• vom 30.05.2017, 20:31 Uhr

Natur


Kulturgeschichte

Katzenkammer




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  • Eine ungewöhnliche Katzenschau in Wien erzählt eine faszinierende Kulturgeschichte.

Skeptischer Blick auch als Skulptur: die Katze als ägyptische Scheinmumie.

Skeptischer Blick auch als Skulptur: die Katze als ägyptische Scheinmumie.© apa/Hochmuth Skeptischer Blick auch als Skulptur: die Katze als ägyptische Scheinmumie.© apa/Hochmuth

Wien. (est) Maunz. Mit diesem Laut weckt so manche Hauskatze ihre Besitzerin: Füttere mich. Felis silvestris catus hatte jedoch mehrere gute Gründe, mit dem Menschen sesshaft zu werden. Er bewundert ihre elegante Erscheinung, zugleich fürchtet er die Stärke und Jagdlust des Raubtiers, zeigt Respekt. Eine ungewöhnliche Katzenschau im Naturhistorische Museum Wien (NHM) thematisiert die vielfältige, oft zwiespältige Beziehung des Menschen zur Katze im Laufe der Kulturgeschichte.

"Katzenkorb und Löwengrube" heißt die bis 8. Oktober laufende Sonderausstellung. Auf der einen Seite wird das heimelige Haustier gezeigt, auf Porträts und in häuslichen Szenen im Körbchen als Insignium des Privaten. Auf der anderen Seite steht die gefährliche Raubkatze als Sinnbild für Gefahr und sicheren Untergang oder den unwahrscheinlichen Triumph darüber. Felidae lauern ihren Opfern auf, reißen sie - oder sie liegen den Helden zu Füßen, schmiegen sich an oder ziehen die Herrschaften - wie in Skulptur vor der Wiener Secession "Marc Anton auf dem Triumphwagen" - kettenzahm hinter sich her.


Katzen sind Zeugen, Objekt der Bewunderung, Täter und Kult. Die Geschichte der Malerei huldigte ihnen ebenso wie jene der Bildhauerei. In der Ausstellung sind berühmte Werke zusammen mit Katzen-Präparaten als "begehbarer Kunstkammerkasten" zu sehen, erklärte Gastkurator Bernd Ernsting vor Journalisten am Dienstag. Der Vorstand der Letter-Stiftung in Köln stellte zahlreiche Leihgaben zur Verfügung.

Zu den 250 Objekten zählen die altägyptische Scheinmumie einer Katze und eine klassische "Sitzende Katze"-Skulptur aus Wien um 1900. Ein ausgestopfter Tiger begegnet einer Tiger-Skulptur der Maya, eine Statuette der ägyptischen Katzengöttin Bastet dem steinzeitlichen schamanischen Löwenmenschen. Die Schau wirkt ein bisschen wie die Kunst- oder Wunderkammer eines verblichener Adeligen. Nur der Prunkfaktor will sich zwischen den unbehandelten Sperrholzkojen nicht einstellen. Umso mehr wird an Information geboten. Das ansprechende "Leseheft" zur Ausstellung erzählt eine faszinierende kleine Kulturgeschichte.




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Dokument erstellt am 2017-05-30 16:17:08



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