• vom 18.07.2017, 16:11 Uhr

Natur


Meeresbiologie

Walfisch-Variationen




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  • Warum sind die Vegetarier unter den Walen groß und behäbig und die Räuber klein und wendig? Eine Aminosäure macht den Unterschied.

Variantenreiche Meeressäuger -

Variantenreiche Meeressäuger - Variantenreiche Meeressäuger -

Wien. (est) Wale sind recht variantenreich. 90 Arten diese Säugetiere leben in den Meeren. Der Blauwal ist mit bis zu 33 Metern Körperlänge und 200 Tonnen Gewicht das größte Tier, der Pottwal der größte Räuber der Erde. Die kleinsten Artenvertreter, wie der La-Plata-Delfin oder der Kalifornische Schweinswal, werden dagegen nur 1,50 Meter lang.

Außerdem gibt es zwei Unterordnungen: die vegetarischen Bartenwale, die sich als Filtrierer von Plankton ernähren und zu den größten Tieren der Erdgeschichte zählen, und die räuberisch lebenden Zahnwale, zu denen auch die Familie der Delfine gehört. US-Forscher wollten nun herausfinden, warum sich manche Wale zu kleinen, muskulösen, wendigen Fleischfressern und andere sich zu behäbigen Riesen entwickelt haben, die Unmengen von Plankton filtern. Der Schlüssel ist eine einzige Aminosäure, berichten die Forschenden im Fachblatt "Scientific Reports".


Roger Cane, der die Entstehung von Fettleibigkeit beim Menschen an der Universität Michigan erforscht, ist Experte für das Melanocortin-System. Dieser Regelkreis im Gehirn kontrolliert den Fettstoffwechsel unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Das Gehirn entscheidet also mit, ob jemand schlank bleibt oder zunimmt, indem es signalisiert, wie viel Zucker und Energie in Fett umgewandelt, in Fettzellen gespeichert oder im Muskel verbrannt wird.

Anwendung in Fischwirtschaft
Mutationen des Melanocortin-Systems zählen zu den häufigsten genetischen Gründen für frühe Fettleibigkeit beim Menschen. Die Forscher wollten wissen, ob Variationen in diesem System auch eine wichtige Rolle in der Evolution des Ernährungsverhaltens und der Körpergröße spielen. Studienautorin Liyuan Zhao untersuchte in diesem Zusammenhang der beiden Unterordnungen von Walen. Die Meeresbiologin sequenzierte aus DNA-Proben von 20 Walfisch-Arten den Melanocortin-Rezeptor MCR4. Sie entdeckte einen entscheidenden Unterschied zwischen Vegetariern und Raubfischen: Wale mit Fangzähnen haben die Aminosäure Arginin in Position 156 des genetischen Codes, bei den Pflanzenfressern steht hingegen Glutamin an dieser Stelle.

"Unsere Daten zeigen, dass das Melanocortin-System der Räuber stärker reguliert ist, während Plankton-Filtrierer weniger Sättigungssignale vom Gehirn erhalten. Dieser Unterschied könnte in der Entwicklung eine Rolle gespielt haben und sowohl die Ernährungsweisen, als auch die spektakulären Größenunterschiede, die bei Säugetieren einzigartig sind, erklären", fasst Cone zusammen.

Auch in der Fischwirtschaft könnten die Erkenntnisse Anwendung finden - etwa bei der Fütterung von Speisefischen. Jedenfalls stellt das US-Landwirtschaftministerium den Forschern Mittel für dahingehende Arbeiten bereit.




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Dokument erstellt am 2017-07-18 16:15:11



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