• vom 14.03.2017, 22:58 Uhr

Natur


Evolution

Insekten als Blumenzüchter




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  • Fliegen und Hummeln beeinflussen Pflanzenevolution ähnlich schnell wie die Züchter.

Der Rübsen passt sich an seine Bestäuber an.

Der Rübsen passt sich an seine Bestäuber an.© wiki commons Der Rübsen passt sich an seine Bestäuber an.© wiki commons

Wien/Zürich. Im Laufe der Evolution haben Pflanzen zahlreiche Merkmale an ihre Bestäuber angepasst. Wie schnell das vor sich gehen kann, berichten Forschende um den aus Österreich stammenden Biologen Florian Schiestl von der Universität Zürich im Fachjournal "Nature Communications". Nach nur neun Generationen unterscheiden sich die Pflanzen, je nachdem, ob sie von Hummeln oder von Fliegen bestäubt wurden.

Florial Schiestl und sein Doktorand Daniel Gervasi vom Institut für Systematische und Evolutionäre Botanik der Uni Zürich verwendeten für ihre Versuche Rübsen (Brassica rapa) - ein Verwandter des Raps. Sie ließen eine Pflanzengruppe über mehrere Generationen nur von Hummeln bestäuben, eine zweite nur von Schwebfliegen. In einer Kontrollgruppe wurden die Pflanzen mit der Hand bestäubt. Bereits nach neun Generationen zeigten sich "erstaunlich deutliche Unterschiede", erklärt Schiestl in einer Aussendung. Die von Hummeln bestäubten Pflanzen waren größer, ihre Blüten dufteten stärker und hatten größere UV-Licht reflektierende Areale als jene der von Hand bestäubten Pflanzen. Dagegen waren die von Schwebfliegen bestäubten Rübsen kleiner. Ihre Blüten dufteten weniger und die Pflanzen bestäubten sich deutlich häufiger selbst. Die Bestäuber unterscheiden sich in ihren Präferenzen und treffen damit eine Auslese ähnlich wie Pflanzenzüchter, so Schiestl. Dass sich die Pflanzen aus der Schwebfliegen-Gruppe öfter selbst bestäuben, führen die Forscher auf die geringere Bestäubungseffizienz der Fliegen zurück. Die rasche Veränderung innerhalb nur weniger Generationen überraschte sie. "Traditionell geht man davon aus, dass die Evolution langsam verläuft", sagt Schiestl: "Eine veränderte Zusammensetzung von Bestäuberinsekten in natürlichen Lebensräumen kann einen rapiden evolutiven Wandel bei Pflanzen bewirken." Aufgrund des massiven Bienensterbens in den vergangenen Jahren könnten Pflanzen vermehrt auf Fliegen als Bestäuber angewiesen sein. Denkbar wäre, dass dies einen schwächeren Blütenduft und mehr Selbstbestäubung zur Folge hat. Längerfristig würde dadurch die genetische Variabilität einer Pflanzenpopulation geschmälert und die Pflanzen würden krankheitsanfälliger.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-14 16:33:10
Letzte nderung am 2017-03-14 17:23:53



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