• vom 08.05.2012, 17:29 Uhr

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Ungarische Physiker bereiten Experimente im Genfer LHC-Teilchenbeschleuniger auf

Daten rasant wie noch nie


Von WZ-Korrespondentin Karin Rogalska

  • Die neue Verbindung vom Cern nach Ungarn hat Kapazität von 400 Gigabyte.

Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer bei einem Vortrag an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer bei einem Vortrag an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.© EPA Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer bei einem Vortrag an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.© EPA

Budapest. Unser Wissen über die Ursprünge der Welt wird ab 1. Jänner 2013 maßgeblich in der ungarischen Hauptstadt geprägt. Dann wird im Wigner-Forschungszentrum für Physik an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest (Wigner-Zentrum) das "Cern@Wigner" eröffnet. Seine Mitarbeiter werden die Daten aus dem Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) am Europäischen Zentrum für Kernforschung (Cern) in Meyrin bei Genf auswerten. Das geschieht über eine Netzwerkverbindung, die eine Kapazität von 400 Gigabyte aufweist. Damit können Daten in bisher ungekannter Schnelligkeit transportiert werden.

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Das Wigner-Zentrum hatte sich mit Unterstützung des ungarischen Ministeriums für nationale Ressourcen um den Zuschlag für das "Cern@Wigner" beworben. Die Investitionskosten betragen nach offiziellen Angaben umgerechnet rund 140 Millionen Euro, der Vertrag wurde am 4. Mai in Budapest unterzeichnet. "Demnächst könnten rund vier Millionen Bücher, also der Bestand aller ungarischen Bibliotheken, in weniger als 25 Minuten übertragen werden", veranschaulichte Jozef Palinkas, Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, bei dieser Gelegenheit die Leistungsfähigkeit der kommenden Datenübermittlungsstrecke zwischen Meyrin und Budapest.

Aus Sicht von Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer ist es nur konsequent, die neue Datenverarbeitungszentrale in Budapest anzusiedeln. "Ungarn ist vor 20 Jahren dem Cern beigetreten. Seither haben Experten aus Budapest und Debrecen maßgeblich zur Entschlüsselung von Daten beigetragen", erläutert der Physiker. Besonders hervorgetan haben sich die Ungarn bei vier Projekten, mit denen das Cern-Team die Ursprünge des Universums zu enträtseln hofft.

Dazu zählt vor allem der Große Hadronen-Speicherring LHC, der bislang größte gebaute Teilchenbeschleuniger auf der Welt. Mit seiner Hilfe soll am Cern das seit Jahrzehnten erfolglos gesuchte Higgs-Boson gefunden werden, bei dem es sich um das einzige noch nicht experimentell nachgewiesene Teilchen im Standardmodell der Teilchenphysik handelt. Außerdem wollen die Forscher klären, warum das sichtbare Universum ausschließlich aus Materie und nicht aus Antimaterie aufgebaut ist. Denn nach gängigen Theorien müssen beim Urknall Materie und Antimaterie in gleichen Mengen entstanden sein.

Chance für arg gebeutelten Wirtschaftsstandort
Im CMS (Compact Muon Solenoid)-Experiment werden Kollisionen von Protonen untersucht. Dabei kommen ein Wärmemesser aus Bleiwolframat-Kristallen für hochenergetische Protonen, Spur-Detektoren für Halbleiter und ein Nachweissystem für die den Elektronen verwandten Myonen zum Einsatz.

Beim Alice (A Large Ion Collider Experiment)-Experiment geht es um einen Vielzweckdetektor, der für Kollisionen von Schwerionen wie Blei optimiert wurde, bei denen extreme Energiedichten eintreten. Das Totem (Total Elastic and diffractive cross section Measurement)-Experiment dient der Bestimmung der Größe des Protons mit bisher unerreichter Genauigkeit.

"Bei all dem fallen über Jahre hinweg unendlich viele Daten an, die aufbereitet werden müssen, und damit haben die ungarischen Kollegen sehr früh begonnen", betont Heuer. Deshalb sei Cern schon lange mit dem Wigner-Zentrum vernetzt. "Jetzt geht es um den deutlichen Ausbau unserer Beziehungen", unterstreicht der Wissenschafter.

Heuer geht davon aus, dass seine Kollegen in Budapest auch bahnbrechende Erkenntnisse für den Einsatz von Computern in Europas Forschungseinrichtungen gewinnen. Die ungarische Seite hofft darüber hinaus auf "einmalige Vorteile für die Informationstechnologie in unserem Land".

Die möglichen positiven Folgen für den zurzeit arg gebeutelten Wirtschaftsstandort Ungarn sind nicht zu unterschätzen. Hochmoderne Informationstechnologien sind für die Regierung in Budapest einer der Schlüssel, um Ungarn wieder deutlich wettbewerbsfähiger zu machen. Ungarn konkurriert dabei mit den anderen Transformationsstaaten in Mitteleuropa, insbesondere mit der Slowakei. Dort bauen sich beispielsweise Internetseiten inzwischen so schnell auf wie nirgendwo sonst auf der Welt.




Schlagwörter

CERN, Ungarn, Datenübermittlung

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Dokument erstellt am 2012-05-08 17:35:07


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