• vom 10.05.2012, 16:02 Uhr

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Geschädigter Landwirt wirft Gentechnikkonzern Betrug vor

Genmais am Pranger


Von Heiner Boberski

  • Hersteller soll Versuche, die große Gefahren aufzeigten, verheimlicht haben.

Kühe auf der Weide leben gesund - wenn sie nicht mit Toxinen in Berührung kommen. - © APA/BARBARA GINDL

Kühe auf der Weide leben gesund - wenn sie nicht mit Toxinen in Berührung kommen. © APA/BARBARA GINDL

Wien. Der deutsche Bauer Gottfried Glöckner hat gegen den Gentechnikkonzern Syngenta Strafanzeige erstattet. Die Vorwürfe lauten Sachbeschädigung, Prozessbetrug und Verstoß gegen das Gentechnikgesetz. Der Kläger beschuldigt den Konzern, ihn schwer geschädigt und über Risiken nicht informiert zu haben, obwohl Syngenta die Gefahren bewusst waren. Das Verfahren heizt naturgemäß den ständigen Konflikt um die Gentechnik an.

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Der Landwirt aus Wölfersheim in Hessen ist vom Missionar zum Kritiker der Gentechnik geworden. Glöckner stellte in den 1990er Jahren als einer der Ersten in Deutschland Anträge auf die Aussaat gentechnisch veränderter Sorten. Den Genmais Bt 176 verkauften die Hersteller damals als ausreichend erprobt, völlig unbedenklich und konventionellen Sorten "substanziell äquivalent" - also inhaltlich gleichwertig. Anfangs war der hessische Bauer mit seinen Ernteerträgen hoch zufrieden, auch den Kühen, an die der Genmais verfüttert wurde, schien es gut zu gehen.

Das änderte sich aber nach zweieinhalb Jahren, im Jänner 2001, schlagartig. Die Tiere zeigten unterschiedliche Symptome, die Milchleistung sank, Kälber kamen mit Missbildungen zur Welt. Immer wieder fand sich Blut in der Milch, deren Eiweißgehalt plötzlich höher als der Fettgehalt war. Im Sommer 2001 starben die ersten fünf Kühe, im Dezember 2004 war Glöckners Stall, der ursprünglich 70 Tiere beherbergt hatte, leer. Die Tiere waren tot oder so krank, dass sie keine Milch mehr gaben, der Betrieb war kontaminiert. Der Publizist Klaus Faißner schrieb darüber in der Zeitschrift "Zeit-Fragen" einen ausführlichen Beitrag.

Unfreiwilliger Langzeitversuch
Den ersten Schadenersatzprozess gegen Syngenta hat Glöckner verloren, doch nun kann er mit neuem Material aufwarten. 2009 wurde ihm und einem renommierten französischen Molekularbiologen eine Studie zugespielt, wonach 1996 bei Fütterungsversuchen mit Bt 176, die der Hersteller selbst in Auftrag gegeben hatte, 25 Prozent der Kühe gestorben waren. Syngenta hatte stets behauptet, es seien keine Risiken durch Bt 176 bekannt gewesen.

Die deutsche Lizenz von Bt 176 beruhte auf einem 60-Tage-Fütterungsversuch des Robert-Koch-Instituts. Aus Glöckners Sicht hat er unfreiwillig und zu seinem Schaden einen echten Langzeitversuch über zweieinhalb Jahre geliefert, der bereits vorher seriös durchgeführt gehört hätte.




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Dokument erstellt am 2012-05-10 16:08:07


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