• vom 15.10.2012, 16:34 Uhr

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Künstliche DNA soll den verbreiteten Metalldiebstahl eindämmen

Erbgut in der Oberleitung


Von Roland Knauer

  • Immer wieder fallen Züge,
  • Telefon oder Internet aus.

Oberleitungen der Deutschen Bahn kommen oft abhanden.

Oberleitungen der Deutschen Bahn kommen oft abhanden.© Dr. Roland Knauer Oberleitungen der Deutschen Bahn kommen oft abhanden.© Dr. Roland Knauer

Berlin. Wenn der schnelle ICE der Bahn längere Zeit auf einer Strecke ausfällt oder Telefon und Internet über das Festnetz lahmgelegt sind, kann beide Male die gleiche Ursache dahinterstecken: Metalldiebe könnten die Oberleitung oder das Telefonkabel gestohlen haben, um das darin steckende, recht teure Kupfer meistbietend zu verhökern.

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Die Gauner haben bisher relativ leichtes Spiel, weil sie selten auf frischer Tat ertappt und bei einer späteren Festnahme meist keine Beweise gefunden werden, die vor Gericht Bestand haben. Die Leitungen sehen nun einmal überall gleich aus. Deshalb markieren inzwischen betroffene Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Telekom und der Energiekonzern RWE ihre Materialien.

Kennzeichnung mit UV-Licht
Die Technik dazu liefern häufig Ralf Niemeyer und sein Unternehmen "Anti Crime Technology Corporation" (ACTC): "Unsere Firma kennzeichnet das Metall mit einer Mischung aus drei Komponenten." Erster Teil ist ein beständiger Farbstoff, der fahlblau leuchtet, wenn man ihn mit ultraviolettem Licht anstrahlt. Verschwindet ein so markiertes Kabel an einer Windkraftanlage oder Containerbrücke, können Polizeibeamte es mit entsprechenden Lampen als markiert identifizieren.

Die zweite Komponente der Markierungsmischung sind Metallplättchen mit einem Durchmesser von nur 0,4 Millimeter. Mit einer kleinen Lupe erkennen Polizisten ein Hologramm und eine eingeätzte Markierung auf diesen "Markxx" genannten Plättchen. Eine Datenbank verrät deren Herkunft. So könnte die Markierung etwa zeigen, dass ein Kabel von der Oberleitung der Bahnstrecke HHH von Hamburg nach Hannover stammt. Dann hätte der unrechtmäßige Besitzer des Teils vor Gericht schlechte Karten: Ende Juni 2012 wurde dort ein Teil der Oberleitung entwendet, die Strecke war acht Stunden gesperrt und mehr als hundert Züge wurden umgeleitet und waren entsprechend verspätet.

8,5 Milliarden Schaden
"Das ist typisch für solche Diebstähle: Die Folgekosten durch Verspätungen, ausgefallene Züge, gekappter Telefonleitungen oder nicht funktionierender Windräder und Containerbrücken sind oft viel höher als der Materialwert des entwendeten Metalls", so Niemeyer weiter. In der gesamten EU sollen durch Metalldiebstähle bisher Schäden von mehr als 8,5 Milliarden Euro angerichtet worden sein. Allein 2011 meldete die Deutsche Bahn 15 Millionen Euro Verluste durch Metallklau.

Die dritte Komponente ACTC-Mischung besteht aus künstlicher DNA. Das ist nichts anderes als ein Nachbau des Erbguts aller Lebewesen auf der Erde aus dem Labor. DNA besteht aus vier verschiedenen Bausteinen - A, C, G und T genannt -, die zu Ketten miteinander verknüpft sind. Diese vier Bausteine baut der ACTC-Wissenschafter Christian Prüfer gezielt zu relativ kurzen Ketten zusammen. Zwar verrät er die genaue Länge der Stücke nicht. Jeder kann sich aber ausrechnen, dass schon eine Kette aus nur fünf Bausteinen mehr als tausend verschiedene und eine Zehnerkette bereits eine Million unterschiedlicher Kombinationen von A, C, G und T erlauben.

"Wir können leicht für jede Bahnstrecke oder Windkraftanlage ein individuelles Muster zur Verfügung stellen", so Prüfer. Hochkonzentriert liefert ACTC die künstliche DNA mit den Markxx-Plättchen und dem UV-Farbstoff in einer zähen Flüssigkeit, die sich ein wenig wie Baumharz verhält. Unter dem Isoliermantel des Kupferkabels bleibt sie zähflüssig. Wird die Isolierung geöffnet, bleibt das Harz an allem kleben, mit dem es in Berührung kommt: Hände und Handschuhe, Werkzeug oder Geräte. Der Luftsauerstoff lässt die Harzteilchen zu einer festen Masse ähnlich wie Bernstein erstarren. Die darin enthaltenen Stücke künstlicher DNA bleiben mehrere Jahre stabil und sind kaum wegzubringen.

Mit der auch in der Kriminaltechnik gut etablierten Analysemethode PCR lässt sich dann das DNA-Muster zweifelsfrei identifizieren, die Herkunft klären und der Täter überführen. Das Handwerk kann man Metalldieben mit dieser künstlichen DNA zwar nicht legen, aber die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung vor Gericht steigt. Die künstliche DNA kann zumindest zukünftige Metalldiebe abschrecken.




Schlagwörter

Kupfer, DNA, Diebstahl

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Dokument erstellt am 2012-10-15 16:42:08


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