eine komplexe Symbolsprache."

Tiere zeigen, was sie wollen
Genau diese Symbolsprache lässt aber zumindest den Verdacht aufkommen, dass Hunde, Katzen, Raben oder Delfine wenigstens Vorläufer von Reflexionsfähigkeit besitzen. Untereinander kommunizieren sie nämlich auf eine Art und Weise, die weit über bloße Informationsweitergabe hinaus geht. Tiere können ganz genau zeigen, was sie wollen, eine Vielfalt von Emotionen ausdrücken und sogar Traumata erleiden. All dies könnte einem Reflexionsvermögen über das eigene Sein zumindest nahekommen.

In Fabeln und Märchen sprachen Tiere allerdings jahrhundertelang die Sprache der Menschen und verhielten sich wie sie. Oder die Menschen erlernten die Sprache der Tiere, wie etwa Doktor Dolittle, dem eine Papageiendame zu 498 Tiersprachen verhalf (an der 499., "Goldfisch", arbeitet er noch). Erst als der deutsche Zoologe Karl von Frisch die semantischen Besonderheiten der Tanzsprache von Honigbienen erkannte, entstand ein Verständnis für tierische Kommunikationssysteme. "Heute werden als Tiersprache die unterschiedlichsten komplexen Kommunikationsformen aller Tierarten bezeichnet. Sie können durch akustische, chemische, visuelle oder elektrische Signale, über Gebärden und ritualisierte Formen erfolgen", ist bei Wikipedia nachzulesen.

Bedeutet "Miau" nun aber "ich will hinaus", "ich habe Hunger" oder "mir ist fad"? Und stehen schnurren, murren und knurren für die drei Gemütszustände einer Katze? Wenn ja, wie ließe sich dann der Zwischen-Zustand des Maunzens erklären?

Obwohl Katzen keine Worte haben, ist ihre Sprache weitaus komplexer, als man annehmen könnte. Das Sprachrepertoire der Hauskatze umfasst neben dem bekannten Miau zehn unterschiedliche Lautarten, die aus insgesamt bis zu 100 Einzellauten bestehen. Hunde verfügen über nur zehn Einzellaute. Wilde Katzen kommunizieren meist über Körpersprache und Duftstoffe, domestizierte Tiere kommunizieren hingegen stärker mit Lauten. Außerdem schnurren sie nicht nur bei Zufriedenheit, sondern auch, um sich zu beruhigen, wenn sie sich unwohl fühlen.

Nicht nur Primaten, sondern auch Kolkraben sind stets bestens informiert. Sie gehen Partnerschaften fürs Leben ein, wissen über die Beziehungen der Mitglieder ihrer eigenen Gruppe und auch über jene in Nachbargruppen Bescheid, obwohl sie zu Letzteren lediglich Hör- und Sichtkontakt haben. Raben belauschen einander, streiten, empfinden Stress und haben eigene Töne, um ihre Jungen vor Feinden zu warnen. Delfine wiederum verständigen sich mit einer Klaviatur von Tönen innerhalb ihrer Gruppen. Da aber Klicklaute, Pfiffe und Schnattern zum Austausch von Zärtlichkeiten ungeeignet sind und bei der Jagd die Beute vertreiben, kommunizieren sie auch über Körperkontakt.

Manche Tiere weisen auch erstaunliche vorsprachliche Fähigkeiten auf. Die US-Forscherin Irene Pepperberg untersucht die Grundlagen von Sprache und Kommunikation und darin auch Unterschiede in der Gehirnfunktion zwischen Säugetieren und Vögeln. Ihre Studien mit dem Graupapagei Alex gelten als Meilenstein in der Sprachforschung. Nach 19 Jahren Training konnte Alex 200 Wörter aktiv äußern und etwa 500 weitere verstehen. Außerdem konnte er - begrenzt - zählen und Wünsche äußern. Alex’ Wortschatz und dessen gezielte Anwendung haben zu einer Neubewertung der kognitiven Fähigkeiten von Vögeln geführt. Seine Fähigkeiten betrachtet Pepperberg als vergleichbar mit jenen eines zweijährigen Kindes.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-14 17:05:06
Letzte ─nderung am 2016-12-14 20:29:04



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