• vom 26.01.2017, 16:00 Uhr

Natur


Universum

Weltall könnte schneller expandieren




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  • Neue Messungen deuten auf bisher unbekannte Art der dunklen Energie hin.

Lausanne. Ein internationales Forschungskonsortium hat die Hubble-Konstante - die Geschwindigkeit, mit der sich das Universum ausdehnt - mit einer neuen Methode gemessen. Die Daten stehen im Widerspruch zu früheren Messungen und deuten auf eine bisher unbekannte Art der dunklen Energie hin.

In den späten 1920er Jahren untersuchte der US-Astronom Edwin Hubble Galaxien, die sich von unserer Heimat-Galaxie, der Milchstraße, wegbewegen. Dabei fiel ihm auf, dass sich jene schneller entfernten, die am weitesten weg von der Erde lagen - weil sich das Universum ausdehnt. Mit seinen Berechnungen zur Ausdehnungsrate des Weltalls legte er die Grundlage für die Konstante, die später nach ihm benannt wurde.

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Das Forschungskonsortium "Holicow", an dem Wissenschafter der ETH Lausanne beteiligt sind, berichtet nun in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" von der Entwicklung einer neuen Methode, um die Hubble-Konstante präzise zu messen. Das Resultat ihrer Neumessung untermauert den Widerspruch zwischen den Ergebnissen zweier anderer Methoden. Möglicherweise sei dies ein Hinweis auf neue Physik, betonte die Hochschule.

Beobachtung von Quasaren
Die neue Messung bestätigt die Ergebnisse einer Methode, die auf der Vermessung von sehr hellen, pulsierenden Sternen (Cepheiden) und Sternenexplosionen beruht. Sie widerspricht aber dem Resultat von Messungen des Planck-Satelliten der europäischen Weltraumagentur ESA aus dem Jahr 2015, die auf dem kosmischen "Nachrauschen" des Urknalls beruhen.

Die neue Methode basiert auf der Beobachtung von Quasaren - supermassereichen schwarzen Löchern in der Mitte von Galaxien, deren abgestrahlte Energiemenge unregelmäßig flackert. Dabei nutzte das Konsortium den Gravitationslinseneffekt: Die enorme Masse von Galaxien krümmt das Licht dahinterliegender Objekte um sich herum wie eine Linse. Dadurch erscheint ein einzelner Quasar künstlich vervierfacht und bildet mit der Galaxie davor ein meist nicht ganz perfektes "Kreuz" aus fünf Punkten.

Das Licht des Quasars ist in vier veröffentlichten Bildern ein bisschen unterschiedlich lang zur Erde unterwegs. Diese Verzögerungen hängen wiederum mit der Hubble-Konstante zusammen. Indem die Forschenden die Zeitabstände maßen, mit denen das Flackern des Quasars in den verschiedenen "gelinsten" Bildern auftauchte, konnten sie die Hubble-Konstante errechnen.

Diese neue Messung untermauere die Spannung zwischen den widersprüchlichen Ergebnissen der beiden anderen Methoden, heißt es. Diese Spannung könne auf eine neue Physik jenseits des kosmologischen Standardmodells hinweisen, insbesondere auf neue Formen dunkler Energie.




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Dokument erstellt am 2017-01-26 16:32:05



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