• vom 28.08.2012, 10:44 Uhr

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Update: 28.08.2012, 10:48 Uhr
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Streichinstrumente aus Carbon vorgestellt

Die wasserfeste Geige kommt



  • Eine Firma in Westfalen entlockt dem Material, aus dem Rennwagen, Luxus-Jachten und Flugzeuge gebaut werden, seidenweiche Klänge.

In der Werkstatt legt Jonathan Robbins letzte Hand an ein Cello an. Vor allem Steg und Stimmstock müssten gut aufeinander abgestimmt sein. - APAweb/Mareike Patock dpa/lnw

In der Werkstatt legt Jonathan Robbins letzte Hand an ein Cello an. Vor allem Steg und Stimmstock müssten gut aufeinander abgestimmt sein. APAweb/Mareike Patock dpa/lnw

Berlin. Schwungvoll zieht Jörg Kleinalstede eine Rolle schwarzen Stoffs aus dem Regal. Das Material sieht aus wie grobes Tuch. "Aber das sind Kohlefasern." Daraus wird ein Streichinstrument entstehen: eine Geige aus Carbon. In seiner Firma "mezzo-forte" in Werther bei Bielefeld baut Kleinalstede auch Bratschen und Celli aus der Faser.

  

"Das ist eine Marktlücke", meint er, er kenne nur noch in den USA eine andere Firma, die Streichinstrumente aus Carbon fertige. Dabei eigne sich das Material besonders gut dafür. Es sei leicht und extrem robust. Der 46-Jährige schnappt sich eine Geige und schlägt kräftig dagegen. "Wenn ich das bei einem Holzinstrument mache, ist es kaputt."

  
"Auf Dauer wurde mir das aber etwas langweilig"
Zunächst verkaufte der leidenschaftliche Geiger nur Instrumente aus Holz. "Auf Dauer wurde mir das aber etwas langweilig." Denn in der Branche gebe es kaum Neuerungen. Er wollte das ändern und liebäugelte mit Carbon. Mit seinem Team experimentierte er drei Jahre lang, bis die erste markttaugliche Geige entworfen war. Die kommt optisch ganz anders daher als ihr Pendant aus Holz. Ihr Korpus ist pechschwarz und glänzt. "Das gefällt nicht jedem", räumt der Hersteller ein. Viele junge Leute allerdings begeisterten sich dafür.

   Drei Monate nach Verkaufsstart hat Kleinalstede international Kunden: in den USA, Südamerika oder Japan. Der Vertrieb laufe über das Internet. "Aber auch über Händler in den entsprechenden Ländern." Sein Ziel sei es, künftig 500 bis 800 Carbon-Instrumente jährlich zu verkaufen. Eine Geige aus dem Material sei für 1.900 Euro zu haben, eine Bratsche für etwa 2.000 Euro, ein Cello für 4.000 Euro. Für Carbon seien diese Preise ungewöhnlich niedrig, sagt Kleinalstede. Aber er wolle den Markt einem großen Publikum öffnen.


35 Stunden bis zur fertigen Geige

   Jedes Stück wird in Handarbeit gefertigt. "Bis eine Carbon-Geige fertig ist, dauert es etwa 35 Stunden." In der Werkstatt legt Jonathan Robbins letzte Hand an ein Cello an. Vor allem Steg und Stimmstock müssten gut aufeinander abgestimmt sein. "Das sind die Klang-Überträger", sagt Robbins. Aufwendig sei auch die Fertigung des Korpus. Eine Form des Instruments wird mit den Kohlefaser-Matten ausgelegt. Das Material wird mit Harz getränkt und 18 bis 24 Stunden getrocknet. "Dann ist das knochenhart", sagt Kleinalstede.

   Berufsmusiker Sigurd Müller spielt seit 38 Jahren Cello. Einen Konzertabend lang hat er sein 200 Jahre altes Instrument gegen eines aus Carbon eingetauscht. Werke von Beethoven und Schostakowitsch hat er gespielt - und das Cello klanglich auf Herz und Nieren geprüft. "Ich habe dem Instrument nichts geschenkt", sagt der 45-Jährige.

   Das Carbon-Cello habe einen "vollen und schönen runden Ton", sagt Müller. Es klinge warm, nicht blechern. "Allerdings bin ich bei den Klangfarben an Grenzen gestoßen." Ähnlich wie Licht habe auch der Klang verschiedene Abtönungen. Mal sei er besonders strahlend, mal äußerst düster. Beim Carbon habe er extreme Färbungen vermisst. "Das war vom Klang relativ mittig." Bei einem Cello für 4.000 Euro sei das aber nicht ungewöhnlich.

   Celli, Geigen und Bratschen aus Carbon empfiehlt Müller vor allem als Zweitinstrumente, für Reisen oder Open-Air-Konzerte. Sie seien widerstandsfähiger als Instrumente aus Holz. Auch hohe Luftfeuchtigkeit mache ihnen nichts. Das Material verändere sich faktisch nicht, sagt auch Kleinalstede. Man könne das Instrument sogar mit in die Badewanne nehmen. Zur Freude einiger dänischer Musiker. Sie hätten eine seiner Geigen für einen besonderen Zweck geordert: "Für Unterwasser-Konzerte."



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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-28 10:47:50
Letzte Änderung am 2012-08-28 10:48:39


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