• vom 08.09.2017, 15:56 Uhr

Natur

Update: 13.09.2017, 10:36 Uhr

Naturschutz

Schnüffler im Naturschutz




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Roland Knauer

  • Ein Suchhund entdeckt für Forscher die Hinterlassenschaften seltener Arten.

Labrador-Hündin Maple erschnüffelt Luchse, Wildkatzen und Wölfe.

Labrador-Hündin Maple erschnüffelt Luchse, Wildkatzen und Wölfe.© Senckenberg-Institut/Lisa Hanke Labrador-Hündin Maple erschnüffelt Luchse, Wildkatzen und Wölfe.© Senckenberg-Institut/Lisa Hanke

Berlin. Mit ihrer rabenschwarzen Schnauze hilft Maple dem Artenschutz auf die Sprünge: Gibt es in den Wäldern, auf den Feldern und in den Gewässern doch einige streng geschützte Arten wie Luchse, Wildkatzen und Wölfe, oder auch Fischotter und Feldhamster, von denen Behörden und Verbände nur zu gern die Einwohnerzahl auf vier Pfoten wüssten? Allerdings leben diese Tiere so klammheimlich, dass kaum jemand von ihrer Existenz erfährt. Selbst Forscher können ihre Anzahl nur mit aufwendigen Methoden schätzen, die oft genug auch noch recht ungenaue Ergebnisse liefern.

Jede Hilfe ist in solchen Situationen willkommen. Vor allem, wenn sie auf vier Pfoten kommt. Schließlich hat eine Labrador-Hündin wie Maple eine viel feinere Nase als ihre Herrin Laura Hollerbach vom Fachgebiet Naturschutzgenetik des Senckenberg-Instituts bei Frankfurt. Damit wiederum erschnuppert der Vierbeiner die Hinterlassenschaften eines Luchses oder anderer seltener Arten besser, als ein Mensch sie mit den ausgetüftelten Methoden der modernen Naturwissenschaften entdecken kann.


Ausbildung ein Leben lang
Anschließend muss Hollerbach die Losung oder die Haare der großen Katze nur noch einsammeln und für eine Erbgut-Analyse ins Institut bringen. Je mehr solcher Proben die Forscher in die Finger bekommen, umso mehr erfahren sie meist über diese Art. Nur ist Deutschland mit Blick auf solche Suchhunde noch Entwicklungsland. Die feine Nase von Labrador-Hündin Maple markiert daher einen Quantensprung nicht nur für die Senckenberg-Forscher, sondern auch für Behörden, die regelmäßig melden müssen, wie viele Luchse, Wildkatzen, Wölfe, Fischotter und Feldhamster in ihrem Zuständigkeitsbereich leben.

Allerdings braucht die Ausbildung eines Profis wie Maple zum ersten deutschen Vollzeit-Artenschützer auf vier Beinen und in freier Wildbahn schon seine Zeit. "Und sie dauert ein ganzes Hundeleben lang", erklärt Hollerbach. Angefangen hat das Lernen bereits mit der Geburt als Nesthäkchen mit neun Geschwistern. Nur wer seine Interessen durchsetzen kann, kommt bei so viel Konkurrenz als Jüngste gut über die Runden - und packt vermutlich auch im späteren Leben seinen Job mit viel Elan an.

Solche Überlegungen spielten eine Rolle, als die Forscherin das acht Wochen alte Nesthäkchen als vierbeinigen Partner für Beruf und Privatleben auswählte. Kaum haben sich Zwei- und Vierbeiner aneinander gewöhnt, beginnt auch schon die Ausbildung für Maple. Allerdings recht spielerisch und erst einmal eher einen Kindergarten als eine Schule als Vorbild nehmend. Irgendwo in einem Raum legt Hollerbach die Losung eines Luchses aus. Über kurz oder lang entdeckt Maple den Kot und schnuppert neugierig daran. In diesem Moment hört der Hund ein Klicken, das er nur zu gut kennt: Sobald seine Chefin dieses Geräusch mit einer kleinen Metall-Apparatur erzeugt, gibt es einen Leckerbissen für das Tier. Und tatsächlich zaubert die Forscherin kurz danach ein Leckerli aus der Tasche.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-08 16:00:05
Letzte nderung am 2017-09-13 10:36:09



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. LED-Licht zu hell für die Welt
  2. Viele Therapien, wenige Ärzte
  3. Klimawandel bedroht unser Kulturerbe
  4. Erde sagt "Stopp" zu superschnellen Teilchen im All
  5. Höchste Preise der Akademie
Meistkommentiert
  1. Alles Bio
  2. Wiener Forscher stellen Immunserum gegen HIV her
  3. Die Wissenschaft soll die Stimme erheben
  4. Auskunftshotline Zelle
  5. Der berühmteste aller Tiroler

Werbung





Werbung


Werbung