• vom 14.02.2017, 21:33 Uhr

Natur


Paläontologie

Babybauch statt Nest




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  • Forscher fanden ersten Beleg für Lebendgeburten bei einem fossilen Meeresreptil.



Hefei/Wien. (gral) Säugetiere sind dafür bekannt, dass sie ihre Jungen lebend gebären. Manchmal kommt dies auch unter Echsen oder Schlangen vor - nämlich dann, wenn die Babys noch im Muttertier das Ei knacken und in Folge als fertiges Lebewesen in Erscheinung treten. Bei der dritten großen Gruppe landlebender Wirbeltiere, zu denen Vögel und Krokodile zählen, ist das nicht der Fall. Offenbar mit einer Ausnahme: Denn ein internationales Forscherteam hat ein etwa 245 Millionen Jahre altes Fossil eines schwangeren Meeresreptils vom Typ Archosauromorpha entdeckt. Somit dürften einige frühe Verwandte heutiger Vögel und Krokodile ihre Jungen lebend zur Welt gebracht haben.

Das Fossil hatten die Wissenschafter bereits im Jahr 2008 im Süden Chinas freigelegt. Bis heute war allerdings unklar, "ob es sich dabei um die letzte Mahlzeit der Mutter oder um ihr ungeborenes Baby handelte", betont Studienautor Jun Liu von der Hefei University of Technology im Fachblatt "Nature Communications". Erst im Zuge der weiteren Aufbereitung war dem Forscherteam bewusst, dass sie etwas äußerst Ungewöhnliches entdeckt hatten. "Wir waren so aufgeregt, als wir das embryonale Exemplar vor einigen Jahren erstmals sahen", betont der Wissenschafter.

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Bei dem Tier handelt es sich um einen weiblichen Dinocephalosaurus. Vertreter dieser Art schwammen im Mittleren Trias durch die Meere des südlichen China. Ihren außergewöhnlich langen Hals schwenkten sie wohl auf der Jagd nach Fischen von Seite zu Seite.

Blick nach vorne
Der entdeckte Embryo liegt innerhalb des Brustkorbs der Mutter mit dem Blick nach vorne gerichtet. Beute hingegen wird bei wasserlebenden Tieren für gewöhnlich mit dem Kopf voran verschlungen und auch so verdaut. Schließlich liege der Fötus auch in einer klassischen Embryonalhaltung im Körper der Mutter - mit dem Kopf in Richtung Brustkorb gebeugt, schildern die Forscher in ihre Publikation. Außerdem gehört das winzige Reptil derselben Spezies an.

Diese und weitere Analysen bestätigten damit den ersten Fall einer Lebendgeburt innerhalb der großen Gruppe, die Vögel, Krokodile, Dinosaurier und Flugsaurier umfasst. Die Reproduktionsbiologie muss damit wohl umgeschrieben werden.

Weitere Daten legen nahe, dass das Geschlecht der Nachkommen wohl genetisch festgelegt war - und nicht wie etwa bei heutigen Krokodilen durch die Umgebungstemperatur im Nest bestimmt wurde. "Wir fanden heraus, dass das Geschlecht des Dinocephalosaurus, obwohl er ein entfernter Verwandter der Krokodile ist, wie bei Säugetieren oder Vögeln bestimmt wird", betont Chris Organ von der Montana State University.

"Diese Kombination von Lebendgeburt und genetischer Geschlechtsbestimmung war anscheinend nötig für Tiere wie Dinocephalosaurus, um im Wasser leben zu können", erklärt Mitautor Michael Benton von der University of Bristol.

Evolution überrascht
An Land hätten die Tiere mit ihren paddelförmigen Gliedmaßen und dem extrem verlängerten Hals keine Nester bauen können - wie zum Beispiel heutige Meeresschildkröten. Im Wasser aber könnten Reptilieneier nicht ausgebrütet werden. Auch das dehnbare Becken des Muttertieres spreche für eine Lebendgeburt.

"Es ist großartig, im Verständnis über die Evolution dieser Tiergruppe einen so wichtigen Schritt vorwärts gekommen zu sein", so Benton. Die Studie ist Teil einer breiten Zusammenarbeit zwischen Paläontologen in China, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien.




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Dokument erstellt am 2017-02-14 16:33:09



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