• vom 20.06.2011, 14:59 Uhr

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Update: 20.06.2011, 15:16 Uhr
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Innovative Methode an der Meduni Wien macht 16-Jährigen wieder mobil

Amputation vermieden, Knochen verlängert


Von Heiner Boberski

  • Effektive Therapie: Kallusdistraktion rettet Oberschenkel.
  • In acht Monaten 26 Zentimeter Verlängerung.

Wien.

Patrick und der Chirurg Gerald Wozasek. Foto:MedUni Wien

Patrick und der Chirurg Gerald Wozasek. Foto:MedUni Wien Patrick und der Chirurg Gerald Wozasek. Foto:MedUni Wien

Die Unfallchirurgie kann nicht nur Knochen verlängern, sondern auch die dafür nötige Zeit immer mehr verkürzen. Dank der innovativen NAL-Methode (Nailing after Lengthening), bei der Wien weltweit zu den Vorreitern zählt, gelang nun an einem jugendlichen Unfallopfer innerhalb von nur acht Monaten eine Kallusdistraktion (Knochenverlängerung) um 26 Zentimeter. Das ist eine Zeitersparnis von etwa zwei Dritteln gegenüber der konventionellen Kallusdistraktion, bei der ein Zentimeter Verlängerung pro Monat das durchschnittliche Maß der Dinge war.

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Bei der Kallusdistraktion, einer sehr effektiven Therapie, wird der zu verlängernde Knochen chirurgisch durchtrennt. Die beiden Hälften werden unter Zuhilfenahme eines speziellen "Fixateur externe" über Wochen langsam und kontinuierlich entlang ihrer Längsachse auseinanderbewegt. Zwischen den Hälften bildet sich dabei neue Knochensubstanz. Ein Bahnbrecher auf diesem Gebiet war der russische Orthopäde Gavril Ilizarov, nach dem der Ringfixateur benannt ist, der bei diesem Verfahren angewendet wird.

Der linke Oberschenkel des damals 15-jährigen Patrick wurde im Juli 2010 in einem Ausmaß verletzt, wie es Gerald E. Wozasek, Professor an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie der MedUni Wien, in seiner jahrzehntelangen Praxis "noch nie gesehen" hatte: "Die Wunde sah aus, als ob der Knochen herausgerissen wurde." Auf 26 Zentimetern Länge war der Oberschenkelknochen über dem Knie abgetrennt, das Bein hing nur noch an einigen Muskeln, Nerven und einer Arterie. Das Kniegelenk war völlig zerstört. Außerdem war die Kniekehlenvene durchtrennt und das Gewebe stark verschmutzt.

Nach ersten Stabilisierungsmaßnahmen besprach Wozasek mit Patrick und dessen Eltern die Frage einer Amputation: "Da das Knie zerstört war, musste Patrick klar sein, dass sein Bein steif bleibt. Nach einer Amputation hätte er innerhalb von drei Wochen nach Hause können."

Doch Patrick drang, obwohl ihm klar war, dass dies einen jahrelangen schwierigen Prozess bedeuten würde, von Anfang an auf die von Wozasek angebotene Alternative einer Kallusdistraktion. Anfang September 2010 startete am AKH die Rekonstruktion. Zu diesem Zweck zersägte Wozasek den Knochen an zwei Stellen und setzte einen äußeren Rahmen. Damit begann die Verlängerung von Patricks Ober- und Unterschenkelknochen.

80 Zentimeter Nagel
Im Mai 2011 war Patricks Knochen um 26 Zentimeter länger geworden. Zum Aushärten hätte er noch knapp zwei Jahre den Rahmen tragen müssen. Das konnte Wozasek dem inzwischen 16-Jährigen durch die NAL-Methode ersparen. Vor wenigen Tagen entfernte er in einer vierstündigen Operation den externen Rahmen. Die große Herausforderung war das Setzen eines 80 Zentimeter langen Marknagels, der nun Unter- und Oberschenkel verbindet und das Bein stützt. Wozasek kurz nach der Operation: "Schon bald wird Patrick wieder voll mobil sein. Noch im Aufwachraum bedankte er sich für die Operation. Das war für mich der schönste Augenblick."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-06-20 15:05:53
Letzte Änderung am 2011-06-20 15:16:27


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