• vom 02.05.2014, 19:10 Uhr

Technologie

Update: 02.05.2014, 19:11 Uhr

Datenmengen

"Big Data" - Chancen und Risiken durch große Datenmengen




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Von Heiner Boberski

  • Nicht nur die Quantität von Daten, auch das Tempo des Transports, die Vielfalt und der Wahrheitsgehalt sind von Bedeutung.

Arno Scharl arbeitet daran, die "Datenqualität zu säubern".

Arno Scharl arbeitet daran, die "Datenqualität zu säubern". Arno Scharl arbeitet daran, die "Datenqualität zu säubern".

Wien. Wo von "Big Data" die Rede ist, schaut auch "Big Brother" um die Ecke. Die heutigen Möglichkeiten, riesige Datenmengen zu sammeln, zu speichern, zu verknüpfen und gezielt auszuwerten, hat für viele Menschen mehr beängstigende als positive Aspekte. Dass das Interesse an dieser Thematik sehr groß ist, bewies diese Woche eine Veranstaltung der Reihe "Am Puls" des Wissenschaftsfonds FWF in Wien.

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Um den Begriff "Big Data" pointiert zu erklären, zitierte der Wiener Buchautor und Journalist Jakob Steinschaden den Psychologen Dan Ariely von der Duke University (USA): "Big Data ist wie Teenager-Sex: Jeder redet darüber, keiner weiß wirklich, wie man es macht, jeder glaubt, dass es jeder andere macht, und daher behauptet jeder, dass sie es machen." Der in Oxford lehrende österreichische Experte Viktor Mayer-Schönberger sieht in Big Data die Steigerung von Foto und Film - die Möglichkeit zur durchgehenden Beobachtung. Davon machen, so Steinschaden, längst viele Gebrauch - die IT-Branche, die Wirtschaft, und zwar auch schon viele kleine und mittlere Unternehmen, die Politik und natürlich Geheimdienste wie die NSA (National Security Agency) der USA.

Daten haben schon die alten Römer gesammelt, wie etwa das Beispiel des Weihnachtsevangeliums zeigt, wo es um eine Volkszählung und Steuerlisten geht. Das waren natürlich Peanuts gegen die heute anfallenden Daten von schätzungsweise 2,5 Quintillionen Bytes pro Tag, von denen Internet-Giganten wie Google oder Facebook Unmengen in ihren Datenzentren sammeln. Die NSA hat erst jüngst ihre Datenspeicher in Bluffdale im US-Bundesstaat Utah ausgebaut. Ihr wird nachgesagt, dass sie pro Tag fünf Milliarden Datensätze erhebt, 200 Millionen SMS speichert und zumindest die Kapazität hätte, auch eine Milliarde Telefonate pro Tag in vollem Umfang zu speichern.

Oft wird auf die englischen vier großen V verwiesen, die zu Big Data gehören: volume, velocity, variety, veracity - Volumen, Geschwindigkeit, Vielfalt und Richtigkeit. Es spielen also nicht nur die Datenmengen, sondern auch das Tempo, mit dem sie transportiert und analysiert werden können, die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten und die Überprüfung des Wahrheitsgehaltes eine wichtige Rolle.

"Sexiest Job" des Jahrhunderts
Mit der Problemstellung, aus einer Unmenge von Daten die wahren und relevanten herauszufiltern, sozusagen die "Datenqualität zu säubern", befasst sich Arno Scharl, Leiter des Instituts für Neue Medientechnologie der Modul University Vienna und Geschäftsführer von webLyzard technology. Im Rahmen des EU-Projekts "Pheme" arbeitet man an einer Art "Lügendetektor" für Social Media - ins Netz gestellte fragwürdige Gerüchte und Spekulationen, aber auch sarkastisch oder ironisch gemeinte Beiträge sollen automatisch als solche identifiziert werden.

Der Beruf des Datenwissenschafters wurde vergangenes Jahr vom Harvard Business Review der "sexiest job" des 21. Jahrhunderts genannt. Dabei ist die quantitative Erfassung von Daten relativ einfach - Scharl erläuterte das am Beispiel Klimawandel, einem Wort, das zum Beispiel im US-Wahlkampf relativ selten vorkam, am meisten im Zusammenhang mit der Klimakonferenz in Rio oder dem Wirbelsturm "Sandy".

Den Preis für viele scheinbar kostenlose Internet-Angebote wie Google oder Facebook zahlen die Nutzer mit dem Verlust von Anonymität und Intimsphäre. Viele Menschen nutzen neue "smarte" Möglichkeiten trotzdem gern, ob es nun die medizinisch praktische App zur Messung des Blutzuckers ist oder das Runtastic-Angebot zur Dokumentation sportlicher Leistungen. Dass mit den erhobenen Daten reger Handel getrieben wird, dass längst bereits viele Werbekampagnen und Wahlkampfstrategien darauf aufbauen, sollte uns Datenproduzenten aber immer bewusst sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2014-05-02 16:50:07
Letzte ─nderung am 2014-05-02 19:11:02



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