• vom 21.09.2017, 16:53 Uhr

Natur

Update: 22.09.2017, 13:39 Uhr

Nisterfolg

Aufwärtstrend für Meeresschildkröten




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Von Roland Knauer

  • Dauerhafter Schutz kann stark bedrohte Arten vor dem Aussterben retten.

Ob die Schwarze Suppenschildkröte wie diese vor den Galapagos-Inseln eine eigene Art bildet, wird unter Zoologen diskutiert. Sicher sind sie sich jedenfalls, dass diese Gruppe vom Aussterben bedroht ist.

Ob die Schwarze Suppenschildkröte wie diese vor den Galapagos-Inseln eine eigene Art bildet, wird unter Zoologen diskutiert. Sicher sind sie sich jedenfalls, dass diese Gruppe vom Aussterben bedroht ist.© Knauer Ob die Schwarze Suppenschildkröte wie diese vor den Galapagos-Inseln eine eigene Art bildet, wird unter Zoologen diskutiert. Sicher sind sie sich jedenfalls, dass diese Gruppe vom Aussterben bedroht ist.© Knauer

Das massige Schildkröten-Weibchen schleppt seine vielleicht 100 Kilogramm mitten in der Nacht den Strand hinauf. Mehr als eine Stunde braucht das Tier für ein paar Meter, weil die Unechte Karettschildkröte im Laufe ihrer Entwicklung zu einem Meeresbewohner ihre Beine zu Flossen umgewandelt hat. Damit schwimmen die von Zoologen "Caretta caretta" genannten Reptilien zwar elegant, bewegen sich an Land aber sehr unbeholfen. Trotzdem aber nehmen die Weibchen alle zwei oder drei Jahre die Tortur auf sich und kriechen den Strand hinauf, auf dem sie selbst vor einigen Jahrzehnten aus dem Ei geschlüpft sind. In sicherer Entfernung vom Wasser buddeln die Schildkröten ein mindestens 40 Zentimeter tiefes Loch in den Sand. Bis zu 120 weiche Eier, die Pingpongbällen ähneln, lassen sie in diese Bruthöhle fallen, bevor sie wieder Sand darüber scharren. Dann kriecht das Weibchen den gleichen mühevollen Weg wieder zurück ins Meer und überlässt den Rest des Brutgeschäfts der Sonne.

Schildkrötenbestand legte zu
Die Methode scheint erfolgversprechend. Schließlich hat die Unechte Karettschildkröte mit ihr bereits seit einigen Jahrmillionen überlebt, und auch heute macht sich die Weltnaturschutzunion IUCN zumindest im Mittelmeerraum keine großen Sorgen um das Überleben dieser Art. Ähnlich sieht der Trend auch in anderen Regionen aus, stellen Graeme Hays von der Deakin Universität in Geelong in Australien und seine Kollegen von der Aristoteles Universität im griechischen Thessaloniki in der Zeitschrift "Science Advances" fest. Auch bei den Beständen der anderen sechs Meeresschildkröten-Arten registrieren die Forscher mehr Zunahmen als Verluste.

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Das war allerdings nicht immer so. Zwar haben die erwachsenen Tiere aufgrund ihrer Größe und ihres schützenden Panzers nur wenige ernsthafte Feinde. Umso gefährdeter ist jedoch der Nachwuchs, der bei der Unechten Karettschildkröte je nach Wetterlage und Sonnenschein nach sieben bis elf Wochen aus den im Sand einer Mittelmeerküste vergrabenen Eiern schlüpft. Befreien sich die Winzlinge noch recht erfolgreich aus dem Untergrund, beginnt an der Oberfläche ein lebensgefährlicher Spießrutenlauf: Zunächst warten in der Luft bereits etliche Vögel auf eine Schildkröten-Mahlzeit. Die wenigen Kleinen, die es bis zum Wasser schaffen, sind allerdings noch lange nicht in Sicherheit, weil viele von ihnen im Maul hungriger Fische landen. Bestenfalls eine von tausend geschlüpften Schildkröten wird auch erwachsen, schätzen Zoologen. Daher legen die Weibchen der Unechten Karettschildkröte ab ihrem 30. Geburtstag jedes zweite oder dritte Jahr bis zu tausend ihrer Eier in die Sandstrände warmer Meeresregionen. Im Laufe eines 100-jährigen Lebens kommen da eine ganze Reihe Nachkommen zusammen. Einige wenige von ihnen überleben und sichern den Fortbestand der Art.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-21 16:57:08
Letzte nderung am 2017-09-22 13:39:08



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