• vom 28.07.2017, 15:41 Uhr

Natur

Update: 28.07.2017, 16:00 Uhr

Insektensterben

Die Schattenseiten des Lichts




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Von Kerstin Viering

  • Experten warnen vor Insektensterben. Doch nicht nur Pestizide, sondern auch Straßenlaternen stellen die Tiere vor große Probleme.

Die Lichtverschmutzung in Städten wie Wien bringt den Flugplan von Nachtfaltern gehörig durcheinander.

Die Lichtverschmutzung in Städten wie Wien bringt den Flugplan von Nachtfaltern gehörig durcheinander.© apa/Günther Wuchterl Die Lichtverschmutzung in Städten wie Wien bringt den Flugplan von Nachtfaltern gehörig durcheinander.© apa/Günther Wuchterl

Berlin. Es sind nicht nur die sprichwörtlichen Motten, die in warmen Sommernächten um die Laternen schwirren. Auch zahllose andere Insekten scheinen von Licht geradezu magisch angezogen. Und da es immer mehr künstliche Beleuchtung gibt, sind sie dieser Versuchung immer häufiger ausgesetzt. Welche Folgen hat das für die Tiere?

"Insekten sind in fast allen Lebensräumen zu finden und erfüllen dort wichtige Funktionen", sagt Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. "Wir müssen uns dringend mit dieser Frage beschäftigen." Erste spannende Antworten haben Wissenschafter wie er bereits gefunden. Klar ist, dass Lampen für etliche Sechsbeiner zur Todesfalle werden. "Viele flattern so lange um das Licht herum, bis sie vor Erschöpfung sterben", erklärt Hölker. Andere landen in feindlichen Mägen. Die bekommen nämlich schnell heraus, wo sich mit wenig Aufwand Beute findet. "Für etliche Spinnen- und Fledermaus-Arten sind Laternen wie reich gedeckte Buffets", sagt der Forscher.


Die nächtlichen Jäger profitieren davon, dass Lampen wie Staubsauger Beutetiere aus der Umgebung anziehen. Auch die Abwehrstrategien der potenziellen Opfer scheinen im Kunstlicht nicht so gut zu funktionieren wie normalerweise. Das zeigt ein Versuch britischer Forscher um Andrew Wakefield von der Universität Bristol, die Nachtfaltern die Peil-Laute von jagenden Fledermäusen vorgespielt haben. In einer LED-beleuchteten Umgebung vollführten die Insekten daraufhin viel weniger Sturzflüge als im Dunkeln. Dabei haben sie diese Manöver über Jahrmillionen entwickelt, um den nächtlichen Jägern auszuweichen. Offenbar bringt das Kunstlicht sie dazu, die bewährte Strategie aufzugeben - mit fatalen Folgen.

Das deutsche Umweltministerium warnt vor einem Aussterben von Insektenarten. Teilweise habe sich der Bestand seit 1982 um 80 Prozent verringert. Doch nicht nur der Einsatz von landwirtschaftlichen Pestiziden, sondern auch hell erleuchtete Städte tragen dazu bei. 40 bis 100 Mal so viele Sechsbeiner sterben in Städten als auf dem dunkleren Land.

Probleme bei der Partnersuche
Doch selbst für die überlebenden Tiere wird die nächtliche Beleuchtungsoffensive oft zum Problem. Die Forscher um Hölker haben untersucht, ob Straßenlaternen den Flugplan von Nachtfaltern durcheinanderbringen. Im Naturpark Westhavelland nordwestlich von Berlin, der als eine der dunkelsten Regionen in Deutschland gilt, haben sie Straßenlaternen aufgestellt und an jeder eine Insektenfalle angebracht. Es zeigte sich, dass jede brennende Laterne aus einem Umkreis von rund 23 Metern Nachtfalter anlockt. Da die Lampen an europäischen Straßen zwischen 25 und 45 Metern auseinanderstehen, überlappen sich diese Radien. Motten haben es also schwer, eine beleuchtete Straße zu passieren - die Lichtschneisen können selbst gute Falter-Lebensräume zerschneiden. Und das macht für die Tiere nicht nur jede Wanderung mühsam, sondern auch die Partnersuche.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-28 15:48:06
Letzte nderung am 2017-07-28 16:00:01



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